Aachen: Die „Ladies“ trennen sich vom Chefcoach

Aachen: Die „Ladies“ trennen sich vom Chefcoach

Der Trainingsauftakt nach den stillen Festtagen begann bei den „Ladies in Black“ Aachen mit einem lauten Knall: Der Volleyball-Bundesligist trennt sich mit sofortiger Wirkung von Cheftrainer Marek Rojko. Nach der Unterredung mit dem PTSV-Vorsitzenden Dr. Frank Schidlowski am frühen Nachmittag wurden die Spielerinnen vor der ersten Übungseinheit gegen 17 Uhr informiert.

Das Training leitete bereits der bisherige Co-Trainer Manuel Hartmann, der zunächst bis Saisonende den 38-jährigen Slowaken als verantwortlichen Coach beerbt.

„Vor allem aufgrund der mit Marek Rojko erzielten sportlichen Erfolge in der Vergangenheit zollen wir ihm höchsten Respekt“, erklärte Schidlowski einerseits, machte jedoch auch klar, dass es zuletzt durchaus unterschiedliche Vorstellungen über die zukünftige sportliche Ausrichtung der „Ladies“ zwischen den Vereinsverantwortlichen und dem Cheftrainer gegeben habe.

Rojko hatte vor zwei Jahren die Mannschaft übernommen, war mit den „Ladies“ bereits in seiner ersten Saison als Dritter der Meisterschaft in der Volleyball-Bundesliga eingelaufen. In der abgelaufenen Spielzeit hatte das Team mit dem Erreichen des Pokalfinales einen weiteren sportlichen Höhepunkt erreicht.

Nicht nur das Auftreten der Mannschaft, sondern auch der Aachener Anhang hatten ein großes Ausrufezeichen in der Landkarte von Volleyball-Deutschland gesetzt. Auch in die aktuelle Saison waren die „Ladies“ sehr erfolgreich gestartet, verteidigten über Wochen hinweg den zweiten Tabellenplatz.

Doch seit Ende November hatte das Team nur noch Niederlagen kassiert, und die Art und Weise, wie sich die Mannschaft dabei präsentierte, hatte die Vereinsverantwortlichen dazu gebracht, eine Wende einzuleiten.

Doch nicht nur die blutleeren Auftritte der letzten Wochen haben zu dieser Entscheidung geführt, die Differenzen zwischen dem Chefcoach und der Vereinsspitze scheinen viel tiefgehender, wurden allerdings durch die sportlichen Erfolge der jüngsten Vergangenheit nur kaschiert.

„Wir haben unterschiedliche Vorstellungen in der Kontinuität und der Zusammensetzung des Teams“, meint Schidlowski und wird konkreter: „Wir möchten, dass die jungen Spielerinnen, auf die wir setzen, zukünftig längerfristig in Aachen bleiben“, sieht Schidlowski das Ziel, Talente an den Verein zu binden und zu entwickeln, als nicht erreicht.

Vor allem in der vorletzten Saison hatte die Mannschaft einen großen personellen Aderlass erlitten, Aushängeschilder wie Zuspielerin Femke Stoltenborg, Mittelblockerin Yvon Belien und der Rückkehrerin Laura Weihenmaier hatten den „Ladies in Black“ den Rücken gekehrt und zwischen den Zeilen auch Kritik am Trainer geübt.

Bis zum Saisonende wird nun der bisherige Co-Trainer in die Pflicht genommen und soll für die sportliche Kehrtwende sorgen.

„Manuel Hartmann genießt unser vollstes Vertrauen. Trotz seines jungen Alters verfügt er schon über reichlich Erfahrung als Trainer, unter anderem in Stuttgart und im Kreise der Deutschen Nationalmannschaft. Wir sind davon überzeugt, dass Manuel Hartmann wieder den Weg zurück in die Erfolgsspur finden wird“, kommentiert Schidlowski die Beförderung Hartmanns, der im Sommer 2014 zu den „Ladies in Black“ gestoßen war.

Von Marek Rojko selbst war am Montag keine telefonische Stellungnahme mehr erhältlich, nachdem er sich persönliche von den Spielerinnen verabschiedet hatte. „Es ist schade, dass an dieser Stelle unser gemeinsamer Weg nun zu Ende geht. Ich respektiere aber die Entscheidung der Verantwortlichen. Wir hatten stets einen guten Dialog“, wird der 38-Jährige allerdings in einer Pressemitteilung des Vereins zitiert.

Noch Anfang Dezember hatte Rojko unserer Zeitung gegenüber eingeräumt, dass etwas mit der Mannschaft in die falsche Richtung laufen würde und es in seinen Aufgabenbereich falle, diese Entwicklung zu analysieren und abzustellen.

Manuel Hartmann ist erst am montag vom Lehrgang der Nationalmannschaft in Schwerin zurückgekehrt. „Ich habe zunächst nur einige Einzelgespräche mit den Spielerinnen geführt“, meinte der neue Chefcoach, der den „Ladies“ erst am Dienstag seine Vorstellungen über die künftige Ausrichtung des Teams mitteilen will.

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