Leserbriefe zum Thema Auto und Verkehr: Von gefährliche Wegen und insolventen Technologien

Leserbriefe zum Thema Auto und Verkehr : Von gefährliche Wegen und insolventen Technologien

Sollte der Staat der Autoindustrie durch eine Kaufprämie für Neuwagen unterstützen? Ist ein Tempolimit auf der A4 bei Düren sinnvoll? Wie geht es mit den Aachener Elektroautobauern Streetscooter und e.Go weiter? Einsendungen unserer Leser.

Dr. Hans Günter Rautenberg aus Aachen befasst sich mit dem Artikel „Kommt die Prämie? Abwarten.“ zu Überlegungen, wegen der Corona-Krise der Autoindustrie mit Kaufprämien unter die Arme zu greifen:

Will die Regierung alte Fehler wiederholen? Dazu sage ich: Nein, keine staatliche Prämie für Autokäufer! Nie wieder eine Branche von Großunternehmen staatlich fördern, deren Großaktionäre begünstigen und die Verbraucher bevormunden! Nur wer genug Geld für ein neues Auto hat, hätte auch einen Vorteil. Es gibt größere Branchen in Deutschland, die für mehr Beschäftigte das Einkommen sichern und auch noch mittelständisch geprägt sind, zum Beispiel Gastronomie und Touristik und andere. Eine staatliche Zahlung an alle Bürger lässt ihnen die Wahl, wie sie das Geld verwenden: Möbelkauf, die neue Waschmaschine, eine Reise oder Restaurantbesuche, vielleicht auch ein Auto. Alle Branchen habe eine Chance, und alle Verbraucher sind begünstigt. „Helikoptergeld“ ist negativ besetzt, aber sinnvoller. Schon zehn Milliarden Euro (wie es für nur eine Branche diskutiert wird!) wären für jeden der rund 80 Millionen Einwohner 125 Euro. Schon darüber freut sich ein allein lebender Rentner. Eine Familie mit zwei Kindern hätte immerhin 500 Euro zusätzlich zur freien Verwendung. Die riesigen Summen, die insgesamt vom Staat genannt werden, vergrößern den Effekt – für die Bürger und für die Wiederbelebung der Wirtschaft. Sogar 1000 Euro für jeden der 80 Millionen unserer Einwohner kosten „nur“ 80 Milliarden! Und wenn die Leute das Geld nicht ausgeben? Das würden sie nicht tun, wenn es Gutscheine gibt, die sechs oder neun Monate gelten!

Dieter Berg aus Aachen hat sich ebenfalls Gedanken zur möglichen Kaufprämie gemacht:

Es wird viel diskutiert über die Frage, ob die Regierung die Autohersteller mit einer Auto-Kaufprämie unterstützen soll oder nicht. Was soll diese Unverschämtheit? Zuerst betrügen sie mit manipulierter Software die Autokäufer und alle Staaten, daher müssen die Autohersteller Millionen Euro an Entschädigung bezahlen (alleine in den USA zahlt VW rund 100 Millionen Dollar Entschädigung!)

Und nun verlangen diese Betrüger finanzielle Unterstützung für den Neukauf von Autos genau von dem, den sie vorher betrogen haben, obwohl die Autoindustrie Gewinne in Milliardenhöhe macht. Die sollten sich schämen!

Walter Schroiff aus Raeren meldet sich zum Text „Riesige Fördersummen für Streetscooter“ zu Wort:

Ohne den Aachener Patriotismus zu untergraben: Oliver Krischer von den Grünen könnte den Grund für die Einstellung der Produktion des Streetscooters bei der Post AG recht einfach nachgelesen haben. Aus einem Interview der „Zeit“ vom 23. April 2020 geht eindeutig hervor, dass aus Kostengründen die Produktion eingestellt wird. Der Post-Chef Frank Appel sieht in der niedrigen CO2-Bepreisung und dem niedrigen Ölpreis einen Wettbewerbsnachteil für die E-Mobilität.

Dass am 21. Januar der dritte Streetscooter abgebrannt ist, sei hier nur am Rande erwähnt.

Es gibt, Statistik Stand 1. Januar 2020, 136.000 E-Autos und 46.000.000 Benziner/Diesel in Deutschland. Der E-Auto-Anteil liegt also bei 0,29 Prozent. Diese Zahlen spiegeln die Situation auf unseren Straßen wider. Wer den „Verbrenner“ – die Bezeichnung steht heute oft leider bei technisch „Uninteressierten“ für veraltete Technik – durch E-Mobilität ersetzen will, denkt zu kurz. 2019 war ein Rekordjahr trotz aller Widrigkeiten in der Autoindustrie. Die E-Mobilität sehe ich als eine sinnvolle Ergänzung aber nicht für einen Ersatz, der, koste es, was es wolle, ideologisch durchgesetzt werden soll.

