1. Sport

Aachen: Yesterday: Dr. Reiner Klimke auch heute noch erfolgreichster Reiter alle Zeiten

Aachen : Yesterday: Dr. Reiner Klimke auch heute noch erfolgreichster Reiter alle Zeiten

Neunmal Deutscher Meister, elfmal in Europa Bester, sechsmal Weltmeister und sechsmal Olympiasieger in der Dressur, dazu Deutscher und Europameister in der Vielseitigkeit, mehr geht nicht. Dr. Reiner Klimke war nicht nur der erfolgreichste Reiter aller Zeiten des letzten Jahrhunderts, auch Deutschlands erfolgreichster Sportler insgesamt.

Sohn eines Professors

Der Sohn eines Professors war ein ungewöhnlicher Mensch. Ohne Vorbild, er genügte sich selbst. Er musste keiner werden, er war eben einer. Und er strotzte auch von Selbstbewusstsein. Während des Berliner Turniers im November 1983 sagte er: „In Los Angeles hole ich auf Ahlerich die Einzel-Goldmedaille - wetten?”

Er bekam Recht. Er sagte auch ganz einfache Sätze, die in jedes Turnierprogramm gehörten: „Man muss von Dressur nicht viel verstehen, nur so viel: Was schön ist, ist auch gut.” Aber er gab auch offen zu verstehen, dass er etwas gegen jene habe, die zum „Sportler des Jahres” gewählt werden, dann aber zur Proklamation nicht erscheinen, das sei einfach ungezogen.

Entdeckt hat ihn wie einen Hans Günter Winkler, einen Alwin Schockemöhle oder Hermann Schridde der große deutsche Hippologe Dr. Gustav Rau, nur schon etwas früher. Rau holte den damals 16 Jahre alten Gymnasiasten zur reiterlichen Weiterbildung nach Warendorf, dorthin fuhr er täglich nach der Schule von Münster mit dem Fahrrad.

Der Rechtsanwalt und Notar, Ehrenbürger der Stadt Münster, der den 25-Stunden-Tag erfand, schrieb Bücher, drehte Lehrfilme und ritt erstmals für Deutschland eine Dressur im Ausland, 1955 in Thun in der Schweiz. Für die CDU zog er 1990 in den Landtag von Nordrhein-Westfalen ein, als erster Olympiasieger in der Bundesrepublik. Er war der Wunschkandidat von Norbert Blüm.

Seinen ersten Wahlkampfauftritt hatte er ganz am Rande von NRW, in Petershagen-Bierde. Nicht ganz so arg weit von jenem Platz, wo Hermann der Cherusker die Römer angeblich im Jahre 9 n. Chr. verhauen hat. Im Saal der Kneipe saßen zwei Frauen und 23 Männer.

Der Bürgermeister sagte, die Fußball-WM in diesen Wochen in Italien und die Fernsehübertragungen hätten wohl doch einige vom Kommen abgehalten. Reiner Klimke sagte, wenn er ein Bier hätte, wäre das schön. Man bringt ihm ein Pils.

Dann haute er Sätze raus, die auch heute an Gültigkeit nichts verloren haben. Er meinte, sportliche Prunkbauten zu errichten, sei falsch, man solle lieber die vorhandenen Sportstätten auf dem neuesten Stand halten, er wetterte dagegen, dass Verwaltungsgerichte Sport auf Sportplätzen untersagen könnten, weil Kinder zu laut seien, wer solches fordere, habe anscheinend als Kind nie geschrien.

Er sagte weiter, arbeitslose Sportlehrer sollten in die Vereine als Übungsleiter geschickt werden, das wäre besser als Arbeitslosengeld für Nichtstun zu zahlen. Und er behauptete, der Sinn des Sports bestehe nicht darin, Olympiasieger zu züchten, sondern die Freizeit überlegt zu gestalten.

Der große Reiner Klimke starb am 17. August 1999 an den Folgen eines Herzinfarkts. Seinen Traum, eines seiner Kinder bei Olympia am Start zu sehen, hat er nicht mehr erlebt. Bekanntlich ritt Tochter Ingrid bei den Spielen 2004 in Athen in der zunächst als Siegerteam ausgerufenen deutschen Vielseitigskeits-Equipe, ehe die Jury die Mannschaft wegen des Regelverstoßes von Bettina Hoy auf den vierten Rang zurückstufte. Er wäre stolz auf sie gewesen, vor allem, weil sie die Disziplin vertrat, die er am meisten liebte.

von der Reit-WM