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Berlin: Zehnkampf: König Arthur und der weite Weg zum Gold

Berlin : Zehnkampf: König Arthur und der weite Weg zum Gold

Zuerst stockte dem neuen König der Leichtathleten die Stimme, dann wurde Arthur Abele endgültig von seinen Gefühlen überwältigt — und das, obwohl doch schon alles geschafft war. Mit Tränen in den Augen sprach der Zehnkampf-Europameister sogar am Morgen nach seinem Gold-Coup von Berlin über die Leidenszeit auf dem Weg zum Titel.

„Es war unbeschreiblich, was da gestern Abend an Emotionen hochkam...“, sagte der 32-Jährige — und schniefte ins Taschentuch.

Abele ist so etwas wie das Stehaufmännchen der Zehnkämpfer. Immer wieder Verletzungen, immer wieder Rückschläge. Er ist immer zurückgekommen — und diesmal ganz gewaltig. Bei den abschließenden 1500 Metern des Zehnkampfes „habe ich jeden Schritt genossen“, sagt er. Der letzte Meter, „ein magischer Moment“. 37 000 begeisterte Zuschauer im Olympiastadion jubelten. Und am Ende gab es Tränen, eine Pappkrone für König Arthur und eine Goldmedaille für starke 8431 Punkte. Der Russe Ilya Shkurenyov lag 110 Punkte zurück. Bronze gab es für den Bulgaren Vitali Zhuk (8290).

Der Schock im Dezember

Es ist der erste große internationale Erfolg für Abele. Er sagt: „Das ist meine Message: Nie aufgeben, wenn man einen Traum hat.“ Dass der Oldie des Feldes seine lange Karriere mit der ersten internationalen Freiluft-Medaille veredeln konnte, hätte noch vor nicht allzu langer Zeit nämlich keiner erwartet. Bereitwillig erzählte der Ulmer immer wieder seine Geschichte mit reichlich Verletzungen, einer fast fünfjährigen Zehnkampf-Pause — zwischen 2008 und 2013 konnte er verletzungsbedingt keinen Zehnkampf beenden — und dem Schock im vergangenen Dezember.

Nach einer Mandelentzündung war damals plötzlich seine linke Gesichtshälfte gelähmt. „Ich dachte, dass ich einen Schlaganfall habe“, erinnert sich Abele. Im Krankenhaus wurde Abele Hirnwasser abgezogen, er musste sich einer Kortison-Kur unterziehen. „Es hieß, dass es ewig dauern kann“, erzählt er über die damaligen Aussichten auf Besserung. Die sportlichen Pläne lagen auf Eis. Als sich die gesundheitliche Situation normalisierte, hatte Abele sechs Kilogramm zugenommen. Der Körper reagierte auf die Belastung, bis März machte die Achillessehne Probleme. Erst dann ging es wieder aufwärts. Und wie!

EM-Gold soll noch nicht das Ende sein. Zwei Jahre will Abele noch dranhängen. 2019 steht die WM in Doha an, 2020 Olympia in Tokio. „Ich werde versuchen, den Titel als noch größeren Ansporn zu nehmen — dann kann ich noch mal ganz oben dabei sein“, sagt Abele.

Kauls großer Traum

Das ist auch der Traum von Niklas Kaul. Das erst 20-jährige Mehrkampf-Talent wurde mit persönlicher Bestleistung von 8220 Punkten Vierter. Der Mainzer war erst ein paar Tage vor der EM ins Team gerückt, nachdem Kai Kazmirek, der WM-Dritte des Vorjahres, wegen einer Verletzung absagen musste. „Eine richtige Vorbereitung kann man das nicht nennen“, sagt Kaul. „Es hat dann aber doch besser funktioniert, als ich gedacht habe.“ Sogar die Bronzemedaille wäre möglich gewesen, aber darüber habe er sich „keine Gedanken“ gemacht.

Neun deutsche Zehnkämpfer haben 2018 bereits mehr als 8000 Punkte geschafft, Vizeweltmeister Rico Freimuth, der derzeit pausiert, nicht mitgerechnet. „Das wird ein Hauen und Stechen geben um die Startplätze für die WM und Olympia“, vermutet Kaul. Er wird mitmischen. Abele auch. Wie immer.