Stipendien sollen Künstlern Aufwind geben

„economy meets art“ : Stipendien sollen Künstlern Aufwind geben

Bewerbungen sind noch bis zum 30. September möglich. Die Städteregion fördert Kunst – von Musik und Satire bis Kunsttherapie.

„Kreativität statt Resignation!“ – unter diesem Motto bekennt sich die Städteregion Aachen zum Wert ihrer Kunstschaffenden. „Wir haben uns entschlossen, aus Mitteln unseres Projekts ‚economy meets art’ Kunst- und Kulturschaffende zu unterstützen“, sagt Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier. Dafür standen 18.000 Euro zur Verfügung, Stipendien mit Summen von 500 Euro bis 2000 Euro werden nun erstmals an 14 Bewerber vergeben. In einer zweiten Runde können sich Kunstschaffende mit interessanten Projekten noch bis kommende Woche Mittwoch, 30. September, bewerben.

Corona-Schutz muss dabei sein

Die Aufgabe der Bewerber bestand darin, Konzepte zu entwickeln, die einerseits dazu beitragen, die gewachsene Kulturlandschaft aufrechtzuerhalten. Sie mussten aber andererseits auch den Schutz von Publikum und Künstlern garantieren und völlig neue Formate bieten. „Wir können in dieser Zeit der Corona-Gefahr nicht einfach so weitermachen, wie immer“, betont die Leiterin der Stabsstelle Kultur, Nina Mika-Helfmeier. „In diesem Sinne haben wir nicht nur fantasievolle Projekte, sondern alternative, neue Formen der Vermittlung von Kultur von den Bewerbern gefordert.“

Die finanzielle Situation der Kunstschaffenden ist zum Teil dramatisch. Abgesagte Veranstaltungen reißen tiefe Löcher in die Kassen und bedrohen in vielen Fällen die komplette Existenz der Künstler, die zudem unter der Isolation leiden. Inzwischen hat die interdisziplinär zusammengesetzte Jury getagt und sich alle 24 Bewerbungen aus den Sparten Film, Fotografie, Kleinkunst, Literatur, Performance und Theater angesehen. Es gab auch konventionelle Vorschläge, die in diesem Programm nicht förderfähig waren. Bei vielen anderen Künstlern war die Jury erstaunt über die guten und kreativen Ideen.

Performance im Park oder online

So ging es unter anderem um neue digitale Interaktionstechniken, um Veranstaltungsformate im virtuellen Raum (etwa Online-Konzerte), aber auch um mögliche Performances im Park. Dabei richtet sich der Blick der Verantwortlichen nicht nur auf die Künstler, sondern gleichfalls auf jene, die von der Pandemie besonders betroffen sind – Pflegeheime, Krankenhäuser, Kinos, Geschäfte, Hotels und Gastronomiebetriebe.

Auch die künstlerische Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Krise als eine Form der Bewältigungsstrategie haben die Künstler sehr ernst genommen. So etwa Mele Brink und Bernd Held aus Aachen, die im Bereich Illustration/Grafikdesign arbeiten. Sie schlagen vor, eine Box mit gestalteten Karten zu schaffen, auf denen bildlich Emotionen zu erkennen sind – Kummer, Freude, Wut und vieles mehr. Ob in der Schule oder im Altenheim, überall besteht zudem die Möglichkeit, mit Papier und Stiften eigenen Gefühlen Ausdruck zu geben, etwa in Wartebereichen.

Musik als Sprache und Trost setzt die Geigerin Katharina Blasel schon seit längerem ein. Sie plant Konzerte bei Stationsbesuchen in Altenheimen oder Krankenhäusern. Auf Kommunikation setzen zwei bekannte Kulturgrößen: Musiker und Komponist Dieter Kaspari aus Alsdorf und der Aachener Kabarettist Wendelin Haverkamp planen unter dem Motto „Haverkamp und Kaspari – Dialoge aller Art“ zehn satirisch-musikalische Audio-Video-Kollagen, wobei Reaktionen des Publikums sehr erwünscht sind.

Die Kinder stärken will Vanessa Tappe aus Herzogenrath. Sie weist darauf hin, dass jetzt bereits Experten Langzeitfolgen aufgrund der Corona-Situation befürchten. „Durch Kunst gemeinsam stark werden“ ist ihr Gedanke. Sie bietet Kunsttherapie für Kinder und Jugendliche an, ein Weg Ängste loszulassen. Oder mit Musik die Isolation durchbrechen: Der Aachener Musiker Bennet Kutsch bannt Harmonie-Wünsche auf sein Album mit 13 eigenen Songs.

Zweite Runde aufgrund toller Ideen

Für die Jury war dabei eines besonders wichtig: Glaubwürdigkeit, der Wille, einen Traum weiterzuleben und sich dafür mit allen Sinnen professionell zu engagieren.

Aufgrund der tollen Ideen, die jetzt prämiert worden sind, wird noch eine zweite Bewerbungsrunde durchgeführt. Noch bis zum 30. September können sich Kunstschaffende mit interessanten Projekten bewerben. Der Kern wie gehabt: frischen Wind in die Kulturlandschaft bringen, dabei aber alle Sicherheitsbestimmungen erfüllen. Alle Infos und den Antrag gibt es auf
www.staedteregion-aachen.de/stipendien.

(red)