Halle: Stuttgarterinnen setzen sich im Finale gegen die „Ladies“ durch

Halle: Stuttgarterinnen setzen sich im Finale gegen die „Ladies“ durch

Als dieses grandiose Spiel beendet war, da stand der deutsche Volleyball-Pokal drei Meter entfernt von Karolina Bednarova, der Kapitänin der „Ladies in black“ Aachen, die noch einen letzten Blick drauf warf, bevor Kim Renkema als Spielführerin des MTV Stuttgart die Trophäe in die Höhe recken durfte.

Wenige Minuten zuvor, im Tiebreak des Pokalfinales in Halle/Westfalen, war der Titel noch zum Greifen nah, eigentlich nur wenige Millimeter entfernt. Und doch musste sich das Team von Aachens Trainer Marek Rojko mit 2:3 (25:17, 25:20, 19:25, 19:25, 13:15) geschlagen geben in einer Partie, die vor 10.500 Zuschauern keinen Verlierer verdient gehabt hätte. „Ich kann nichts sagen“, meinte Abwehrchefin Dominika Valachova, die wie alle „Ladies“ ihren Tränen freien Lauf lassen musste. „Für mich ist das noch gar nicht beendet.“

Den Pokal ganz dicht vor Augen: Trainer Marek Rojko. Foto: Wolfgang Birkenstock

War es aber: Mehr als zwei Sätze mussten die favorisierten Stuttgarterinnen fassungs- und fast hilflos hinnehmen, was ihnen die Aachenerinnen da vorsetzten. Die Killblocks lähmten die MTV-Angriffsmaschine, eine gut aufgelegte Maja Burazer machte den Stuttgarterinnen ebenso das Leben schwer wie Simona Kosova mit ihrem variablem Spiel. Nach der Acht-Punkte-Führung zur zweiten technischen Auszeit konnte Stuttgart zwar noch verkürzen, doch die „Ladies“ hatten sieben Satzbälle, von denen Burazer den zweiten genau ins Eck setzte.

Zweiter Satz, das gleiche Bild: Aachen dominierte, setzte Stuttgart mit hervorragender Block- und Abwehrarbeit unter Druck — und diesmal schloss Kapitänin Karolina Bednarova den Satz ab, brachte die „Ladies“ mit 2:0 in Führung. Als der Underdog dann auch im dritten Durchgang schnell mit 5:1 führte, dachten vermutlich schon die ersten im schwarzen Fanblock daran, bald den Sekt zu ordern, doch die taktische Umstellung von Stuttgarts Trainer Guillermo Hernandez fing an zu greifen. „Ich habe auf drei Außenangreiferinnen umgestellt und Ranata Sandor auf Diagonal eingesetzt. Wir hatten ohnehin nichts mehr zu verlieren, aber es hat funktioniert.“

Sein Gegenüber Marek Rojko sah das Unwetter heraufziehen, konnte aber nichts dagegen setzen. „Wir wussten, dass Stuttgart Alternativen erarbeitet hatte. Wir waren in fast allen Belangen überlegen, wie die Statistik zeigt: Block, Annahme, Abwehr. Was wir vergessen haben, waren die Aufschläge, da fehlen uns am Ende 20.“ Das Problem: Zwei Spielerinnen ragten aus der Fehlerstatistik besonders heraus mit sechs und sieben Fehlern, konnten aber nicht adäquat ersetzt werden.

So sprangen die Stuttgarterinnen noch einmal aus der Grube, die die „Ladies“ zuzuschaufeln vergessen hatten. „Es war nicht das erste Mal, dass wir es einfach nicht zu Ende gebracht haben“, befand auch eine resignierte Aachener Kapitänin. „Wir werden wohl erst in ein paar Tagen merken, was wir hier geschafft haben.“ Geschafft wurde viel, aber vollbracht wurde es eben nicht. Die Stuttgarterinnen kämpften sich heran — und glichen nun selbst überlegen zum 2:2 aus.

Der Tiebreak musste also her, bekanntermaßen in der laufenden Saison nicht unbedingt der beste Freund der Aachener Spielerinnen. Und auch im wohl wichtigsten Spiel der Saison schien er seine Gunstbezeugungen zunächst ausschließlich an das gegnerische Team zu verschenken: Bis zum 2:2 war alles ausgeglichen, dann folgten drei Punkte der Stuttgarterinnen in Folge. Der Punkt von Bednarova brachte nur kurzes Aufatmen, Stuttgart legte erneut drei Punkte nach. Beim Stand von 4:9 schien die Partie erneut entschieden, doch nun konterten die Aachenerinnen mit der wilden Entschlossenheit eines Teams, das nichts mehr zu verlieren hat: Der Block biss wieder zu, und Angriffe von Burazer und Srna Markovic brachten den Ausgleich zum 11:11. Stuttgart zog zwei Punkte davon, Aachen glich erneut aus. Einen Angriff von Sandor konnten die „Ladies“ zwar blocken, doch der Abpraller ging knapp ins Aus. Matchball Stuttgart. Nun waren die „Ladies“ wieder am Zug, doch der Angriff der Kapitänin blieb im Stuttgarter Block hängen. Aus, vorbei, verloren.

Verloren? Nicht wirklich: „Super Aachen, olé olé“, feierte der Anhang der „Ladies“ auf der Tribüne ihr Team. „Ich bin unglaublich stolz, auf meine Spielerinnen — und auf diese Fans“, sprach Marek Rojko das Schlusswort.

Das Team wird am Montag um 16 Uhr im Aachener Rathaus vom Augenzeugen und Oberbürgermeister Marcel Philipp empfangen, ab 17.30 Uhr wird die Mannschaft mit den Fans im Vereinsheim am Eulersweg ein bisschen feiern.

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