Trotz 2:3 gegen Potsdam : Nach der Fünf-Satz-Niederlage jubeln die Ladies

Den größten Jubel bei der 2:3-Niederlage (21:25, 25:19, 26:24, 6:15) der Ladies in Black Aachen gegen den SC Potsdam gab es von den 1139 Zuschauern nach dem letzten Ballwechsel.

Denn Hallensprecher André Schnitker verkündete erst im Anschluss an die Begegnung, dass Trainerin Saskia van Hintum ihren nach der Saison auslaufenden Vertrag um eine weitere Spielzeit verlängert hatte. „Ich will einfach von Jahr zu Jahr schauen, wie die Entwicklungsmöglichkeiten hier in Aachen sind“, begründete die 48-Jährige die nur einjährige Verlängerung.

Verwirrende Phase

Die zwei Stunden Spielzeit zuvor boten ein gutes Beispiel dafür, was schon erreicht wurde – und wo noch viel Arbeit zu leisten ist. So fingen die Ladies – bildlich gesprochen – erst eine Stunde nach dem Potsdamer SC an, aktiv am Spielgeschehen teilzunehmen. „Wir haben wirklich schlecht in der Annahme gestanden, das hat sich erst im dritten Satz gebessert“, befand Außenangreiferin Marrit Jasper, die auch in den ersten beiden Durchgängen zu den Aktivposten der Mannschaft gehörte. Tatsächlich hatte zunächst Jodie Guilliams nicht ihren besten Tag in der Annahme erwischt, und auch der Wechsel auf Nicole Oude Luttikhuis brachte nur kurzfristig Besserung.

Einen noch schlechteren Tag hatte allerdings das Schiedsrichter-Quartett erwischt, dem man zumindest zugute halten kann, dass es mit seinen Entscheidungen kein Team mehr benachteiligte als das andere. Für mehr Klarheit sorgte auch nicht die Hallen-Choreographie, die fleißig den Jubel-Einspieler erklingen ließ, auch wenn die gegnerische Mannschaft gerade gepunktet hatte.

Unterbrochen wurde die verwirrende Phase durch die Zehn-Minuten-Pause, aus der die Aachenerinnen mit einem ganz anderen Gesicht und viel größerem Siegeswillen zurückkehrten. „Ich habe meiner Mannschaft gesagt, dass ich eine Reaktion sehen will“, fasste van Hintum ihre eindringliche Pausen-Ansprache kurz zusammen.

Und die Reaktion kam tatsächlich: Die Annahme stabilisierte sich, Zuspielerin Aziliz Divoux konnte viel besser die Spielfäden ziehen und setzte vor allem gekonnt Kapitänin Lisa Gründing in Szene, die  ihre 17 Angriffe in unglaubliche 14 Punkte verwandelte. Zudem bekamen der Aachener Block und die Feldabwehr mit zunehmender Spielzeit auch Potsdams überragende Angreiferin Marta Drpa besser in den Griff, trotzdem machte die beste Angreiferin der Bundesliga aus 53 Zuspielen immerhin noch 21 Punkte, weil ihr einfach in fast jeder Konstellation noch eine erfolgbringende Lösung einfällt.

Tiebreak ohne Gegenwehr

So war die Endphase des vierten Satzes, in der die Ladies die gegnerische Mannschaft noch in den Tiebreak zwangen, ein Spiegelbild der gesamten Partie. Die Ladies führten bereits mit 24:20, vergaben dann aber leichtfertig vier Satzbälle. Van Hintum nahm bei 24:22 zwar noch eine Auszeit, doch ohne Erfolg. Potsdam glich aus, doch ein Überkopf-Angriff von Gründing und ein Killblock gegen Drpa ließen das Spiel noch zugunsten der Ladies kippen.

Also Tiebreak. Und dann? „Wir haben noch nicht untereinander gesprochen, um herauszufinden was passiert ist“, meinte Jasper, „aber ich glaube, dass wir den Tiebreak einfach weggeschenkt haben. Warum auch immer.“

Die Aachenerinnen kassierten kuriose Gegenpunkte, wie eine verunglückte gegnerische Abwehr, die zum 5:11 ins Feld plumpste, leisteten  Schützenhilfe mit einem ins Nichts gestellten Zuspiel zum Matchball und mussten mit einem nicht mehr zu kontrollierenden Aufschlag von Potsdams Silvana Chausheva die Fünfsatz-Niederlage akzeptieren. „Potsdam war disziplinierter, und wir haben nicht mehr agiert“, lautete das Fazit von Aachens Trainerin.

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