Sebastian Gutgesell im Interview vorm Heinspiel der Ladies in Black

Sebastian Gutgesell im Interview: Die Ladies in Black „lernen, den Druck hochzuhalten“

Vor dem ersten internationalen Heimspiel spricht der Sportdirektor der Ladies in Black, Sebastian Gutgesell, im Interview über die aktuelle Situation der Volleyballerinnen und über die Ziele – sowohl national als auch international.

Vier Begegnungen in acht Tagen in drei verschiedenen Wettbewerben. Auf den Volleyball-Bundesligisten Ladies in Black Aachen warten große Belastungen und wegweisende Partien. Vor dem Rückspiel im CEV-Challenge-Cup gegen den portugiesischen Vertreter AVC Famalicão am heutigen Mittwoch (19.30 Uhr) in der Halle an der Neuköllner Straße sprach Roman Sobierajski mit Sportdirektor Sebastian Gutgesell.

Ist der Ärger nach der unnötigen Niederlage gegen Suhl verflogen?

Sebastian Gutgesell: Ja, daran ist ohnehin nichts mehr zu ändern, und man musste damit rechnen, dass unser junges, unerfahrenes Team solche Patrtien auch mal verlieren kann. Hinzu kommen noch viele Spiele und Verletzungspech.

Sie sprechen die Belastung selbst an. Ist der Tanz auf drei Hochzeiten mit Europapokal, Pokal und Liga mit elf Spielerinnen zu stemmen?

Gutgesell: Optimal ist das sicher nicht mit elf Spielerinnen. Dennoch: Jede spielt lieber als zu trainieren, das macht mehr Spaß. Wir haben uns dafür entschieden, und da wollen wir jetzt durch.

Aber, als die Entscheidung fiel, war wohl nicht absehbar, dass die Mannschaft vier Spiele in acht Tagen absolvieren muss.

Gutgesell: Nein, das war nicht absehbar. Zudem wurde das Europapokal-Spiel noch um einen Tag nach hinten verlegt, so dass keine Zeit zur Vorbereitung auf die Partie gegen Suhl blieb. Aber das kann keine Entschuldigung für die Niederlage nach 2:0-Satzführung sein.

Aber vielleicht eine Erklärung. . .

Gutgesell: Bis zu diesem Zeitpunkt hatte das Team acht Sätze in Folge gewonnen. Das ist auch der Lernprozess, den wir durchlaufen müssen, den Druck über drei Sätze hochzuhalten.

Die „Nummer 7“: Die Fans der Ladies in Black geben dem Team im Hexenkessel Unterstützung und Rückenwind. Foto: Wolfgang Birkenstock

Fehlt der Mannschaft eine Spielerin, die vorangeht, die pusht?

Gutgesell: Wir haben auch erfahrene Spielerinnen mit Führungsqualitäten, auch wenn wir ein sehr junges Team haben. Vor drei Jahren haben wir auch die Hinrunde gebraucht, um uns zu entwickeln. Im Vergleich dazu sind wir heute schon zwei, drei Schritte weiter. Gegen Schwerin war das Potenzial zu sehen. Jetzt gilt es, die Wellen aus dem Leistungsniveau herauszubekommen.

Wie kann man verhindern, dass nach dem klaren Sieg im Hinspiel gegen Famalicão heute Abend im Rückspiel der gleiche Effekt wie gegen Suhl eintritt?

Gutgesell: Unsere Trainerin Saskia van Hintum wird da sicher die richtigen Worte finden. Jede Spielerin hat jetzt gemerkt, dass man ein Spiel gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner noch verlieren kann. Vielleicht das richtige Zeichen zur rechten Zeit. Zweimal hintereinander wird das nicht passieren.

Über das Team der vergangenen Saison kann man sagen, dass es auf seinem spielerischen Höhepunkt angekommen war. Täuscht der Eindruck, oder ist die aktuelle Mannschaft, vielleicht noch, spielerisch limitierter?

Gutgesell: Das Team der vergangenen Saison hat im Kern zwei Jahre am Stück zusammengespielt. Vom Potenzial der einzelnen Spielerinnen sind wir jetzt mindestens genauso gut aufgestellt, wenn nicht besser. Von der Breite des Kaders her sind wir deutlich besser aufgestellt.

Aber es fehlen die überraschenden Momente, der Schnellangriff, das Spiel durch die Mitte, der Einbeiner über Kopf.

Gutgesell: Gerade das Zusammenspiel zwischen Mittelblock und Zuspiel ist von der Abstimmung her sehr schwierig. Das wird noch kommen. Die Mannschaft braucht noch Zeit, die müssen wir ihr zugestehen.

Generell hat der Verein in den zurückliegenden Jahren aber eine positive Entwicklung genommen, hat sich stabil im oberen Mittelfeld der Liga etabliert.

Gutgesell: Auch das Umfeld ist mitgewachsen, und die Spielerinnen sehen, dass man sich in Aachen weiterentwickeln kann. Das hilft, eine deutsche Nationalspielerin wie Lisa Gründing zu verpflichten, oder dass Taylor Agost, die von vielen Vereinen begehrt war, hier unterschreibt.

Und die Trainerin ihren Vertrag verlängert?

Gutgesell: Wir führen schon Gespräche, haben aber noch keinen Zeitdruck. Und der Ausgang der anstehenden Spiele hat keinen Einfluss darauf. Wir sind mit ihrer Arbeit hochzufrieden und tauschen uns gerade über die jeweiligen Vorstellungen aus. Wichtig für beide Seiten ist, dass wir weitere Schritte nach vorn machen.

Es gibt dabei allerdings zwei limitierende Faktoren, der eine ist der Etat, der andere die Halle.

Gutgesell: Beides spielt zusammen. Mit einer neuen Halle könnte man den Etat auch deutlich nach oben schrauben, neue Sponsoren gewinnen, weitere Vermarktungsmöglichkeiten ausschöpfen.

Die Kooperation mit den Freunden aus Maaseik hat für das Pokal-Halbfinale gegen Stuttgart, wohin die Ladies in Black ausweichen müssen, wieder problemlos funktioniert.

Gutgesell: Darauf freuen wir uns. Im vergangenen Jahr hatten wir gegen Schwerin dort 1800 Zuschauer. Stuttgart geht zwar favorisiert in die Partie, aber wir sind für Überraschungen gut. Das wäre der schnellste Weg in ein großes Finale.

Wie sehen Ihre weiteren sportlichen Ziele aus?

Gutgesell: Wir wollen im CEV-Challenge-Cup möglichst viele Runden überstehen. Den ersten Schritt dazu können wir heute Abend machen. In der Liga wollen wir ein gewichtiges Wörtchen mitreden. Es wäre allerdings auch kein Beinbruch, sollten wir mal am Ende einer Saison auf dem sechsten Platz abschließen.

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