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Aachen: Wenn der Scheich ins Zeltlager geht

Aachen : Wenn der Scheich ins Zeltlager geht

Scheich Hamad ibn Isa Al Chalifa fährt im bordeauxroten Maybach vor. Standesgemäß, so wie es sich für den König von Bahrain gehört.

Doch auch der Tross, der am Montag dem König bis zum Rondell am Haupteingang folgt, ist keineswegs ohne - 25 Karossen, darunter diverse Luxuslimousinen mit abgedunkelten Scheiben, fahren auf dem Turniergelände des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV) vor. Die Reichen der Welt machen Station in der Soers...

Zu ihnen gehört auch Scheich Mohammed bin Raschid Al-Maktoum, seines Zeichens Staatsoberhaupt und Premierminister von Dubai sowie Premierminister, Vizepräsident und Verteidigungsminister der Vereinigten Arabischen Emirate.

Um besser sehen zu können, wie sich seine vier Söhne am ersten Wettkampftag der Reit-WM beim Distanzreiten schlagen, hat der Scheich kurzerhand zwei Zelte bauen lassen, eines am Dreiländerpunkt, eines in der Soers.

Der Scheich ist der Emir von Dubai und in Personalunion auch der Vater des Großteils der Nationalmannschaft der Vereinigten Arabischen Emirate: Seine Söhne Ahmed, Hamdan, Majid und Rashid haben das Distanzreiten zur sinnvollen Ausfüllung ihres irdischen Daseins erwählt. Und so trifft es sich gut, dass er auch der Ehemann von Prinzessin Haya bint Al-Hussein ist, Schirmherrin der Weltreiterspiele und Präsidentin des Weltreiterverbandes.

Kurze Lebenserwartung

Beide Zelte wirken auf den ersten Blick wie unerfüllte Bausparerträume, haben allerdings eine recht kurze Lebenserwartung. Und vor dem Eingang wacht ein grimmig wirkender Mann, der auf den ersten Blick überzeugend den Eindruck vermittelt, bereits vor mieseren Etablissements für Ruhe und Ordnung gesorgt und keine Auskünfte gegeben zu haben.

Die kommen dann von Howard Matt, Sprecher des Dubai Equestrian Club; der Partner Dubai Racing Club ist einer der Weltsponsoren der Weltreiterspiele. „Ich kann gar nicht genau sagen, wie lange diese Zelte eigentlich stehen bleiben werden und was sie gekostet haben. Ich bin ja nicht der Erbauer”, erklärt Howard Matt mit dem fröhlichen Lächeln eines Mannes, der über solch profanen Dingen steht.

Dafür lobt er höflich den wunderbaren Blick, den Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Haya, ihr Mann Scheich Mohammed und dieser „Aachen guy” über das Holländische Hochgebirge am Dreiländerpunkt hatten, ohne dass ihm der Name Klaus Pavel auf die Schnelle einfallen will.

„It was lovely”, beschreibt der Mann aus Dubai seine Eindrücke. „Es war sehr sonnig und sehr herrlich.” Welche prominenten Augen noch interessiert von der Galerie des VIP-Zeltes auf das Geschehen am Vet Gate blickten, ist auch nicht im Detail präsent: „Wir haben eben Freunde auf der ganzen Welt”, lächelt Matt Howard immer noch freundlich. „Schließlich treten Starter aus 42 Nationen an.”

Doch nicht nur in Sachen Fröhlichkeit, auch im Fach Bescheidenheit schreibt der Sprecher des Dubai Equestrian Clubs Bestnoten: „Da wäre ich gerne mal drin. Das ist ein wirklich tolles Sponsorenzelt”, lobt er mit dem Daumen hinter sich zeigend die Mercedes-Benz-Residenz. Nur die wird auch nicht nach einem Tag wieder abgerissen.