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Darmstadt/Düren: Wilson Kamavuaka: Vom Bolzplatz über Europas Ligen bis nach Darmstadt

Darmstadt/Düren : Wilson Kamavuaka: Vom Bolzplatz über Europas Ligen bis nach Darmstadt

Wilson Kamavuaka ist erst 26 Jahre alt und trotzdem hat der gebürtige Dürener schon viele Facetten der Fußballwelt erlebt. Auf dem Bolzplatz wurde er von seinem späteren Jugendtrainer entdeckt, er steckte mit Jahn Regensburg im Abstiegskampf der zweiten Liga und lief für Sturm Graz in der Europa League auf. Eine Karriere der besonderen Art, die ihn jetzt zum SV Darmstadt 98 und Torsten Frings führte.

Neun Jahre war Wilson Kamavuaka alt und er spielte wie viele Kinder in seinem Alter Fußball mit seinen Freunden als seine Karriere begann. Denn am Rande des Bolzplatzes stand ein besonderer Beobachter: Willi Zander, seines Zeichens Jugendtrainer bei den Sportfreunden Düren und ehemaliger Stürmer beim Karlsruher SC.

 Im Jahr 2015 spielte Wilson Kamavuaka (rechts) sogar bereits international. Mit Sturm Graz traf er in der Europa League auf Rubin Kasan.
Im Jahr 2015 spielte Wilson Kamavuaka (rechts) sogar bereits international. Mit Sturm Graz traf er in der Europa League auf Rubin Kasan. Foto: EPA/Alexey Nasyrov

Der 53-Jährige erkannte das Talent von Kamavuaka, der neben der deutschen auch eine Staatsbürgerschaft der Demokratischen Republik Kongo besitzt. Er spielte immer eine Jugendklasse höher als der Rest, wurde Kreismeister und spielte bis zur D-Jugend im Dürener Grüngürtel.

 Seine nächste Station ist der SV Darmstadt 98. Zusammen mit seinem Coach Torsten Frings (links) will er mit den Lilien den Klassenerhalt schaffen.
Seine nächste Station ist der SV Darmstadt 98. Zusammen mit seinem Coach Torsten Frings (links) will er mit den Lilien den Klassenerhalt schaffen. Foto: SV Darmstadt 98

2002 ging es weiter zum 1. FC Köln und es begann die lange Reise durch die Welt der Fußballclubs. Nach der U17 ging es für den ausgebildeten defensiven Mittelfeldspieler zur Aachener Alemannia, von dort in die zweite Mannschaft der TSG Hoffenheim. Trotz 44 Spielen für die Kraichgauer reichte es nicht zum Sprung in den Bundesliga-Kader, dafür zu mehreren Länderspielen für die DR Kongo.

Schließlich schlug der 1. FC Nürnberg zu. Am 1. Oktober 2011 folgte sogar das Debüt in der deutschen Bundesliga. Nach vier Einsätzen in Folge ging es jedoch wieder in die zweite Mannschaft der Franken und schließlich per Leihe zu Jahn Regensburg in die zweite Liga. Dort wurde er zum Stammspieler (28 Spiele), den Abstieg in die Drittklassigkeit konnte er jedoch nicht verhindern. Nürnbergs damaliger Sportdirektor Martin Bader wollte ihm keine Chance beim „Club“ geben und so ging es nach Europa.

Einem knappen Jahr beim KV Mechelen in Belgien (19 Spiele) folgte der Wechsel zum SK Sturm Graz (44 Spiele) nach Österreich, wo Kamavuaka sogar in der Europa League eingesetzt wurde. Dort endete seine Zeit im Sommer 2016, die Odyssee ging weiter nach Griechenland. Nur zehn Einsätze gab es dort für den kaum bekannten Verein Panetolikos.

Das Reisenden-Gen scheint dabei sogar in der Familie zu legen: Auch sein Cousin Richard Sukuta-Pasu war bereits für mehrere Verein im In- und Ausland (u.a. Bayer Leverkusen, Kaiserslautern, Sturm Graz, Cercle Brügge und Energie Cottbus) unterwegs.

Abstiegskampf statt Tabellenführung

Jetzt also der SV Darmstadt. Die kriselnden Hessen rund um Chefcoach und Ex-Alemanne Torsten Frings ziehen alle Register im Kampf um den Klassenerhalt. Kamavuaka zeigte sich „froh, hier in Darmstadt mithelfen zu dürfen.“ Dabei wäre er fast wieder nach Österreich gekommen: Laut den „Vorarlberger Nachrichten“ war er sich bereits mit Erstligist und Tabellenführer SCR Altach einig. Zu Gunsten der Darmstädter folgte dann der Rückzieher.

Torsten Frings lobte bereits: „Wilson Kamavuaka ist genau der Typ Spieler, den wir in der aktuellen Situation gesucht haben. Er ist kampf- und laufstark sowie mit seiner körperlichen Wucht resolut in den Zweikämpfen.“

Tausende Kilometer Reise für den Weg von Düren bis nach Darmstadt. Ob er dort eine Heimat unter Jungcoach Frings findet oder in wenigen Monaten bereits zu neuen Ufern aufbricht? Das weiß wohl nichtmal sein einstiger Entdecker am Bolzplatz seiner Heimat.

(cheb)