Kommentar zur Landnutzung: Verursacher und Opfer zugleich

Kommentar zur Landnutzung : Verursacher und Opfer zugleich

Bisher tun Agrar- und Forstwirtschaft so, als ginge sie der Klimaschutz nichts an. Unter anderem mit dem Hinweis, dass ihr Beitrag zum CO2-Ausstoß hierzulande unter zehn Prozent liege.

Verdienst des Weltklimarats ist, dass er auf die globalen Zusammenhänge hinweist. Beispiel: Um CO2 aufzufangen, müssten massenhaft Bäume gepflanzt werden.

Stattdessen wird hemmungslos abgeholzt, etwa am Amazonas. Und zwar für den Sojaanbau und die Viehzucht. Also auch für das Kraftfutter, mit dem hierzulande Schweine und Hähnchen gepäppelt werden. Von der Verantwortung der Landwirtschaft für das Artensterben nicht zu reden.

 Eine politische Chance liegt darin, dass dieser Sektor nicht nur Verursacher, sondern auch Opfer der Entwicklung ist. Die Bauern und Waldbesitzer leiden zuerst unter den Folgen des Klimawandels. Auch schon in Deutschland, wie die Dürreschäden zeigen. Prinzipiell dürfte es also eine Bereitschaft für Veränderungen geben, an die die Politik anknüpfen kann. Freilich muss die Rechnung für die Erzeuger stimmen. Und auch für die Verbraucher.

 Vordringliches Ziel muss es sein, den Fleischkonsum und den Düngemitteleinsatz zu verringern und den Landschaftsverbrauch zu begrenzen. Höhere Steuern auf Fleisch allein werden das nicht schaffen und sind zudem sozial bedenklich. Wirksamer ist eine Mischung aus Anreizen und staatlichen Vorgaben. Also die deutlich verstärkte Förderung von nachhaltiger Agrarproduktion und regionaler Vermarktung auf der einen Seite. Und harte Beschränkungen für den Einsatz von Dünger und Giften auf der anderen. Das umweltfreundliche Produkt muss billiger, dass umweltfeindliche teurer werden.

 Die großen Profiteure der Agrarindustrie werden ihre ganze Lobbymacht aufbieten, um das zu verhindern. Im Herbst steht das Klimaschutzgesetz auf der Tagesordnung. Dann muss sich zeigen, ob es dagegen eine Mehrheit der Vernunft gibt.

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