Aachen: Dirk Berscheidt: „Aachen offensiv stärker, Wiesbaden hält gut dagegen“

Aachen : Dirk Berscheidt: „Aachen offensiv stärker, Wiesbaden hält gut dagegen“

Am kommenden Samstag wird Dirk Berscheidt in der Halle am Platz der deutschen Einheit in Wiesbaden sitzen und für den Sender Sport1 live die Übertragung des Play-off-Viertelfinales zwischen dem VC Wiesbaden und den Ladies in Black Aachen kommentieren.

Berscheidt, der selbst als Zweitliga-Spieler aktiv war, ist der Volleyball-Experte des Senders und Kenner der Szene. Mit dem 53-Jährigen sprach Roman Sobierajski.

Ihr Sender Sport1 überträgt die Viertelfinal-Serie zwischen Aachen und Wiesbaden. Warum fiel die Entscheidung auf diese Begegnungen?

Dirk Berscheidt: Das verspricht die spannendste Serie zu werden. Ich glaube, die anderen Begegnungen werden recht klar sein. Zwischen Aachen und Wiesbaden wird es wahrscheinlich eng zugehen.

Das hat ja auch bereits das Abschneiden in der Hauptrunde gezeigt, beide Mannschaften sind quasi auf Augenhöhe, Wiesbaden hat lediglich einen Sieg mehr auf dem Konto.

Berscheidt: Es gab auch keine großen Diskussionen im Vorfeld, welche Partie gezeigt werden soll, weder bei uns im Sender noch bei der Volleyball-Bundesliga. Die Partie bot sich einfach an.

Sie bietet sich auch deswegen an, weil Aachen sein Heimspiel in Maaseik austrägt und nicht in der Dunkelkammer Neuköllner Straße, wie Wiesbadens Trainer Dirk Groß meinte.

Berscheidt: Aachen spielt ohnehin schon mit einer Ausnahmegenehmigung, die sich aber nicht auf die Play-offs erstreckt. Das ist nicht neu. Ich finde die Stimmung sensationell an der Neuköllner Straße, aber die Halle ist leider nicht fernsehtauglich.

Gibt es aus Ihrer Sicht einen Favoriten in diesem Viertelfinale?

Berscheidt: Nein, die Partie ist völlig offen. Beide Mannschaften können gut spielen, das haben sie bewiesen, haben allerdings bisher keine Konstanz in ihre Auftritte bekommen.

Wo sehen Sie die Stärken der beiden Teams?

Berscheidt: Aachen ist sehr stark im offensiven Bereich, beginnend beim Aufschlag, der ja die erste offensive Aktion ist. Wiesbaden hat seine Stärken in der Block-/Feldabwehr und dem darauffolgenden Gegenangriff. Also, Aachen ist in der klassischen Offensive stärker, und Wiesbaden kann gut dagegenhalten.

Aus der Historie heraus: Wie groß schätzen Sie den Vorteil ein, wenn man das erste Spiel der Serie als Heimspiel hat?

Berscheidt: Das ist schon ein Vorteil. Auch Wiesbaden ist mittlerweile gut besucht, und man nimmt die Energie aus dieser Partie mit in das nächste Aufeinandertreffen. Aachen kann jedoch aus der Fünfsatz-Niederlage am vergangenen Samstag auch etwas Positives für sich herausziehen. Man hat ja auf Augenhöhe gespielt.

Und das, obwohl Britt Bongaerts als erste Zuspielerin verletzt nicht antreten konnte . . .

Berscheidt: . . . und damit fehlte ja auch noch eine der besten Aufschlägerinnen im Aachener Team.

Wie groß war für Sie die Überraschung, dass Stuttgart als Hauptrunden-Sieger aus der Saison hervorgegangen ist?

Berscheidt: Das Rennen war offen unter den großen Drei Stuttgart, Schwerin und Dresden. Am Ende hat Stuttgart die stabilste Saison gespielt, hat bis auf ein Spiel gegen die Teams ab Platz vier alles gewonnen, während sich Schwerin und Dresden Ausrutscher erlaubt haben.

Wirft man einen Blick auf die Ansetzungen der Play-offs, muss der Gewinner aus Aachen/Wiesbaden im Halbfinale gegen den Sieger aus Stuttgart/Vilsbiburg antreten . . .

Berscheidt: Stimmt. Und alles andere als ein Stuttgarter Sieg würde extrem überraschen. Stuttgart ist der haushohe Favorit.

Noch einmal kurz zu den anstehenden Spielen, erst am kommenden Samstag in Wiesbaden, dann am darauffolgenden Mittwoch in Maaseik. Bereits im vergangenen Jahr haben die Ladies in Black Aachen ihr Play-off-Viertelfinale dort ausgetragen, und die Halle . . .

Berscheidt: . . . ist einfach perfekt, eine reine Volleyball-Halle. Ich kenne sie bereits von Champions-League-Übertragungen bei den Männern mit Beteiligung von Noliko Maaseik.

Aber die gute Stimmung mit rüberzunehmen, dürfte nicht ganz so einfach sein . . .

Berscheidt: Soweit ich weiß, rühren die Aachener schon kräftig die Trommel für den Vorverkauf und versuchen, die Fans zu mobilisieren. Und so weit ist Maaseik ja nicht entfernt. Je mehr, je lauter und je stimmungsvoller, desto besser für Aachen und auch für unsere Fernseh-Übertragung.