Spannendste Bundesliga seit langem: Powervolleys Düren im Titelkampf

Powervolleys im Titelkampf: Die spannendste und stärkste Bundesliga seit vielen Jahren

Wir schreiben das Jahr 1997. Das ist das Jahr, in dem die Volleyball-Bundesliga etwas verloren hat, das eigentlich unabdingbar ist, um für die Fans interessant zu sein: die Spannung in der Meisterfrage.

1997 war das letzte Jahr, in dem der deutsche Meister nicht entweder aus Friedrichshafen oder aus Berlin gekommen ist. Der SV Bayer Wuppertal war’s. 1997 war auch das Jahr, in dem Düren einen langen Fluch brechen konnte. Die Volleyballer von der Rur, heute bekannt als SWD Powervolleys, stiegen zum ersten Mal nach dem Aufstieg nicht direkt wieder ab und sind seitdem erstklassig. Zu einem Titel hat es nie gereicht. Der ist abonniert. Und genau das könnte sich dieses Jahr ändern, nach über zwei Jahrzehnten. Die Liga ist stark und spannend wie nie. Und das hat auch etwas mit Düren zu tun.

Den größten Teil dieser Zeitspanne kennt Björn Andrae aus eigener Anschauung auf dem Spielfeld. Andrae ist heute 37 Jahre alt, spielt seine 19. Profisaison, ist einer der erfolgreichsten deutschen Volleyballer überhaupt und trägt seit Anfang Dezember das Dürener Trikot. Er hat den Ruhestand verlassen und ist eingesprungen, weil die Powervolleys Verletzungssorgen hatten.

Aber auch, weil die Liga anders ist. Zum ersten Mal in seiner Zeit. „Das war noch in der vergangenen Saison so: Wenn Friedrichshafen und Berlin ihr Niveau abrufen, dann ist es für alle anderen zu viel“, sagt Andrae. Die Großen haben sich auch früher den einen oder anderen Ausrutscher geleistet. Berlin kann da im Bezug auf Düren ein Liedchen singen. Aber wenn die Titel vergeben wurden, dann setzten sich die Teams mit den mit Abstand größten Etats durch.

Jetzt schwimmen sie. Der VfB ist Zweiter und nicht zufrieden. Sonst hätte sie am Bodensee wohl nicht Rafael Redwitz verpflichtet, einen Franko-Brasilianer, der wie Andrae am Ende seiner Laufbahn steht, aber genau so immer noch zu den Großen zählt. Berlin, amtierender Meister, wäre wohl nur Fünfter, wenn Düren zuletzt nicht zweimal gepatzt und damit die Chance verpasst hätte, sich ganz oben festzusetzen. Da stehen heute die Hypo Tirol Alpenvolleys Unterhaching, Friedrichshafen, die SVG Lüneburg, Berlin und Frankfurt. Düren ist dicht dran.

Zwei Nachverpflichtungen in Berlin zeigen, dass die Unzufriedenheit beim Meister noch größer ist. Zuletzt haben die Recycling Volleys einen gewissen Sergei Grankin geholt. Der ist mit 33 Jahren noch im besten Spielmacheralter und war Kopf der russischen Mannschaft, die 2012 Olympia-Gold geholt hat.

Hat den Ruhestand verlassen und spielt wieder für Düren: Björn Andrae. Foto: Powervolleys

Vielleicht haben die großen Zwei auch ein bisschen nachgelassen. In der Champions League läuft es nicht. Friedrichshafen wurde beispielsweise von Zenit St. Peterburg brutal aus der eigenen Halle geschossen. Das kann aber kein Maßstab sein, die Russen haben mit dem Deutschen Georg Grozer und dem Kubaner Camejo zwei Spieler aus der Liga der außergewöhnlichen Viecher in ihren Reihen. Weltweit gibt es nur noch eine Handvoll Teams, die da mithalten können, weil sie selbst gespickt sind mit internationalen Superstars.

„Die Unzufriedenheit bei Berlin und Friedrichshafen liegt nicht daran, dass sie schlechter geworden sind – weil sie nicht schlechter geworden sind“, sagt Andrae. Aus seiner Sicht ist klar: Die Anderen sind besser geworden. Seit 2014 sind drei Aufsteiger in die Liga gekommen, die das Niveau angehoben haben und jetzt zu den Sechs gehören, die die Meisterschaft unter sich ausmachen: erst Lüneburg, dann Frankfurt, dann die Alpenvolleys. Die beiden Letztgenannten mischen sind auch finanziell direkt als Spitzenteams in die Liga eingestiegen.

„Die Zeiten, in denen es Halbfinalisten gab, die teilweise Profis und teilweise Studenten im Kader hatten, sind vorbei. Die Top sechs arbeiten alle professionell“, schildert Andrae den wichtigsten Grund dafür, dass es derzeit erstmals nicht so scheint, als könnte es nur zwei Meister geben. „Selbst wenn es am Ende doch wieder Berlin oder Friedrichshafen werden sollten: Eine derart starke und ausgeglichene Liga habe ich noch nicht gesehen“, sagt der 280-fache Nationalspieler.

In Düren ärgern sie sich darüber, dass sie im Heimspiel gegen Herrsching und auswärts bei den Netzhoppers Königs Wusterhausen bittere Niederlagen kassiert haben. Oder anders formuliert: Die Powervolleys haben schmerzlich erfahren müssen, dass auch die Mannschaften in der unteren Tabellenhälfte aufgeholt haben. Wäre es gelaufen wie erhofft, dann könnte Düren in den nächsten drei Spielen zum Angriff auf die Spitze blasen. Am Samstag zu Hause gegen Berlin, dann auswärts in Lüneburg, anschließend wieder zu Hause gegen Friedrichshafen. Jetzt müssen die Powervolleys aufpassen, dass sie nicht den Kontakt verlieren in der spannendsten und besten Bundesliga jemals.

Spitzenspiele werden die drei kommenden Partien allemal: In der Hinrunde hat Düren Berlin und Lüneburg geschlagen und in Friedrichshafen knapp verloren. „Im Moment kann Jeder Jeden schlagen. Am Ende steht dann derjenige oben, der sich die wenigstens Ausreißer leistet“, formuliert Andrae eine Gesetzmäßigkeit, die er aus den stärksten Ligen der Welt kennt, in denen er gespielt hat wie in Russland oder Italien.

Düren hat sein Kontingent an Patzern in der Hinsicht schon aufgebraucht mit zwei unnötigen Niederlagen zu Beginn der Rückrunde. Jetzt gilt es, mit Siegen dafür zu sorgen, dass das Meisterschaftsrennen ein Sechskampf bleibt.

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