Ladies in Black schlagen Dresdner SC in der eigenen Halle

Play-off-Viertelfinale : Ladies in Black gelingt Sensation gegen Dresden

Mareen von Römer, Zuspielerin des Volleyball-Bundesligisten Dresdner SC, fand klare Worte für das, was sich da gerade in 118 Spielminuten vor 2927 Zuschauern abgespielt hatte.

„Es kotzt mich an, dass wir verloren haben“, gab die 32-Jährige zu Protokoll, nachdem die Ladies in Black Aachen das erste von maximal drei Viertelfinalspielen in den Play-offs für sich entschieden hatten. Doch es lag nicht daran, dass es „im Angriff und in der Ideengestaltung im Zuspiel“ bei den Gastgeberinnen haperte und die Aachener Spielerinnen deshalb mit 3:2 (22:25, 25:23, 25:21, 18:25, 15:10) als Siegerinnen vom Feld gingen. Es war schlicht so, dass sich die bessere Mannschaft durchgesetzt hatte, das Team mit mehr Biss, mehr Herzblut, mehr Leidenschaft.

„Dresden hatte wohl nicht damit gerechnet, dass da eine Mannschaft auf Augenhöhe auf der anderen Seite des Netzes stehen würde“, sah Diagonalangreiferin Maja Storck auch das überraschende Moment auf Seiten der Aachenerinnen. Die Ladies agierten tatsächlich auf dem Niveau des DSC, und der erste Satz ging nur an den Hauptrunden-Dritten, weil die Aachenerinnen es ein ums andere Mal versäumten, den Ball in der gegnerischen Hälfte unterzubringen.

„Diagonalangreiferin Taylor Agost war in den letzten Wochen eine eminent wichtige Spielerin für uns, darauf hatte sich Dresden supergut vorbereitet“, sah auch Co-Trainer Erik Reitsma das Manko. Und Aachens Trainerin Saskia van Hintum handelte, und der Doppelwechsel auf Zuspiel/Diagonal brachte die Wende, auch wenn es im zweiten Durchgang ganz und gar nicht danach aussah: Dresden hatte zur zweiten technischen Auszeit einen mehr als komfortablen Neun-Punkte-Vorsprung. Eigentlich unmöglich zu drehen, eigentlich.

Denn gestützt auf die starke Feldabwehr um Libera Kirsten Knip raubten auch Aachens Blockerinnen den gegnerischen Außenangreiferinnen zusehends das Selbstvertrauen, und Dresden verlegte sich mehr und mehr auf Hinterfeldangriffe durch die Mitte. „Davon waren wir anfangs ein wenig überrascht, und Topmannschaften können die Attacke aus dem Hinterfeld durchaus aus guter Vorbereitung einsetzen“, räumte Reitsma ein. „Aber generell sind sie nicht so effektiv.“

Und so holten die Aachenerinnen doch noch Punkt um Punkt auf, die Schweizerin Maja Storck, die als Hauptangreiferin eingewechselt worden war, hatte einen Sahnetag erwischt und versenkte sogar Notbälle in der gegnerischen Hälfte. Dresdens Coach Alex Waibl hatte beim Stand von 19:15 für sein Team schon beide Auszeiten genommen, zu drehen war aber nichts mehr: Bei 21:21 war der Ausgleich geschafft, und es passt ins Bild, dass ein Aachener Killblock zum Satzausgleich führte.

Psychologischer Knacks

Damit hatte Dresden sich zugleich auch einen psychologischen Knacks eingefangen, suchte Lösungen – fand aber keine. Die Dresdnerinnen rannten im gesamten dritten Satz einem Rückstand hinterher, kamen bei 19:18 auch bis auf einen Punkt heran, doch entscheidend war erneut der Biss und der Ehrgeiz, mit dem die Ladies diesen Sieg unbedingt wollten.

„Im vierten Satz haben wir dann nur ein wenig nachgelassen, das reicht einer Mannschaft wie Dresden“, begründete Saskia van Hintum den klaren Satzverlust. „Im Tiebreak haben wir wieder die Geduld gezeigt, die uns in den letzten Wochen ausgezeichnet hat.“

Die Aachenerinnen verteidigten mit Leidenschaft ihren knappen Vorsprung, konnten sich in der entscheidenden Phase absetzen und ein Eigenfehler der Dresdnerinnen brachte die Entscheidung. „Im Tiebreak haben wir Dresden kein Pardon mehr gegeben“, lautete das selbstbewusste Statement von Maja Storck. „Und das Rückspiel wird ein noch größerer Fight werden.“

(rom)
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