Eschweiler/Stolberg: Tod in anderem Licht sehen und besser verstehen

Eschweiler/Stolberg: Tod in anderem Licht sehen und besser verstehen

Für den Verein Ambulanter Hospizdienst Esch­weiler/Stolberg war 2014 ein besonderes Jahr. Ein Jahr, das von großen Veranstaltungen aus Anlass des 10- beziehungsweise 15-jährigen Bestehens geprägt war.

Maria Krüger aus Stolberg erkannte vor 15 Jahren, wie wichtig eine ambulante hospizliche Versorgung für schwerstkranke und sterbende Menschen ist und rief die Ambulante Hospizgruppe Stolberg ins Leben.

Fünf Jahre später regte Dr. Götz Sandmann mit ähnlicher Intention eine Hospizinitiative in Eschweiler an. Die ersten Befähigungskurse für ehrenamtliche Begleiter fanden unter der Leitung von Monika Meinhold statt.

Im Herbst 2008 wurden erste Gespräche geführt mit dem Ziel, die beiden Initiativen zu einem Verein mit dem Namen „Ambulanter Hospizdienst Eschweiler/Stolberg e.V. “ zusammenzuführen. Weitere Befähigungskurse folgten und gaben den ehrenamtlichen Helfern das nötige Rüstzeug, um die Betreuung Schwerstkranker und Sterbender in ihrem persönlichen Umfeld auf einfühlsame Weise zu gewährleisten.

Für die nötige fachliche Kompetenz sorgt die hauptamtliche Koordinatorin Gabriele Schippers.

Mit der Veranstaltung „Karneval und Trauer“ startete der Hospizverein am 4. Februar in sein Festjahr. Wolfgang Oelsner aus Köln bewies in seinem Vortrag im Ratssaal der Stadt Eschweiler auf amüsante und treffende Weise, wie Karneval und Trauer zusammenhängen können.

Neue Kontakte geknüpft

Ende März gestaltete der Ambulante Hospizdienst einen Erinnerungsgottesdienst des Palliativnetzes Stolberg-Eschweiler in der Auferstehungskirche der Evangelischen Gemeinde Weisweiler/Dürwiß. „Gemeinsames Erinnern ist uns wichtig“ — unter diesem Titel gedachten Mitarbeiter im Palliativnetz sowie die Angehörigen der Menschen, die im verstrichenen Jahr in ihrer letzten Lebensphase begleitet wurden. Beim anschließenden Beisammensein im Gemeindezentrum ergab sich die Gelegenheit, anregende Gespräche zu führen, sich auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.

Mit einer Sternwanderung ging es weiter. Von zwei Startpunkten aus, in Eschweiler und Stolberg, machten sich zwei Gruppen am 26. April auf den Weg, um den Zusammenschluss der beiden Hospizgruppen zu demonstrieren. Ziel war die Kapelle der Familie Phi­lippi in Stolberg. Nach einer kurzen Meditation stärkten sich die Gruppen bei der Familie und besuchten anschließend den versteckt liegenden kleinen jüdischen Friedhof in unmittelbarer Nähe.

Ein weiterer Höhepunkt im Rahmen der Jubiläumsfeiern fand Ende Mai in der „Essbar“ des Bethlehem-Krankenhauses Stolberg statt. Die Schauspieler Jochen Deuticke und Anush Manukian vom Theater K aus Aachen führten den zahlreichen Gästen eindrucksvoll und zuweilen amüsant vor Augen, was passiert, wenn der Tod streikt und Kranke nicht mehr sterben können.

Als Vorlage diente der Roman „Eine Zeit ohne Tod“ von José Saramago. Wieder war der Raum komplett gefüllt. Ein besonderer Beweis für den Erfolg des Abends war die Aussage einer Dame, deren Mann im Frühjahr verstorben war: „Jetzt kann ich seinen Tod in einem anderen Licht sehen und besser damit umgehen!“

Nach der Sommerpause lud der Verein am 4. September zum Benefizessen in das Restaurant „O Portugues“ in Eschweiler-Hehlrath ein. Durch die großzügige Unterstützung des Inhabers Paolo Raposo und seiner Zulieferer konnte für 120 Gäste ein vorzügliches Drei-Gänge-Menü angeboten werden. Für einige Besucher war dies der erste Kontakt zum Ambulanten Hospizdienst.

Besonders zu erwähnen sind auch die Personen aus dem öffentlichen Leben, die sich unentgeltlich als Servicekräfte zur Verfügung stellten: allen voran der Eschweiler Bürgermeister Rudi Bertram in Teamarbeit mit Claudia Kerres, Professor Dr. Christian Karl, Michael Strauch sowie die Ex-Fußballprofis Markus Daun, Thomas Stehle und Sascha Rösler.

Ehrenmitgliedschaft verliehen

Den Abschluss des Jubiläumsjahres machte eine interne Veranstaltung des Ambulanten Hospizdienst Eschweiler/Stolberg. In einem würdigen Rahmen wurde den Gründungsmitgliedern Maria Krüger, Monika Meinold und Dr. Götz Sandmann vom Vorsitzenden Edgar Beckmann als Anerkennung ihrer Verdienste die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

Dr. Götz Sandmann fand beeindruckende Worte, warum Hospizarbeit immer wichtiger wird und im Rahmen der Diskussionen um die Sterbehilfe immer mehr in den Vordergrund rückt. Er mahnte auch, das Wohl der Betreuten nicht aus den Augen zu verlieren und wirtschaftlichen Auswüchsen, wie sie in anderen Ländern zu beobachten sind, rechtzeitig vorzubeugen.

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