Städteregion: „unserAC.de“: Mit wenigen Klicks zur eigenen Initiative

Städteregion: „unserAC.de“: Mit wenigen Klicks zur eigenen Initiative

Wissen, was im Stadtrat Thema ist? Sich vernetzen und in der eigenen Stadt, dem eigenen Viertel, Initiative ergreifen? Mit diesen Zielen startete vor fünf Monaten das Bürgerportal „unserAC.de“ der Aachener Kathy Beys Stiftung.

Nicht nur in Aachen, wie der Name zunächst vermuten lässt, sondern in der gesamten Städteregion, will das kostenlose und werbefreie Portal bürgerschaftliches Engagement erleichtern und fördern. 20 000 monatliche Besuche zählt die Seite mittlerweile. „Eine Menge für eine so frische Plattform“, findet Klaus Dosch, Projektleiter von „unserAC“. Noch entscheidender als die bloßen Klickzahlen ist jedoch das, was sich auf der Seite wirklich abspielt: 34 Initiativen sind seit dem Start im Mai schon ins Leben gerufen worden.

Projektleiter Klaus Dosch. Foto: L. Franzen

Rund 150 Vereine und andere Gruppierungen nutzen bisher die Möglichkeit, auf sich und ihre Termine aufmerksam zu machen. „So wollen wir das ehrenamtliche Engagement in der Region stärken“, sagt Dosch. Aber nicht nur Vereine können und sollen die Plattform mit Leben füllen. Aktiv werden kann jeder.

Wie das genau funktioniert, erläutert Dosch an einem persönlichen Beispiel: „Ich laufe regelmäßig mit einer Gruppe durch den Aachener Wald. Teile unserer Strecke sind nach Regen stark versumpft. Mit ein bisschen Recylingmaterial ließe sich hier etwas bewegen und jeder hätte etwas davon“. Da sich bei der verantwortlichen Forstverwaltung Hürtgenwald aber niemand zuständig fühlt, will Dosch nun selber anpacken und hat kurzerhand eine Initiative mit dem Titel „Eselsweg belaufbar halten“ eingestellt, um Mitstreiter für sein Vorhaben zu gewinnen. „Nicht immer sollte man auf die Verwaltung warten“, sagt der studierte Geologe und Wirtschaftsingenieur. „In einem solchen Fall können sich Menschen einfach zusammenschließen und es selber in die Hand nehmen.“

Wie der 52-Jährige haben bereits überall in der Städteregion Bürger ihre Initiativen online gestellt. „Bäume für Alsdorf“ wünschen sich nach den Pfingstunwettern zum Beispiel Menschen aus dem Nordkreis. Für einen barrierefreien Bahnhof machen sich Bürger aus Eschweiler stark. Aus dem Eifel-Dorf Woffelsbach kommt der Vorschlag, gemeinsam eine lebendige Website über den Ort entstehen zu lassen, und in Roetgen wirbt der Heimat- und Geschichtsverein für seinen Vorstoß, ein historisches Gebäude, das alte Ärztehaus, vor dem Abriss zu bewahren.

Erste Erfolge für Initiativen

Viele dieser Projekte stehen noch in den Startlöchern. Andere sind dagegen schon weiter. Engagierte Eltern aus Stolberg etwa setzten sich dafür ein, eine mobile Geschwindigkeitstafel anzuschaffen, um Autofahrer an Kindergärten auf ihr überhöhtes Tempo aufmerksam zu machen.

Schnell entwickelte sich aus dieser Initiative ein Gemeinschaftsprojekt von Eltern, einer Stolberger Bürgerstiftung und der Stadt. In Aachen soll ein Werk des Graffiti-Künstlers Klaus Paier nicht aus dem Stadtbild verschwinden. Auch hier wurde via „unserAC“ mobil gemacht. „Jetzt wird das Graffiti ein Thema im Rat“, freut sich Dosch.

Apropos Rat: Wer sich nicht engagieren, sondern nur informieren will, wird bei den Rats-Infos fündig. Denn das Portal durchsucht die Ratsinformationssysteme, sofern vorhanden, filtert diese und ordnet sie schließlich den jeweiligen Stadt- und Ortsteilen zu. Da bisher aber lediglich Aachen, Würselen, Alsdorf, Herzogenrath (und bald auch Eschweiler) über ein solches System verfügen, werden die Informationen aus den anderen Kommunen noch von einem vierköpfigen Team zusammengetragen und manuell eingepflegt. Langfristig sei die Einführung einer Schnittstelle mit dem Namen „Offenes Parlament“ geplant, verrät Dosch.

„Dann kommen die Informationen direkt von der Stadt.“ Aber auch jetzt schon äußern Städte ihre Kooperationsbereitschaft. „Ich habe erste Gespräche mit der Stadt Stolberg geführt“, sagt Projekt-Mitarbeiterin Doris Vaallee. Und auch die Städteregion sei daran interessiert, die Zusammenarbeit auszuweiten, ergänzt der Projektleiter.

„Keine Nörgelplattform“

Steigende Nutzerzahlen, steigendes Interesse bei den Kommunen: Was fehlt dem Portal da eigentlich noch? „Unser Etappenziel ist, das ein Prozent der Bevölkerung regelmäßig bei uns vorbei schaut“, weiß Dosch, dass die Wirkung des Portals maßgeblich von der Mitmach-Quote abhängig ist — bei 540.000 Einwohnern in der Städteregion sind also 5400 Nutzer das vorläufige Ziel. „Auf lange Sicht peilen wir die fünf Prozent an.“

Aber nur hohe Nutzerzahlen sind nicht alles. „Auf keinen Fall wollen wir eine Nörgelplattform sein“, bekräftigt Klaus Dosch und wiederholt noch einmal das Motto der Seite: „Du bist ‚man‘, also ran!“