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Der CHIO Aachen: Zu Hause „Aachen für Arme“ nachgebaut

Der CHIO Aachen : Zu Hause „Aachen für Arme“ nachgebaut

Der für Österreich startende Münchener Max Kühner hat sich Teile des Aachener Parcours nachgebaut und bereitet sich so auf den CHIO vor. 2021 auf Elektric Blue Sieger im Turkish-Airlines-Preis.

„Ich habe mir ‚Aachen für Arme‘ nachgebaut, seither läuft es gut.“ Max Kühner muss selbst bei seinen Worten lachen, aber das trifft es eigentlich ganz gut. Der große Springplatz in der Aachener Soers ist speziell mit seinen Doppel-Wassergräben neben dem See, Pulvermanns Grab oder dem kleinen Hügel schwierig für die Pferde. Vor allem an den Doppel-Wassergräben endete schon so manche Reise. „In früheren Jahren war es für mich immer schwierig, mich auf den CHIO Aachen vorzubereiten. Seitdem ich mir zu Hause die Hindernisse zum Üben nachgebaut habe, läuft es besser“, erläutert der Wahl-Österreicher. Der Erfolg gibt ihm Recht: 2021 gewann er mit dem Turkish-Airlines-Preis das erste Hauptspringen beim CHIO Aachen.

„Mein bisher größter Erfolg in Aachen“, blickt der 48-jährige Münchener, der eine Reitanlange in Starnberg-Hadorf betreibt, zurück und erinnert sich lebhaft an das Springen, das im vergangenen Jahr erstmals unter Flutlicht stattfand. „Das ist immer eine ganz besondere Atmosphäre“, freut sich Kühner daher auf die neue Auflage am Mittwoch, 29. Juni, die ebenfalls unter Flutlicht entschieden werden wird. Der Springreiter wird in dieser Prüfung wieder Elektric Blue satteln, jenen jetzt elfjährigen Wallach, der über seine international selbst im Parcours hoch erfolgreichen Großväter Clinton (unter Dirk Demeersman) und For Pleasure (unter Marcus Ehning) feinstes Springblut führt.

„Elektric Blue ist sicher das beste Pferd, das ich bisher gehabt habe. Und er läuft in dieser Saison bisher sehr gut“, ist Kühner zufrieden. Nach Platz zwei im ersten Springen beim Weltcup-Finale sprang Rang neun in der Gesamtwertung heraus. „Da fehlte das nötige Quäntchen Glück, aber bei der Royal Windsor Show in London wurden wir Zweite im Rolex-Grand-Prix, und zuletzt waren wir im Nationenpreis von St. Gallen eins von nur drei Paaren, denen eine Doppel-Null-Runde gelang“, so Kühner. Aktuell ist Elektric Blue in Stockholm im Einsatz, „unser letztes Turnier als Vorbereitung für Aachen“.

Anno 2021 hatte Frank Rothenberger in der ersten Runde einen Parcours hingestellt, den er selbst als „sehr anspruchsvoll“ betitelt hatte, aber die Crème de la Crème der internationalen Springreiter hatte überraschend wenig Mühe, so dass es zahlreiche fehlerfreie Runden im ersten Umlauf gegeben hatte. Der Kampf gegen die Uhr stellte einige vor Probleme. 20 blieben fehlerfrei, nur die schnellsten zwölf hatten in der zweiten Runde noch die Chance, die 50.000 Euro Siegprämie zu ergattern. Max Kühner hatte dabei die denkbar schlechteste Ausgangsposition erwischt, musste als erster Reiter in den Parcours – musste also vorlegen. Niemand wusste, was die 56,36 Sekunden wert sein würden, als er den Platz fehlerlos verließ. Doch keinem der folgenden Starter gelang es, den Kurs schneller und dazu noch fehlerlos zu absolvieren.

„Ich finde es wichtig, dass das erste Hauptspringen beim Turnier etwas tendenziell Freundliches hat, dass die Pferde nicht gleich erschreckt werden. Von daher war der Parcours genau richtig aufgebaut“, blickt der Österreicher zurück. „Ich wollte gar nicht so schnell reiten, da ich den Großen Preis noch angehen wollte. Aber es hat sich so gut angefühlt, da habe ich Elektric Blue einfach gehen lassen. Wenn ihm der Kurs entgegenkommt, dann ist er ein schnelles Pferd.“ Neben Elektric Blue wird Kühner in diesem Jahr noch EIC Coriolis des Isles sowie einen Youngster mitbringen. „Welchen, werde ich noch entscheiden, nachdem ich sie auf meinem Aachen-Platz für Arme getestet habe“, sagt Kühner und lacht.

Apropos München und Österreich: Geboren wurde Kühner in der bayerischen Hauptstadt und ritt auch für Deutschland Nationenpreise. Seit Januar 2015 startet der 48-Jährige für Österreich. „Ich besitze beide Pässe“, so Kühner, der sich nicht wie Hugo Simon eines österreichischen Großelternteils erinnern musste, sondern eine Ehrenbürgerschaft in Österreich erhielt. „Die kann man bekommen, wenn man im Heimatland manche Dinge nicht erreichen kann, aber in seinem Metier in dem Moment besser als der beste Österreicher ist. Ich stand unter den Top 50 der Weltrangliste, der nächste Österreicher folgte um die 200.“

Für Kühner, der studierter Diplom-Kaufmann und neben dem Springsport auch mit zwei Firmen unternehmerisch tätig ist, sportlich ein wichtiger Schritt und einer in die richtige Richtung. „Ich habe mich sehr gut weiterentwickelt, seit ich für Österreich starte. In Deutschland gab und gibt es sehr starke Konkurrenz, in Österreich habe ich mehr Möglichkeiten. Auch um junge Pferde auszubilden und ruhig in den großen Sport zu bringen.“ So wie Elektric Blue, den er 2014 als Dreijährigen in den Stall bekam und in den großen Sport brachte.

Einen kleinen „Makel“ jedoch hatte sein Sieg 2021: Coronabedingt durften viel weniger Zuschauer als gewohnt live im Stadion dabei sein. „Trotz der wenigen Zuschauer war die Atmosphäre unter Flutlicht einmalig. Aber ich freue mich sehr darauf, in diesem Jahr wieder in ein volles Stadion mit dem tollen Aachener Publikum einreiten zu können“, sagt Kühner und fügt hinzu: „Denn Aachen ist für uns Reiter immer wieder etwas ganz Besonderes.“