1. Sport

Aachen: „Wir wollen einen sauberen Sport haben”

Aachen : „Wir wollen einen sauberen Sport haben”

Eine Stunde lang warten die drei Tierärzte des Medication Control Programs (MCP) geduldig. Ist der Proband nach Ablauf dieser Frist immer noch nicht willig, wird Blut gezapft.

Schließlich kann man ein Pferd selbst mit einem Tablett voller Bier nicht dazu bringen, eine Harnprobe abzuliefern. An der Dopingprobe führt dennoch kein Weg vorbei.

Die Bekanntgabe möglicher Dopingfälle wird es während dieser Weltmeisterschaft allerdings keine geben. Es dauert bis zu 14 Tage, bis die gezogenen Proben im weltweit anerkannten Dopinglabor von Châtenay-Malabry bei Paris, das auch für die Tour de France zuständig ist, ausgewertet sein werden.

Und das nicht nur wegen der ungewöhnlich hohen Zahl, sondern auch, weil bei Pferden wesentlich mehr Indikatoren untersucht werden als beim Menschen. „Früher gab es erhebliche Defizite, aber man hat große Anstrengungen unternommen, um diese auszuräumen”, erklärt der Veterinär-Koordinator der Weltreiterspiele, Dr. Wilfried Hanbücken, Tierarzt aus Lichtenbusch.

Nicht erst seit dem „Olympia-Destaster von Athen” habe in der Reiterei ein Umdenken eingesetzt in der Reiterei. „Aber auch Athen war eigentlich ein Erfolg für die Fahnder. Schließlich hat Cian OConnor gedacht, wir würden ihn nicht erwischen”, lächelt Dr. Hanbücken lediglich auf die Frage, wie denn die gezogenen Proben ins Dopinglabor gelangen.

„Auf jeden Fall auf einem sicheren Weg”, verweigert er jede weitere Auskunft. Denn der Fall OConnor hatte sich zu einem echten Krimi entwickelt: Es gelang nicht nur, ihn des Dopings zu überführen, so dass ihm sein Athener Olympia-Gold wieder aberkannt wurde, aus dem Paket mit der B-Probe war auch der Urin-Teil gestohlen und ins Büro des irischen Reitverbandes eingebrochen worden.

Rund drei Prozent aller Pferde-Dopingproben werden wohl auch bei den Weltreiterspielen positiv sein. Doch diese Zahl erfasst nicht nur die „schwarzen Schafe” unter den Pferden und die betrügenden Doper in den Sätteln. Denn auch zugelassene Pferdemedikamente stehen auf der Positivliste - und werden manchmal zu spät abgesetzt.

So wurde etwa Ludger Beerbaum auffällig, dessen „Goldfever” bis zu kurz vor dem Wettkampf mit einer Exzemsalbe behandelt worden war. Und der Wirkstoff dieser Salbe bringt anders als etwa Medikamente gegen Magengeschwüre oder die Anti-Fohlenpille den Befund „positiv”. „Ein Ludger Beerbaum möchte sicher nicht mit Floyd Landis in einem Atemzug genannt werden”, schlägt der 46-jährige Veterinär erneut den Bogen nach Frankreich.

„Der Langzeiteffekt der Anti-Doping-Bemühungen und die verschärften Strafen haben die Reiter außerordentlich sensibilisiert”, schätzt Dr. Hanbücken die Erfolge im Kampf um einen sauberen Sport ein. „Ein exponierter Profi kann sich einfach nicht erlauben, erwischt zu werden. Die leben von ihren Sponsoren.”

Intensiver Testaufwand, drakonische Strafen - um Erfolg zu haben, muss auch das Nachweisverfahren möglichst fehlerfrei laufen und Irritationen müssen ausgeschlossen sein. So wurde im Vorfeld das vom Veranstalter zur Verfügung gestellte Futter auf mögliche „Fehlermeldungen” hin getestet. Denn manche Sorten enthalten Schalen von Kakaobohnen - und diese beinhalten pharmakologische Substanzen, die nachgewiesen werden können. Wenn auch auf einem so niedrigen Niveau, dass kein leistungssteigernder Effekt eintreten würde.

Aber manchmal führt die Arbeit der Fahnder auch zu einem Effekt, der selbst einen Tierarzt zu dem Satz „Das entbehrt jeglicher Logik” hinreißt. Dem Kutschenfahrer Michael Freund war vom Sportgericht sein Weltmeistertitel aberkannt worden, weil in einem seiner Pferde ein Positivwirkstoff aus der Baldrianpflanze gefunden wurde. Diese hatte das Tier nachgewiesen auf dem Veranstaltungsgelände gegrast.

Freund wurde von jeglicher Schuld freigesprochen, der Weltmeistertitel dennoch kassiert. Kopfschütteln beim Experten: „Das war sein mit Abstand erfahrenstes Pferd. Und wer gibt schon einem Pferd, das lesen und schreiben kann, ein Beruhigungsmittel?”