Aachen: Thomas I. freut sich sogar auf die Strumpfhosen

Aachen : Thomas I. freut sich sogar auf die Strumpfhosen

Wer im Karneval aktiv ist, gerät mitunter seinem Arbeitgeber gegenüber in Erklärungsnot. Das kann Thomas Ebert nicht passieren. Denn sein Vorgesetzter bei der Wotax Steuerberatung ist gleichzeitig auch sein Chef im Fastelovvend, AKV-Präsident Horst Wollgarten.

Der sprach den 38-Jährigen im Büro an, ob er sich eine Session als Prinz Karneval vorstellen könnte. Bis dahin hatte Ebert nicht an eine Bewerbung gedacht. Sarah Siemons sprach mit ihm.

Sie werden der erste Prinz Karneval in der Geschichte des AKV sein, der sich nicht beworben hat...

Thomas I.: Naja, ich habe mich erst nach der Frage von Herrn Wollgarten offiziell beim AKV beworben, da dies alleine schon aus Formgründen so sein musste. Dann bin ich persönlich beim AKV-Elferrat vorstellig geworden und habe mich und meine Ideen für die Session vorgestellt.

Dass der Präsident Horst Wollgarten auch Ihr Chef bei der Wotax ist, spielte da keine Rolle?

Thomas I.: Natürlich kannte er mich und wusste, dass ich nett, umgänglich und verlässlich bin. Ich habe auch mit seinem Sohn früher zusammen Hockey gespielt. Aber wer Prinz wird, ist nicht allein die Entscheidung des Präsidenten. Herr Wollgarten hat mich vorgeschlagen, der Elferrat hat schließlich positiv hierüber entschieden.

Birgt das nicht gerade auch Probleme für Sie, wenn der Chef gleichzeitig im Karneval aktiv ist?

Thomas I.: Nein, überhaupt nicht. Es ist sogar sehr hilfreich, dass mein Chef so genau weiß, wieviel Zeit der Karneval in Anspruch nimmt. Er unterstützt mich sehr, weil er sich aber auch in der übrigen Zeit 100-prozentig auf mich verlassen kann. Ich bin kein Mensch, der im Büro auf die Uhr schaut, im Gegenteil. Ich glaube, das kommt mir jetzt zugute.

Hat Ihnen Horst Wollgarten denn jetzt das „Du” angeboten?

Thomas I.: Tatsächlich ja. Das hört sich vielleicht albern an, aber im Karneval ist das nunmal so üblich. Noch alberner finde ich es aber, wenn Menschen zum Beispiel auf der Betriebsfeier ein „Tages-Du” anbieten, das am nächsten Tag nicht mehr gilt. So ist das bei uns aber nicht. Das „Du” ändert bei uns nichts im normalen Arbeitsalltag. Wäre auch schlimm, wenns so wäre.

Wieviel Fastelovvend darf denn in der Firma thematisiert werden?

Thomas I.: Natürlich sprechen wir im Büro über Termine und organisatorische Dinge. Und die Kollegen sind stolz, tragen das Ganze mit. Das ist wirklich toll.

Böse Zungen nennen Sie „Notstopfen”, weil sich der AKV in dieser Session so schwer getan hat, einen Prinzen zu finden...

Thomas I.: Ja, aber da stehe ich drüber. Ich kann den AKV auch gut verstehen, immerhin feiern wir in dieser Session 150-jähriges Bestehen.

Ist das Jubiläum eher eine Last oder ein Segen?

Thomas I.: Ich fühle mich von der Tatsache, dass wir einen runden Geburtstag feiern, nicht bedrückt, sondern eher geehrt. Das ist eine tolle Herausforderung und ich bin sehr gespannt.

Wissen Sie genau, was auf der Proklamation auf Sie zukommt?

Thomas I.: Ganz genau natürlich nicht. Obwohl so ein Abend natürlich geplant sein muss. Aber es gibt Freiräume, und ich bin gespannt auf die ein oder andere spontane Einlage.

Sind Sie ein spontaner Mensch?

Thomas I.: Ja, absolut. Ich schätze Spontanität. Solange es ein Grundkonzept gibt, an dem man sich entlang hangeln kann.

Und am Samstagabend geht es los. Sind Sie aufgeregt?

