München: Spuren der Rache

München : Spuren der Rache

Deutschland steht im Blickfeld islamistischer Terroristen. Eine Bedrohung, mit der sich Filmemacher schon länger auseinandersetzen. Umso erschreckender, wenn die Fiktion von der Wirklichkeit eingeholt wird wie bei dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt, bei dem zwölf Menschen starben.

Wie soll man damit umgehen, wenn Verwandte oder Freunde unter den Opfern sind? Im ARD-Zweiteiler „Spuren der Rache” will Heiner Lauterbach als verzweifelter Familienvater zur Selbstjustiz greifen, um den Tod von Frau und Tochter zu rächen, die bei einem Bombenanschlag auf einen Minister in Berlin sterben. Der Thriller läuft am Montag (2. Januar 2017) und am Mittwoch (4. Januar 2017) um 20.15 Uhr im Ersten.

Die ARD wird den Zweiteiler definitiv ausstrahlen, wie ein Sprecher auf Anfrage betonte. „Der Thriller "Spuren der Rache" geht von einem fiktiven Fall aus, erzählt keine religiös motivierte Tat und hat damit keine inhaltliche Parallelität zu den tragischen Ereignissen des Terroranschlags in Berlin.” Vor wenigen Tagen hatte das Erste nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt beschlossen, den „Tatort” mit dem Titel „Sturm”, in dem ein islamistisch motivierter Terrorakt eine Rolle spielt, aus Rücksicht auf Opfer und Angehörige sowie auf das Empfinden von Zuschauern vom 1. auf den 29. Januar zu verlegen.

Heiner Lauterbach spielt Frank Hennings, pensionierter Beamte des Bundeskriminalamtes. Wer für den Anschlag verantwortlich ist, steht für ihn fest: Sharif Nader (Michele Cuciuffo), dem eine Nähe zu Terrornetzwerken und Verstrickungen in Drogen- und Waffengeschäfte nachgesagt werden. Wie praktisch, dass der Marokkaner gerade einen deutschen Privatlehrer sucht für seine Tochter Yasmin, gespielt von Lauterbachs Tochter Maya. Mit falschen Papieren erschleicht sich Hennings diesen Posten und damit Zutritt in Naders Haus in Tanger. Während er auf eine günstige Gelegenheit für Rache wartet, richten Kriminelle ein Blutbad in dem luxuriösen Anwesen an, bei dem Nader von Kugeln durchsiebt wird. Hennings und die schockierte Yasmin können fliehen, doch die Mörder sind ihnen auf den Fersen, besitzt das Mädchen doch etwas, was die Kriminellen unbedingt haben wollen. Eine lebensgefährliche Verfolgungsjagd beginnt.

„Spuren der Rache” beginnt eindrücklich: Unbeschwert bummelt Familie Hennings durch Berlin. Während seine Frau und seine Tochter noch kurz ein Geschäft besuchen, geht Hennings schon mal vor ins Restaurant. Der Film zeigt die vielen kleinen Momente, die später über Leben und Tod entscheiden werden. Ein vergessenes Halstuch hier, ein Zögern da. Sekundenbruchteile, die am Ende dafür sorgen, dass die Frau und das Mädchen genau in dem Moment an der Stelle sind, als dort eine Bombe explodiert. Verständlich, dass der Vater nicht akzeptieren kann, dass die Ermittlungen bald eingestellt werden. Und dass er unbedingt herausfinden will, was die Hintergründe der Bluttat sind, zumal es seltsame Verbindungen zu deutschen Geheimdiensten zu geben scheint.

So manches ist spannend und gut gemacht, etwa die intensiven Momente zwischen Vater und Tochter Lauterbach, wenn sie Zwiegespräche über Schuld, Rache und Vergebung führen. Beide spielen gut und überlegt. Schade deshalb, dass die Handlung oft etwas eindimensional daherkommt und sich immer wieder in die Länge zieht. Auch manche Dialoge lassen Vielschichtigkeit und Tiefe vermissen. Daran kann die Musik nichts ändern, die dominant einen bedrohlichen Ton setzt und klar macht: Gleich passiert etwas. Dass es dennoch spannend bleibt, dafür sorgen nicht zuletzt die Actionszenen, in denen es heftig zur Sache geht.

„Spuren der Rache” ist für Lauterbach ein Herzensprojekt, nicht nur, weil sein guter Freund Nikolai Müllerschön („Der Rote Baron”) Regie führte und beide den Film auch gemeinsam produziert haben. Lauterbach stand vor allem mit seiner Tochter Maya gemeinsam vor der Kamera, ein wunderbares Erlebnis, wie sie der Deutschen Presse-Agentur erzählten. Ob die Zuschauer das auch so sehen werden, bleibt abzuwarten. Ganz leicht hat es der Thriller nicht, konkurriert er doch an beiden Tagen mit dem populären „Taunuskrimi: Die Lebenden und die Toten” im ZDF nach einem Bestseller von Nele Neuhaus, in dem ein Scharfschütze drei Menschen erschießt. Das Motiv auch hier: Schuld und Rache.

(dpa)