Erkelenz: „Sucht im Alter”: Der vergessenen Minderheit ein Auge schenken

Erkelenz: „Sucht im Alter”: Der vergessenen Minderheit ein Auge schenken

Der CDU-Ortsverband führte eine angeregte Diskussion über das Thema „Sucht im Alter”. Elke Knorr, Sozialpädagogin und Leiterin der Pflegeeinrichtung „Casa wohnen & pflegen” in Erkelenz, wurde als Referentin für das Kamingespräch des CDU-Ortsverbandes gewonnen.

Wenn die Sucht besiegt ist, so glauben Außenstehende, kann das Leben wieder beginnen. Doch die Drogen hinterlassen Spuren, die bei manchen Abhängigen nach dem Entzug zu einer Pflegebedürftigkeit führen.

Die „Casa wohnen & pflegen„ in Erkelenz ist eine spezielle Pflegeeinrichtung für diese Menschen - eine von nur wenigen Einrichtungen in ganz Deutschland. In den Ausführungen von Elke Knorr und in der offenen Diskussion wurde klar, dass Abhängigkeit von Alkohol, Medikamenten und Drogen eines der größten gesellschaftlichen und gesundheitspolitischen Probleme der Zeit ist.

Betroffen sind etwa fünf bis sieben Prozent der Bevölkerung. Alleine 2,5 Millionen Menschen in Deutschland sind alkoholabhängig. Unter den Alkohol- und Drogenabhängigen finden sich mehr Männer. Frauen sind häufiger Medikamentenabhängig.

„Spezifische Lebenssituationen, das soziale Umfeld der Betroffenen und Faktoren wie Kontaktstörungen und fehlendes Konfliktverhalten sind suchtfördernd”, so Knorr.

Suchtkranke Alte gehören zu den „vergessenen Minderheiten” in unserer Gesellschaft. Im Gegensatz zu jungen abhängigen Menschen fallen ältere Menschen mit einer Alkohol- oder Medikamentenproblematik seltener in der Öffentlichkeit auf. Das Vertuschen ihrer Abhängigkeit ist nicht schwer, da sie oft alleinstehend sind und meist isoliert leben.

Voraussetzung für die Behandlung bei Senioren ist eine präzise Diagnostik. Die Motivation zur Abstinenz ist ein entscheidender Faktor für ein suchtfreies Leben. Die Diskussion zeigte, dass das Themengebiet allgemein unterschätzt wird. Gerade die öffentliche Diskussion und die Bereitschaft, sich mit dem Thema auseinander zu setzen, ist ein erster Schritt, sich diesem wichtigen gesellschaftlichen Problem zu nähern.