Thomas I.: Es wäre eine Lüge, wenn ich das abstreiten würde. Klar bin ich nervös. Aber ich gebe mir alle Mühe, mir das nicht anmerken zu lassen. Aber ich freue mich sehr darauf, dass es dann richtig losgeht. Vor allem, weil ich den Anzug dann endlich gegen mein Kostüm tauschen darf.

Andere Prinzen vor Ihnen waren den Strumpfhosen gegenüber skeptischer eingestellt...

Thomas I.: Ja, ich wusste auch nicht, dass es Strumpfhosen mit Reissverschluss gibt und bin echt überrascht. Trotzdem fühle ich mich in meiner Robe sehr wohl, habe so gar nicht das Gefühl, mich zu verkleiden. Auch wenn man mich im alltäglichen Leben nicht in Pumphosen sieht.

Sie haben sich über das Gewand viele Gedanken gemacht.. Liegt das daran, dass Sie sehr modebewusst sind?

Thomas I.: Nein, zwar haben wir im Hofstaat im Scherz an einen Latexanzug gedacht, aber das waren bloß Albereien. Ich mache mir schon Gedanken, weil ich was Besonderes haben wollte, aber es ist trotzdem ein klassisches Prinzenkostüm dabei heraus gekommen.

Viele Gedanken haben Sie sich auch bei der Wahl des Hofstaates gemacht...

Thomas I.: Ja. Es war mir vor allem wichtig, dass alle einen engen Bezug zu Aachen haben. Jetzt ist eine wunderbar bunte Mischung entstanden, von Neulingen und erfahrenen Karnevalisten. Die unterschiedlichen Charaktere passen super zusammen.

Wie Ihre Vorgänger haben auch Sie eine CD aufgenommen und werden die Session singend erleben. Hat es Sie nicht gereizt, hier etwas Neues auszuprobieren?

Thomas I.: Nein. Ich finde, das Feiern gehört zum Karneval, und wie ginge das besser als mit Musik? Klar hätte ich auch einen Wortbeitrag wählen können, aber bei so vielen Auftritten würde das am Ende auswendig gelernt wirken. Die CD ist ein sehr persönliches Projekt geworden. Ein Lied habe ich sogar ganz alleine geschrieben. Und etwas Neues, etwas Anderes zu machen, versuchen wir trotzdem.

Wie zum Beispiel?

Thomas I.: In unserer Spendenaktion zugunsten der Aachener Engel.

Aber auch das ist mittlerweile nicht mehr neu...

Thomas I.: Ja, den Rekord von Frank (Frank Prömpeler, Prinz der vergangenen Session, hat über 60.000 Euro gesammelt.) kann man nicht brechen. Das haben wir auch gar nicht vor. Denn es geht hier nicht um einen Spendenwettkampf, sondern darum, mit dem Karneval etwas Gutes zu bewirken. Trotzdem haben wir uns so einiges Neues einfallen lassen. Man kann zum Beispiel ein Essen mit dem Hofstaat und mir für den guten Zweck ersteigern.

Warum haben Sie sich für die Aachener Engel entschieden?

Thomas I.: Das war eine reine Bauchentscheidung. Die Arbeit von Martin Lücker, dem Initiator des Vereins, und seinem Team ist großartig. Deshalb ist es uns vor allem wichtig, die Organisation nach vorne zu bringen und sie nicht nur mit Geld zu unterstützen. Außerdem finde ich gut, dass die Aachener Engel so ein breites Spektrum an Hilfe anbieten. Sie kümmern sich um benachteiligte Jugendliche, Schwerkranke und viele mehr.

Ihre Freundin hat Sie erst kennengelernt, nachdem klar war, dass Sie Prinz werden. Weiß sie also, was auf Sie beide zukommt?

Thomas I.: Ja, sie wird viel mitbekommen, weil sie als Öcher Mädchen auch gerne Karneval feiert. Aber sie ist sich auch bewusst, dass ich für sie nicht viel Zeit haben werde. Irgendwie ist das aber auch eine gute Herausforderung, denn eine härte Beziehungsprobe gibts nicht, oder?

Auf was freuen Sie sich am meisten?

Thomas I.: Ich glaube fast, dass es die kleinen Veranstaltungen sein werden, die am meisten Spaß machen. Aber das kann man vorher ja nie so genau sagen. Jetzt freue ich mich erstmal darauf, dass es richtig los geht.