Erhard Georg aus Kerpen reagiert auf den Bericht „Konsequenzen nach den nächsten tödlichen Unfällen“ zum „neuen“ A4-Autobahnabschnitt bei Düren:

Seit Inbetriebnahme des erwähnten Autobahnabschnitts engagiere ich mich als Mitglied der Initiative Buirer für Buir dafür, dass eine Höchstgeschwindigkeit vorgeschrieben wird. Neun Menschen mussten ihr Leben lassen, bevor die Bezirksregierung endlich das geforderte Tempolimit dauerhaft eingerichtet hat; 130 statt der von uns präferierten 100 Kilometer pro Stunde. Doch was nützt ein Tempolimit, wenn es nicht überwacht wird? An keiner Stelle dieses Abschnitts finden Tempokontrollen statt, abschreckende Wirkung damit Fehlanzeige.

Das Ergebnis dieser Untätigkeit von Politik und Verwaltung ist eine Tragödie. Wieder verunglückten zwei Personen tödlich. Wieder mussten Polizeibeamte, Feuerwehrleute, andere Autofahrer und auch Anwohner erleben, wie Menschen in den Trümmern ihrer Fahrzeuge zu Tode kamen. Wie Sie berichten, beabsichtigt die Unfallkommission die Unfallentwicklung der nächsten Monate abzuwarten. Soll da wirklich – aus Gründen der Statistik – auf weitere Todesopfer und Schwerstverletzte gewartet werden? Das ist im höchsten Grade makaber, obszön und menschenverachtend. Elf Menschen sind bisher hier umgekommen. Das sind genau elf zu viel. Das Sterben auf dieser Autobahn muss endlich ein Ende haben. Die Einhaltung der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit muss (!) unverzüglich überwacht werden - mit herkömmlichen Methoden, auf die neuartige SectionControl kann nicht gewartet werden. Durch Nichtstun werden weitere Todesopfer in Kauf genommen.

Im Übrigen hätte ich erwartet, dass Ihr Redakteur, Marlon Gego, sich bei der Initiative Buirer für Buir – wenn er sie schon zitiert – genauer informiert und auf den neuesten Stand gebracht hätte.

Georg Osmialowski au Herzogenrath äußert sich auch zum Beitrag „Konsequenzen nach den nächsten tödlichen Unfällen?“:

Es war eine nette Idee, an den Rändern der A4 einen botanischen Garten zu errichten. Er bringt, wie ich auch bei mir feststellen konnte, einige Probleme mit sich. Der Fahrer, der sich vorzugsweise dem Geschehen auf der Fahrbahn widmen sollte, wird abgelenkt, weil er, der normalen menschlichen Neugier folgend, hinter den gut sichtbaren Schildern „Schwarz-Erle“, „Wacholder“ oder „Sommerlinde“ im Vorüberfahren die dazugehörigen Bäumchen sucht, die aufgrund ihres jugendlichen Alters sehr filigran und daher kaum sichtbar sind. Ist den genannten Experten mal der Gedanke gekommen, dass diese Ablenkung die Ursache der vermehrten Unfälle sein könnte? Vielleicht wäre der Abbau dieser Schilder die effektivste Unfallverhütung. Wenn dieser botanische Garten unbedingt weiter erhalten bleiben soll, können diese Schilder wieder aufgestellt werden, wenn die Bäume soweit „erwachsen“ sind, dass sie deutlich erkennbar sind und der Fahrer sie nicht sekundenlang suchen muss.

Rolf Schwartz aus Simmerath betont hinsichtlich des Unfallschwerpunkts auf der A4:

Werbung ist an deutschen Autobahnen aus Sicherheitsgründen (Straßenverkehrsordnung Paragraf 33 Verkehrsbeeinträchtigungen) verboten. Nur demokratisch legitimierte Instanzen können Ausnahmen davon zulassen. Besonders, wenn Werbung so klein geschrieben ist wie die „Baum des Jahres“­-Schilder, führt sie auf der langen Geraden zu Ablenkung und Unfällen. Buirer für Buir sind demokratisch genau so wenig legitimiert wie Simmerather für Buir, und 100 Kilometer pro Stunde werden so wenig helfen wie 70 Kilometer pro Stunde, solange Werbeschilder von der Verkehrsbeobachtung ablenken.

