Aachen: „Meisje in Black“ wird Aachens neue Cheftrainerin

Aachen: „Meisje in Black“ wird Aachens neue Cheftrainerin

Im Februar war Saskia van Hintum schon einmal in der Halle an der Neuköllner Straße und hat sich als Co-Trainerin der niederländischen Frauen-Nationalmannschaft bei der Partie „Ladies in Black“ Aachen gegen den Dresdner SC ein Bild von der Entwicklung ihrer Zuspielerin Britt Bongaerts gemacht.

Doch auch das Publikum hat Eindruck bei der 46-Jährigen hinterlassen: „Die Stimmung war einfach toll, auch bei Rückstand, und die Halle eine Stunde vor Spielbeginn voll“, hat van Hintum vermerkt.

Ende August kehrt die Olympia-Teilnehmerin von 1996 zurück nach Aachen, wenn auch über den beeindruckenden Umweg Kaliningrad, Bari, Hongkong, Bangkok (Grand Prix) und Rio de Janeiro (Olympische Spiele) — dann allerdings nicht mehr als stille Beobachterin, sondern als neue Cheftrainerin für die Bundesliga-Volleyballerinnen, quasi als „Queen“ der „Ladies“.

„Als Co-Trainerin hat man natürlich den Wunsch, irgendwann einmal selbst in der Verantwortung zu stehen. Die Gespräche mit den Aachener Verantwortlichen waren sehr offen und haben mich überzeugt. So habe ich mich entschlossen, diesen Schritt zu gehen“, begründet die 275-fache niederländische Nationalspielerin ihre Motivation.

Dass die „Ladies“ durch stürmische Zeiten gegangen sind — und vielleicht auch noch eine steife Brise bevorsteht, ist van Hintum natürlich bewusst. „Ich weiß, was passiert ist, auch was die Finanzen angeht“, sagt van Hintum, die als Spielerin in den 90er Jahren mit CDJ Berlin Meisterin, Pokalsiegerin und Europapokalsiegerin wurde.

So hat die 46-Jährige erst einmal für eine Saison unterschrieben, allerdings mit der Perspektive, auch ein langfristiges Projekt anzuschieben. „Der Verein und ich müssen erst einmal sehen, wie es läuft“, gibt die neue Cheftrainerin der „Ladies“ beiden Seiten eine Art Probezeit. „Aber, wenn man neu anfängt, braucht eine gewisse Zeit, wenn man etwas neu aufbauen will“, fordert die ehemalige Zuspielerin für sich selbst etwas Geduld ein — und gesteht dies auch ihrem neuen Verein zu: „Wichtig ist, nicht nur die Spielerinnen sportlich zu entwickeln, auch das Umfeld im Klub muss mitwachsen.“

Bei dem beruflichen Hintergrund als rechte Hand von Giovanni Guidetti liegt die Frage auf der Hand, ob van Hintum nicht ihre Beziehungen spielen lassen kann, um ein paar „Meisjes in Black“ dafür gewinnen zu können, ebenfalls den Weg in die Bundesliga anzutreten. „Natürlich hoffe ich auf junge Spielerinnen, die bereit sind, den Schritt in die Bundesliga zu wagen“, hat Aachens neue Trainerin schon ihre Angeln ausgeworfen.

„Gute Spielerinnen sind gute Spielerinnen, das beschränkt sich nicht nur auf das Nationalteam oder Jon Oranje. Ich würde mich auch freuen, wenn junge deutsche Spielerinnen zu uns stoßen würden, um hier etwas aufzubauen“, setzt van Hintum darauf, dass Aachen bereits in der Vergangenheit gezeigt hat, eine gute Station für die Entwicklung von Talenten zu sein. Femke Stoltenborg und Yvon Belien gehören mittlerweile zum Kern des Oranje-Teams, Britt Bongaerts hat gerade ihr erstes A-Länderspiel absolviert, Karine Muijlwijk nach ihrer schweren Schulterverletzung hier wieder Tritt gefasst.

Der Beinahe-Crash der „Ladies“ ist für die neue Verantwortliche an der Seitenlinie auch eine willkommene Chance, ihre eigene Philosophie durchzusetzen. „Wir fangen bei Null an, das heißt, dass wir von Anfang an das gleiche Ziel verfolgen können.“ Zum Projekt „Neuanfang“ gehört auch Sebastian Gutgesell, der zukünftig als Sportdirektor und Nachfolger von Reinhard Strauch die Geschicke der „Ladies“ lenken wird und der mit der Verpflichtung von Saskia van Hintum ein überzeugendes Gesellenstück abgeliefert hat.

„Natürlich muss man sofort zugreifen, wenn man eine Frau von diesem Kaliber bekommen kann“, ist Gutgesell von den Qualitäten der neuen Cheftrainerin überzeugt. „Und natürlich hoffen wir darüber hinaus, dass wir auch einige gut ausgebildete niederländische Volleyballerinnen bald hier in Aachen begrüßen können.“

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