SWD Powervolleys Düren: Interview mit Kapitän Michael Andrei

Interview mit Powervolleys-Kapitän : „Das Halbfinale ist unser Minimalziel“

Powervolleys-Kapitän Michael Andrei strahlt vor dem Start in die Volleyball-Bundesligasaison am Donnerstag gegen Königs Wusterhausen Optimismus aus. Über diese Partie und auch über Themen abseits des Spielfeldes sprach er mit unserem Redakteur Franz Sistemich.

Der sportliche Weg führte Michael Andrei von Düren in die deutsche Volleyball-Provinz, nach Frankreich und Belgien, ehe er nach sieben Jahren wieder an die Rur zurückkehrte. Der 34-jährige Mannschaftskapitän der SWD Powervolleys Düren ist seit 2016 eines der markanten Gesichter des Volleyball-Bundesligisten, ein Mann, dessen sportliche Klasse ihn zum Nationalspieler werden ließ. Doch „Mount Mike“ ist als Spielführer nicht nur mit seiner sportlichen Emotionalität der Motor der Mannschaft, er drängt auch auf mannschaftliche Geschlossenheit, um mit dieser Stärke Teams mit höherem Budget als Düren die Stirn bieten zu können. Am Donnerstag (19 Uhr) erwartet Düren zum Auftakt der Spielzeit Königs Wusterhausen. Über diese Partie und auch über Themen abseits des Spielfeldes sprach unser Redakteur Franz Sistemich mit ­Michael Andrei.

Herr Andrei, im Herbst Ihrer Karriere ist Ihre Motivation . . .

Andrei: . . . wie immer sehr hoch.

Das heißt?

Andrei: Ich will jede Partie gewinnen. Für dieses Ziel arbeite ich im Training und im Spiel. Schließlich kann nur so ein Titel gewonnen werden.

Der kürzeste Weg zum Titel ist der Pokalwettbewerb.

Andrei: Das ist richtig. Mit vier Siegen bist du Pokalsieger.

Wie realistisch ist dieses Ziel in dieser Saison?

Andrei: Mit Lüneburg haben wir kein einfaches Los erwischt. Man kann aber auch sagen: Der Gegner hätte Berlin Recycling Volleys sein können. Oder es hätte ein Auswärtsspiel in Friedrichshafen werden können. Aber es hilft nicht weiter, über Gegner zu spekulieren. Natürlich braucht man Losglück, muss von Verletzungen verschont bleiben. Aber: Wir haben die Möglichkeit, nach zwei verlorenen Pokalfinalen Geschichte zu schreiben. Das streben wir an.

Und das Team 2019/2020, bestehend aus sechs alten Spielern und sieben Zugängen, hat das Potenzial?

Andrei: Wir sind eine starke homogene Mannschaft. Das haben schon die ersten Trainingseindrücke gezeigt. Die Charaktere der einzelnen Spieler stimmen, jeder bringt sich in das Team ein. Meine Mitspieler verfügen über eine hohe Qualität, was in der vergangenen Saison nicht in dieser Breite der Fall war. Bleiben wir vom Verletzungspech verschont, kann das eine gute Saison werden. Das Halbfinale in der Meisterschaft ist unser Minimalziel.

Sie haben die Charakterstärke Ihres Kaders angesprochen. Sie selbst sind ein glühender Verfechter einer zwischenmenschlich intakten Mannschaft.

Andrei: Ja, das stimmt. Es gibt Gegner mit einem viel höheren Etat und einer besseren individuellen Klasse. Diesem Fakt müssen wir unseren Spirit, unsere mannschaftliche Geschlossenheit und unseren Willen entgegensetzen.

Wie einfach oder schwer ist es, dieses Gedankengut einer Mannschaft einzupflanzen?

Andrei: Ich führe sehr viele Gespräche besonders mit unseren jungen Zugängen. Ich versuche ihnen zu vermitteln, dass sie keine Angst vor Fehlern haben müssen. Die muss man in Kauf nehmen, aus ihnen lernen, um besser zu werden. Sie sollen sich etwas trauen. Und darüber hinaus eine Körpersprache entwickeln, die den Gegner einschüchtert. Wichtig ist auch der Respekt den anderen Mannschaftskameraden gegenüber. Ich habe auch nichts gegen Grüppchen in einer Mannschaft, aber es muss offene Brücken geben. Es muss in unserer Wohlfühloase jedoch auch möglich sein, ein klares, deutliches Wort zu sprechen, vielleicht auch mal in einem raueren Ton, wenn immer derselbe Fehler passiert. Aber das ist nie persönlich gemeint. Das gehört auch zu einem Lernprozess. Schließlich wollen wir alle erfolgreich sein.

Was tragen die jungen Spieler, die Zugänge, zu diesem Prozess bei?

Andrei: Sie bringen Frische und Spaß mit. Die Jungs wollen spielen und üben durch ihre Energie auch Druck auf uns Etablierte aus. Sie sind darüber hinaus auch sehr gut erzogen und stehen für Werte, die heute nicht mehr selbstverständlich sind.

Immer wieder wird hervorgehoben, dass Sie und die anderen ­Routiniers auch die Lehrmeister der jungen Spieler sind . . .

Andrei: Das ist wahr. Sie sind natürlich unsere Konkurrenten, aber wir profitieren ja auch von ihnen, wenn sie sich sportlich weiterentwickeln und die Last nicht nur auf unseren Schultern liegt. Wir wollen ihnen mit unserer Erfahrung und unseren Tipps helfen, immer besser zu werden.

Sie und beispielsweise Tomas Kocian, der Zuspieler, denken über Training und Spiel hinaus. So waren Sie beide auch an der Entwicklung des neuen Trikots maßgeblich beteiligt.

Andrei: Tomas und ich, aber auch Sebastian Gevert, fühlen uns als Dürener, als Bewohner dieser Region, die sich mit ihr und dem Verein identifizieren. Und so ist es uns auch wichtig zu helfen, mit unseren Ideen die Außendarstellung zu verbessern, noch bessere Botschafter Dürens und der Region zu sein. Deshalb haben wir unsere Ideen zum neuen Trikot, aber auch zu anderen Vorhaben eingebracht. Und sind dem Verein dankbar, dass er uns Vertrauen schenkt und uns in Entscheidungsprozesse miteinbezieht.

Zum Beispiel?

Andrei: Am Karnevalsdienstag, am 25. Februar, empfangen wir den Meister Berlin Recycling Volleys. Dieses Spiel wird live auf Sport1 übertragen. Wir wollen auf allen Sitzplätzen insgesamt 2400 ­Fanshirts so verteilen, dass die vier Tribünen so aussehen wie unser Heimtrikot – wenn alle die Shirts anziehen.

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