Hartmut Schwartz aus Eschweiler meint zum Text „Konsequenzen nach den nächsten tödlichen Unfällen?“:

Ich bin jetzt seit 60 Jahren Autofahrer und zum Glück bisher unfallfrei geblieben. Als die Teilstrecke bei Düren eröffnet wurde, habe ich mich gefragt, wieso bei jedem Baum, der gepflanzt wurde, ein Schild angebracht wurde mit Namen des Baumes und in welchem Jahr der Baum zum Baum des Jahres gewählt wurde. Ich war damals schon der Meinung, dass diese Hinweisschilder den Autofahrer sehr ablenken, besonders bei hoher Geschwindigkeit. Aufgrund der vielen Unfälle wurde dann Tempo 130 eingeführt. Anfangs wurde hierdurch die Unfallquote etwas verringert. In Ihrem Berichten lese ich, dass nach wie vor viele Unfälle passieren und man fordert, auf Tempo 100 zu reduzieren. Egal ob Tempo 100 oder 130, ich bin der Meinung, man sollte die meiner Meinung nach unsinnigen Schilder beseitigen, die Geschwindigkeitsbegrenzung beibehalten oder auch reduzieren, und die Unfälle werden sich stark reduzieren. Ob der Baum Erle oder Buche heißt, kann man sowieso nicht bewerten. Vielleicht sollte man meine Anregung mal mit Experten diskutieren. Denn manchmal führt eine gute Idee zum richtigen Erfolg.

Manfred Waluga aus Herzogenrath schreibt zum Artikel „e.GO-Chef will Streetscooter kaufen“:

Ich frage mich, warum Professor Günther Schuh und seinen Aktivitäten so viel Raum in Ihrer Zeitung eingeräumt wird. Nur, weil es um Elektromobilität in Verbindung mit der RWTH Aachen geht? In letzter Zeit wird regelmäßig über alles und jedes, was mit ihm persönlich und e.GO zu tun hat, ausführlich berichtet. Ob es die Verhandlungen mit VW waren, die chinesischen Investoren, der Rückkauf von Streetscooter: Alles wird medial ausgebreitet, und man fragt sich: Interessieren diese Dinge die Leserschaft wirklich? Handelt es sich hier nicht um jemanden, der nach mehr als fünf Jahren und vielen Millionen Euro seiner Geldgeber immer noch mit der Bezeichnung „Start-up“ für e.GO kokettiert? Der, weil bei ihm wegen mangelnden Geschäftserfolgs die Investoren nicht Schlange stehen, die fehlende Risikobereitschaft in Deutschland anprangert und den Vergleich zum gelobten „Silicon Valley“ respektive zu Tesla-Chef Elon Musk persönlich sucht? Um jemanden, der bisher leider nicht bewiesen hat, dass er seine theoretischen Fähigkeiten auch in der Praxis gewinnbringend für Unternehmer und Mitarbeiter umsetzen kann? Für mich ist ein erfolgreicher Unternehmer nicht der, der selbstverliebt in den Medien präsent ist, sondern vielmehr derjenige, der sein Unternehmen zum Erfolg führt, seine Belegschaft schätzt und nicht „verkauft“, um sich später dann wieder als Retter zu inszenieren. Ich würde also liebend gerne Berichte über Unternehmer lesen, die erfolgreich Arbeitsplätze geschaffen und erhalten haben. Und ich hätte nichts dagegen, wenn eines Tages auch ein Aachener Professor dazugehören würde.

Klaus Versin aus Herzogenrath antwortet auf die Leserbriefe unter dem Titel „Die Rowdys, die Raser und die neuen Antriebe“ zum Thema Mobilität:

