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Aachen: Vielseitigkeits-Kurs soll kein Schocker sein

Aachen : Vielseitigkeits-Kurs soll kein Schocker sein

Sage nicht immer, was du weißt, aber wisse immer, was du sagst. Damit ist in wenigen Worten die Lebensmaxime von Rüdiger Schwarz (56) erklärt. Stets leicht verschmitzt, aber dennoch offen wirkt der Gesichtsausdruck des gebürtigen Holsteiners.

Schwarz entwarf die eigens für die WM neu angelegte Crossstrecke, auf der die Vielseitigkeitsreiter starten.

Der Wahl-Westfale mit Wohnsitz in Sassenberg (bei Warendorf) hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, sein schier unerschöpfliches Wissen, das er sich als Reiter bei den Championaten sowie auf der Trainerakademie angeeignet hat, als Trainer, Ausbilder oder Cross Designer anderen mit zu teilen.

Dabei wollte der Sohn des Forstdirektors Dr. Schwarz aus dem holsteinischen Elmshorn eigentlich Tennisprofi. Erst durch einen Schulfreund fand er mit 17 Jahren zum Pferd. Es wurde eine bleibende Liebe. Schwarz absolvierte er in Münster bei Paul Stecken eine Bereiterlehre, leistete dann seinen Wehrdienst in der Sportkompanie der Bundeswehr ab.

Nach seiner Soldatenzeit ging er selbstbewusst zum Gestüt Nehmten von Dr. Schnapka, für den damals schon Stars wie Hartwig Steenken (Weltmeister 1974), Gerd Wiltfang (Weltmeister 1978), der Ire Eddie Macken und Military-As Karl Schultz ritten.

Rüdigers Arbeitsbereich war aber zunächst weniger der Pferderücken als viel mehr die Stallgasse zu fegen und die Pferde der Cracks zu putzen. Doch Dr. Schnapka merkte schon bald, welches Potenzial in seinem Pferdepfleger steckte und kaufte eigens für ihn den schwedischen Vollblüter Chorrister.

Mit ihm wurde Rüdiger Schwarz auf Anhieb Holsteinischer Meister und Zweiter beim CCI im niederländischen Boekelo. Im Jahr drauf, 1976, gehörte das Paar bei den Olympischen Spielen in Montreal zum deutschen Military-Aufgebot.

Nicht zu bremsen

Weltruhm erlangte der Holsteiner Reiter mit dem 7/8-Blüter Power Game. Mit der deutschen Equipe flogen die beiden mit zur WM 1978 nach Lexington, wo sich Power Game allerdings auf dem Waschplatz das Griffelbein im linken Hinterbein brach.

Danach bestritt Power Game mit Schwarz von 1979 bis 1983 fünf Championate für Deutschland, gewann 1979 EM-Einzel-Bronze, jeweils Team-Silber 1980 bei den Ersatzspielen in Fontainebleau sowie bei der WM 1982 (Vierter im Einzel). 1979 war Rüdiger Schwarz Dritter der Weltrangliste, 1982 sogar Zweiter.

Power Game, den Schnapka wiederum eigens für Schwarz erworben hatte, war als alles andere, nur kein idealer Vielseitigkeitsreiter: faul in der Arbeit, undurchlässig, guckrig im Gelände, außerdem eigenbrötlerisch in der Box. „Aber im Wettkampf”, so sein Reiter, „lief er sich förmlich in Wut, war in seiner Leistungsbereitschaft nicht zu bremsen. Ist mir immer ein Rätsel geblieben, woher er das hatte.”

1985 verabschiedete sich Rüdiger Schwarz aus dem aktiven Sport, legte an der Trainer-Akademie in Köln seine Diplom ab und wurde 1986 Bundestrainer im Deutschen Olympiade Komitee für Reiterei (DOKR) in Warendorf.

Zunächst coachte er zwei Jahre die Ponyreiter in der Vielseitigkeit, gewann 1987 und 1988 mit ihnen bei Europameisterschaften sechs Medaillen. Ebenfalls seit 1987 managt er die Junioren (bis heute 29 Medaillen bei EM), seit acht Jahren außerdem die Jungen Reiter (15 Medaillen) und seit 20 Jahren zusätzlich die Eventers der Sportkompanie der Bundeswehr.

Nebenbei entwickelte er sich quasi als Autodidakt zum Cross- Designer. Seine Strategie in der Konzeption großer Vielseitigkkeits-Kurse: „Du hast deinen Job als Geländebauer ordentlich erledigt, wenn in einem qualitativ durchwachsenen Starterfeld von - sagen wir mal - 70 Reitern einer hindernisfehlerfrei in der vorgegebenen Bestzeit das Ziel erreicht.

Andererseits hast du auch dafür Sorge zu tragen, dass in deinem Cross sowohl ein Weltmeister als auch die Vertreter der schwachen Nationen das Ziel sehen, ohne Schaden genommen zu haben.”

Zu seinem Arbeitsfeld in der Aachener Soers erklärt der weltweit anerkannte Experte: „So ein Gelände - auch wenn es sehr flach ist - wünscht sich jeder Cross-Bauer einmal in seinem Leben.”

Es sei sehr reizvoll, auf einem solch begrenzten Areal die gesamte Bandbreite der Hindernisse zu einem Championatskurs zu komprimieren. „In meinem WM-Kurs werde ich niemanden schocken”, garantiert Rüdiger Schwarz.