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Eschweiler: Vanessa Borgmann reitet beim „Großen Preis von Eschweiler“ zum Sieg

Eschweiler : Vanessa Borgmann reitet beim „Großen Preis von Eschweiler“ zum Sieg

In Eschweiler kennt sie sich aus, Top-10-Platzierungen in den vergangenen Jahren inklusive. Da startete Vanessa Borgmann aber beim „Eschweiler Young Masters“, das von Donnerstag bis Sonntag seine nächste Auflage erlebte.

Am Sonntag ging die 22-Jährige aus Wesel gegen die „Großen“ in den Parcours, sogar gegen die ganz Großen, wie ein Blick auf die Starterliste zeigt. Nicht etwa der favorisierte Ire Denis Lynch, der am Freitag das erste Masters-Springen gewinnen konnte oder Felix Haßmann (Lienen), der das zweite Springen am Samstag gewonnen hatte, sondern die junge Amazone vom Niederrhein gewann den „Großen Preis von Eschweiler“. Nomen est omen, denn sie siegte mit einer fehlerfreien Runde in 43,24 Sekunden im Stechen mit Come to Win vor der Schweizerin Chantal Müller (0/43,72) auf Tabasca und John Whitaker (Großbritannien, 0/46,38) auf Ornellaia.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich so schnell bin. John Whitaker zu schlagen, ist einfach überwältigend“, strahlte Vanessa Borgmann nach ihrem Erfolg, für den sie 15375 des mit insgesamt 61.751 Euro dotierten Drei-Sterne-Springens kassierte. Ihr Schimmel Come to win, der „privat“ nur Carlchen genannt wird, ist nicht das schnellste Pferd. „Normalerweise bin ich wirklich langsamer mit ihm. In den Kurven benötigt er wegen seiner Größe mehr Zeit, dafür macht er auf der Geraden mit seinen großen Galoppsprüngen Meter und Zeit wieder gut.“

Auf dem jetzt neunjährigen Cornet-Obolenski-Sohn hatte Borgmann unter anderem im vergangenen Jahr in Balve das Drei-Sterne-Springen um den U25-Pokal gewonnen. Auf ihrem früheren Spitzenpferd Quismy de vaux, der 2013 an den französischen Ex-Europameister Kevin Staut verkauft wurde, war die Springreiterin, die für Brünen startet, unter anderem 2012 Deutsche Meisterin der Jungen Reiter geworden. Die 22-Jährige ist übrigens trotz ihres Erfolgs eine waschechte Amateurin: Aktuell macht sie eine Lehre zum Groß- und Außenhandelskaufmann, um später in den Heizungs- und Sanitärbetrieb ihrer Eltern einzusteigen. Ihr Erfolg ist ein Familienerfolg, denn Mutter Sabine managt die Pferde im Hintergrund, Vater Peter kutschiert den Lkw zu den Turnieren.

Im erstmals mit drei Sternen ausgeschriebenen Großen Preis von Eschweiler hatte die Amazone prominente Konkurrenz: Neben Altmeister John Whitaker ebenfalls dessen Bruder Michael, der auf Elie van de Kolmen 13 Punkte im Normalparcours gesammelt hatte, und seinen Sohn Robert, der auf Catwalk fünf Punkte kassierte und 20. wurde. Der Ire Denis Lynch, der seit zwei Jahren in Eschweiler lebt und trainiert, gab auf Querida nach Abwürfen auf. Besser lief es da für den Aachener Frederik Knorren, der auf Cartanya nach einem Abwurf im Normalparcours Rang 16 belegte.

„Das Turnier hat nochmals eine Steigerung erfahren. Mit der Drei-Sterne-Ausschreibung wurde das nächsthöhere Level erreicht. Es waren unheimlich gute Reiter dabei. Zehn olympische Reiter sprechen für sich. Insgesamt hatten wir Teilnehmer aus 26 Nationen, die mit 400 Pferden angereist sind“, freute sich Andrea Weinberg, Turnierdirektorin des „Eschweiler Masters“ — dem zweiten von vier Turnieren rund um die Turnierserie „Eschweiler Jumping Festival“ — und Tochter von Hausherrin Helena Stormanns. Im Ladies-Finale waren Mutter und Tochter selbst am Start: Nach einem Abwurf im Stechen in 45,28 Sekunden wurde Weinberg Sechste auf Elm Rose, ihre Mutter hatte das Stechen auf Cinnamon nach einem Abwurf im Normalparcours verpasst und wurde Zehnte. Der Freude über die hervorragenden Turnierbedingungen taten die Abwürfe keinen Abbruch, wie Weinberg versicherte: „Nicht ein einziger Tropfen Regen! Das macht alle glücklich. Pferde, Reiter, Zuschauer und Veranstalter.“

Die Zuschauerzahl war deutlich höher als noch im Vorjahr. „Wir hatten diesmal mehr Tribünen und die Terasse immer voll. Dazu kamen die spannenden Wettkämpfe, bei denen man bis zum Schluss nie wusste, wer gewinnt.“ Eine Spannung, die wohl dem Drei-Sterne-Format zu verdanken ist, so Weinberg: „Das ist zwar mit mehr finanziellem Aufwand verbunden (über 120.000 Euro; Anm. d. Red.), der bereits in diesem Jahr nicht allein durch Sponsorengelder aufzufangen war, aber es lohnt sich sportlich — im nächsten Jahr würden wir gerne wieder in diesem Format ausrichten.“