Aachen: Thomas I. (Ebert) ist als neuer Narrenherrscher in Amt und Würden

Aachen : Thomas I. (Ebert) ist als neuer Narrenherrscher in Amt und Würden

Die prächtige Prinzenmontur sitzt ihm bereits wie angegossen auf dem Leib. Das Zepter scheint er schon immer in der Hand gehalten zu haben. Und endlich bringt AAK-Präsident Wilm Lürken die Prozedur zu ihrem feierlichen Abschluss. Mit sicherer Hand wird die Mütze mit den wundervollen Fasanenfedern auf dem Haupt platziert, und wie auf Knopfdruck erhellt sich das Eurogress im gleißenden Lächeln des Strahlemanns.

Das närrische Volk hat seinen Spaßmonarchen, Thomas I. (Ebert) ist proklamiert - und waltet umgehend seines majestätischen Amtes: das Mikro wird hervor gezaubert, noch ein Mal tief Luft geholt und zum ersten Mal der Gassenhauer „Du Leckerschen” geschmettert - ein Partyhit, der prompt Ohrwurmcharakter offenbart.

Dass Thomas auch ganz anders kann, hat er zuvor beim Prinzenspiel in hellblauer Hausmeisterkluft unter Beweis gestellt. Als bärbeißiger Gebäudeverwalter Horst tobte der bis dato noch unproklamierte Prinz über die Bühne, und vergraulte sämtliche Stargäste, die den Öchern die Ehre erwiesen.

Und zwar bar jeder Achtung - da mochten noch so illustre Namen das Programm bilden. Selbst Jürgen Marcus, der in höchsten Tönen „Eine neue Liebe” feierte, wusste den Hausmeister nicht zu besänftigen. Auch dass Drafi Deutscher mit noch so viel Inbrunst „Marmor, Stein und Eisen” brechen ließ, war dem mies gelaunten Gastgeber schnurzpiepegal.

Und selbst den Höhnern, die rhetorisch ins weite Rund fragten „Wenn nicht jetzt, wann dann?”, zollte Hausmeister Horst nicht den geringsten Respekt. „Geht doch zurück nach Kölle, hier ist Öcher Fastelovvend”, herrschte der in seiner Verkleidung kaum zu erkennende Thomas die kölschen Frohnaturen an, die in Wahrheit natürlich Frohnaturen aus Aachen waren. Denn nicht nur der zu inthronisierende Thomas war nach allen Regeln der Verkleidungskunst ausstaffiert worden. Sondern auch seine Mannen aus dem Hofstaat, die bei der Hitparade neben den genannten Stars auch noch die sieben Zwerge und die Wildecker Herzbuben mimten.

„Marmor, Stein und Eisen bricht - ich hoffe, diese Bühne nicht”, bangte Moderator David Lulley um die Einrichtung des Eurogress. Und zwar nicht ganz ohne Grund. Denn einem Rahmenprogramm von wechselhafter Qualität (siehe Bericht unten) stellten Hofrittmeister, Bloemmenelles und wie sie alle heißen genau die Entertainerqualitäten unter Beweis, die man in der AKV-Jubiläumssession erwarten darf.

Und das werden sie in den nächsten sechs Wochen weiterhin tun. Raus Aus den Musikerkostümen, rein in die Hofstaatstrachten: So präsentierte sich das fröhliche Dutzend gemeinsam mit seinem Thomas I. dem jubelnden Eurogress, während die Vereine sich bereits zum großen Defilee formierten. Zwei hübsch anzusehende Damen, die sich links und rechts beim frischgebackenen Narrenherrscher einhakten, erinnerten noch stark an Karneval in Rio. Ansonsten war das Eurogress aber fest in Öcher Hand.

Im Großen und Ganzen gelungen

Alaaf! Aachen hat einen neuen Prinzen. Und wie es sich gehört, hat der AKV weder Kosten noch Mühen gescheut, das Ereignis gebührend ins Szene zu setzen. Das närrische Volk will schließlich unterhalten werden - mit einem Programm, das eigentlich ausschließlich aus Höhepunkten bestehen soll, aber am Samstagabend im ausverkauften Eurogress auch seine Schwachpunkte hatte.

Gelungen war der Auftakt mit dem Elferratslied zum 150-jährigen des Aachener Karnevalsvereins und dem Auftritt der Ex-Prinzen. Im Saal herrschte da noch Unruhe, und die endete auch nicht, als AKV-Chef Horst Wollgarten die lange, lange Liste der Ehrengäste abarbeitete. Ob diese Begrüßungsarie sein muss, sei dahingestellt.

Eine feste Größe im Öcher Fastelovvend sind die 4Amigos. Nicht auszudenken, was wäre, wenn die vier „Jungen aus der Öcher Bronx” mal das Handtuch schmeißen und sich in den jecken Ruhestand begeben. Die reißen die versammelten Pappnasen mit, die sind einfach gut.

Überschätzt

Dagegen wird der kölsche Trompeter Bruce Kapusta, der von Aachener Karnevalsvereinen häufig engagiert wird, eher überschätzt. Sein 20-minütiger Auftritt wollte einfach nicht enden. Guido Hoß sollte besser bei seiner Elvis-Nummer bleiben, die macht er gut. Aber die Feinrippunterhosen sollte er in der Schmutzwäschetonne lassen.

Der AKV war gut beraten, auch Öcher Karnevalsvereine für seine Show zu engagieren. Außerordentlich gut kam die Penn an, die sich mit mehr als 130 Mann auf der Bühne präsentierte und alte Aachener Lieder perfekt in Szene setzte. Ebenso die „Friends of Fantasy”, die Showtanzgruppe der Horbacher Freunde, sind jeden Applaus wert. Die jungen Leute mussten gar eine Zugabe geben.

Die Originale absolvierten brav ihr Programm, die Lieder von den legendären 3Atömchen sind nach wie vor aktuell. Der absolute Höhepunkt ist in jedem Jahr das Defilee aller Aachener Karnevalsvereine, die mit Mann und Maus und Kind und Kegel dem Prinzen und seinem Hofstaat ihr Aufwartung machen.

Da ist die geballte Macht des Öcher Fastelovvends auf den Beinen, mit stolz geschwellter Brust marschierte so mancher Präsident oder Kommandant auf die Bühne des Europasaals. Ein Bild für die Götter, einfach toll! Ganz zum Schluss tönte es „Hurra-Tschingbumm, die Prinzengarde ist da”. Die Gardisten präsentierten für den Narrenherrscher, und Tanzmarie Jennifer Deerberg zeigte ihre atemberaubenden Künste.