Aachen: Tränen statt Trallala: Von Pezolds starker Abgang

Aachen : Tränen statt Trallala: Von Pezolds starker Abgang

Mit 59 Jahren tritt AKV-Präsident Dirk von Pezold von seinem Amt zurück. Er moderierte zusammen mit Geschäftsführer Christian Mourad seine letzte Festsitzung. Das Finale als Chef des Elferrates geriet am Ende des bunten Spektakels zu einem emotionalen Höhepunkt.

„Dat is mi Oche.” Als Dirk von Pezold am Ende der Festsitzung und seiner sechsjährigen AKV-Präsidentschaft Frank Sinatras umgetexteten Ohrwurm „My way” fast schluchzt, brechen ein paar närrische Dämme.

Im Saal weint Ehefrau Ina, gestandene Mannsbilder wischen sich die Augen, und der scheidende Chef des Elferrates wird später sagen: „Es ist für mich ein Riesenglück, dieser Stadt, die ich so liebe, etwas zurückgeben zu können.”

Tränen statt Trallala, Rührung statt Raketen, und WDR-Intendant Fritz Pleitgen sagt, was alle denken: „Die Menschen mögen Sie.”

Der TV-Zampano mag von Pezolds Entscheidung nicht verstehen: „Dynamisch, unwiderstehlich” und „jung” sei er doch, der 59-Jährige. Aber der hat sich den Rückzug gut überlegt: „Solange die Leute noch ,schade sagen, ist es genau der richtige Zeitpunkt. Ich habe Angst vor dem Boxersyndrom - dem einen Kampf zu viel.”

Hinter dem Präsidenten liegt zu diesem Zeitpunkt eine viereinhalbstündige Doppelmoderation mit dem 37-jährigen Christian Mourad, dem Geschäftsführer des AKV, der den nass-forschen Reporter im rot-gelben Lacklederoutfit mimte.

„Er hat mir den Abschied leicht gemacht”, sagt Dirk von Pezold. „Ein Glücksfall für den AKV” sei der junge Jurist. Und es gehöre „nicht viel Phantasie dazu”, dass Mourad - „dieser begnadete Schauspieler” - auch in Zukunft als Moderator aktiv bleibe. „Aber das ist eine Entscheidung, die der Elferrat fällt und sie in Kürze nach Rosenmontag bekannt gibt.” Von Pezolds Vorhang ist indessen definitiv gefallen.

Zuvor erlebten 1300 Besucher im Saal und am Sonntagabend Millionen Fernsehzuschauer, wie man Dirk von Pezold kennt: Kultig als Lennet Kann, schnulzig als Sinatra, mal ausgelassen am Rande des Bühnengeschehens, bei der Moderation jedoch oft ernst: „Ich habe manchmal Probleme, meine Gefühle aufs Gesicht zu zeichnen”, räumt er ein, deshalb habe man ihm lange Zeit „Arroganz nachgesagt”. Seine Wahrheit ist anders: „Ich bin sehr viel introvertierter, als viele Leute glauben.”

Von Pezolds Handschrift für den AKV wurde am Samstagabend deutlich: Igelten sich die einstigen Nobelnarren ehedem ein, integrieren sie mit Pezolds Weitblick Tropi-Gardisten wie Hubert Crott, Strunx-Kräfte wie Manni Hammers oder Talente aus dem Pfarrkarneval wie Guido Hoß. Und: Hockten die Elferräte einst wie schwarze Pinguine mit eingemeißeltem Lächeln in Reih und Glied, singen und turnen sie nun durch glamouröse Szenenbilder.

Ein weiteres Markenzeichen aus von Pezolds Repertoire gab der Festsitzung Profil: „Nicht in Köln, nicht in Düsseldorf, nirgendwo erleben die Leute Persönlichkeiten wie Blüm, Schmidt oder Simonis in derartigen Rollen”, sagt der scheidende Präsident, der sich auch kritischen Fragen stellen musste: Warum wurde die Live-Sitzung eine Stunde überzogen? Antwort: „Im letzten Jahr hatten wir keine Chance, fürs Fernsehen Schnitte zu machen. Dies aber ist bei einer Sitzung mit Amateuren immer nötig.”

Seis drum: „Im Kopf ist meine Abschiedsentscheidung klar, der Bauch macht Probleme.” Warum? „Wie wir alle bin ich eitel. Ich liebe es, geliebt zu werden”, sagt Dirk von Pezold ehrlich. Er mag sich trösten. Das muss ja nicht aufhören. Denn Lennet Kann bleibt dem närrischen Aachen und seinen bundesweiten Fans erhalten.