Mit sehr großem Vergnügen habe ich die Leserbriefe zur Mobilität gelesen. Es gab Lösungen, die einfach genial waren. Markus Schiffgens aus Herzogenrath zum Beispiel hat erkannt, dass, wenn man die linke Spur für ihn freihalten würde, er nicht zu bremsen bräuchte und würde dadurch deutlich weniger CO2 produzieren. Recht hat er! Gut, die anderen müssen dann halt hinter den Lkw herzuckeln, aber auch die würden ja weniger bremsen! Doppelter Gewinn. Wer braucht da noch ein Tempolimit? Die paar Hundert Toten und Verletzten werden wir ja wohl noch verschmerzen können. Aber auch gegen die Unfälle gibt es ja eine Lösung, die wird uns von Dr. Peter Puschner aus Aachen präsentiert: Wer langsam über die Autobahn fährt, döst dabei ein und ist gefährlich, während der Fahrer, der schneller als 120 Kilometer pro Stunde fährt, hochkonzentriert ist. Da läge die Antwort doch auf der Hand. Eine Mindestgeschwindigkeit von, sagen wir, 180 Kilometer pro Stunde, und die Fahrer wären dermaßen auf der Höhe ihrer Aufmerksamkeit, dass bestimmt gar nichts mehr passieren würde. Paradiesische Zustände auf unseren Straßen. Und all das wird von der Wissenschaft ignoriert, und man erfährt es durch die Leserbriefe unserer Lokalzeitung. Dabei haben wir doch einen hochkompetenten Verkehrsminister, dem diese Erkenntnisse bestimmt sofort einleuchten würden, würde er sie nur kennen.

Martin Comuth aus Aachen befasst sich ebenfalls mit den Leserbriefen mit dem Titel „Die Rowdys, die Raser und die neuen Antriebe“:

Jedes Batterie-Elektroauto, das nicht gebaut wird, schont Menschenleben und Umwelt. Dass Kinder bei der Kobaltförderung tödlich verunglücken und dass ganze Landstriche durch Lithiumförderung unbewohnbar werden, ist inzwischen bekannt. Spricht man einen E-Batterieautobesitzer oder -befürworter darauf an, heißt es, die Batterie sei ja nur eine vorübergehende Technik, oder die Technik wird besser. Klar, alles ist nur vorübergehend, was die Kinder und die Umwelt angeht. Geht’s noch? Haben wir nichts dazu gelernt? Und wo sind die Klimaaktivisten für die ausgebeuteten Länder? China und die USA haben die Förderung von E-Batterieautos eingestellt. Der Absatz ist dort eingebrochen. Moderne Diesel-Pkw sind in der ganzen Produktionskette bis etwa 180.000 Kilometern sauberer als E-Batterieautos (ADAC 2019). So lange hält keine Batterie. Dabei ist die Entsorgung beziehungsweise das Recycling noch völlig ungeklärt. Elektro-Brennstoffzellen-Fahrzeuge mit Wasserstoff als Energielieferant boomen zum Beispiel in China, Japan, Korea und den USA. Zwei Firmen in China starten dieses Jahr die weltweit größte Brennstoffzellenproduktion. Bosch baut gerade für rund fünf Milliarden US-Dollar eine Elektromotor- und Brennstoffzellenfabrik in China. Unter anderem wird von dort ein Lkw-Hersteller beliefert, der ab 2021 Brennstoffzellen-Lkw in Ulm herstellt. Um 2000 war Mercedes führend bei Brennstoffzellenantrieben. Das kondensierte Wasser wurde sogar im Fahrzeug aufgefangen und konnte als Trinkwasser benutzt werden, während bei aktuellen Wasserstoff-Fahrzeugen das Wasser verdunstet. Da könnte man als „Pionierleistung“ anknüpfen in der „Wissenschaftsstadt Aachen“. In Deutschland gibt es inzwischen viele Wasserstoffregionen, unter anderem „H2-Region Wasserstoff Rheinland“, die so ziemlich genau die Städteregion Aachen ausspart.

Helge Lehnhardt aus Aachen geht auf den Text „Neue Regeln, härtere Strafen“ über neue Vorschriften vor allem für Autofahrer im Straßenverkehr ein:

Ein Hoch auf die Radfahrerlobby! Wieder bekommen die Radfahrer noch mehr Rechte und Ver­günstigungen. Jeder Verkehrsteilnehmer bekommt hohe Strafen, wenn ihm ein Fehlverhalten im Straßenverkehr nachgewiesen wird. Was aber ist mit den Radfahrern? Dürfen sie weiter ungestraft durch den Straßenverkehr sausen? Bei roter Ampel einfach durchfah­ren? Mal eben auf den Bürgersteig wechseln, weil es dort schneller geht? Zu zweit oder zu dritt die Autofahrer auf der Straße ausbremsen, die ohnehin kaum an einem Radfahrer vorbeikommen? Was ist mit den Fußgängern? Muss man jetzt zur Seite springen, um dem Radfah­rer einen Abstand von mindestens 1,50 Meter zu überlassen? Die hier geschilderten Erlebnisse erlebe ich tagtäglich im Straßenverkehr. Es ist ein Hohn, mit welcher Ignoranz sich diese Lobby ungestraft durchsetzt.