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Titelverteidiger Fuchs reist lieber nach Holland...

Titelverteidiger Fuchs reist lieber nach Holland...

Wer erinnert sich in Aachen nicht an Heidi Robbiani und ihre Jessica? Nicht erst seit den 80-er Jahren, als die beiden „Wuchtbrummen” - das ist äußerst liebevoll gemeint! - förmlich über den Parcours flogen, waren Reiter aus der Schweiz in der Soers gern gesehene Gäste.

Und oft auch erfolgreiche. So im letzten Jahr, als die Equipe im Nationenpreis triumphierte. Die Lorbeeren sind verwelkt, der heutige sportliche Höhepunkt findet ohne die Schweizer statt.

Alles Käse? „Nein, nein”, wiegelt der eidgenössische Top-Reiter Markus Fuchs ab, „wir hätten in diesem Jahr so unsere Probleme gehabt. Willi Melliger hat erst seit kurzem mit Gold du Talus wieder ein Klassepferd, zudem war Beat Mändli lange verletzt. Vielleicht wären wir abgestiegen.”

Absteiger? Im Reitsport? Alles geht, denn seit dem Turnier im französischen La Baule im Mai reiten die acht besten Nationen des vergangenen Jahres in der so genannten „Super League”.

Damit soll nach dem Willen der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) eine höhere Liga als Höhepunkt des Springsports geschaffen werden, deren Klasse nur die besten Reiternationen der Welt erreichen bzw. erhalten können.

So ganz nebenbei erhöht sich auch die Attraktivität für TV-Sender; Super League hört sich halt besser an als Nationenpreis. Oder, um es mit den Worten des Liga-Sponsors Samsung zu beschreiben: „Die Entwicklung eines guten Projekts auf elitärer Ebene hat eine bedeutende Wirkung auf die allgemeine Präsenz des Reitsports.”

Ohne Soerser Präsenz werden die Schweizer sein, die zwar punktgleich mit Irland als Achte die Turniere im Wertungszeitraum für die Super League abschlossen, aber ausgeschlossen wurden.

Die FEI entschied sich für die Iren, weil deren Equipe bei den Weltreiterspielen 2002 besser abgeschnitten hatte. Ein Klage-Grund für die Schweiz, wurde dieser Passus doch dummerweise erst nachträglich ins Reglement eingebaut. Zwar wurde die FEI deshalb vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS mit einer Geldstrafe belegt (5000 Schweizer Franken), für Fuchs, Melliger & Co. blieb die Tür zur Super League aber verschlossen.

Auch wenn Markus Fuchs, der am Donnerstag mit Royal Charmer das Zeitspringen gewann, lieber die gute Seite des Fehlens sieht, sich auf die Tribüne setzen und „leiden” will er nicht. „Ich fahr am Freitag nach Holland und schau mir ein paar Pferde an.”

Aber natürlich ist eine Schweizer Equipe eine Bereicherung für jeden Nationenpreis, was sie beim Turnier in St. Gallen (als Gastgeber mit einer Wildcard ausgestattet) unter Beweis stellte. Platz 2 hinter den Iren, aber vor allen anderen Super-League-Teilnehmern. Somit ist das Ziel für dieses Jahr klar abgesteckt: Zum einen möchten sich die Schweizer bei der EM in Donaueschingen einen von noch drei Startplätzen für die Olympischen Spiele in Athen 2004 sichern, zum anderen den Aufstieg schaffen.

Und es sieht gut aus, denn in der „Zweiten Reit-Liga” führen sie derzeit mit einem Punkt vor Spanien.

Neben den USA (als Übersee-Nation durften sie im Gegensatz zu den Schweizern eine Wildcard erhalten) werden am Freitag Tabellenführer Frankreich (27 Punkte in der Super League), Irland (20,5), Großbritannien (15), Deutschland (13,5), Schweden (7), Belgien (6), Italien (5) und die Niederlande (3,5) starten.

Ärger gibt es noch um den Modus. In St. Gallen durften mit FEI-Einverständnis alle neun Equipen zum zweiten Durchgang antreten. Beim CHIO sollen es nur die besten Acht sein. „Das ist am Montag mit den Equipe-Chefs abgestimmt worden”, so ALRV-Geschäftsführer Frank Kemperman. Die Equipe-Chefs von Großbritannien fordern nun aber die gleiche Ausnahmeregelung für Aachen, um Wettbewerbsverzerrung zu vermeiden.

Die deutsche Equipe: Ahlmann für Nieberg

Kurt Gravemeier fiel die Entscheidung schwer. Am Ende gab der Bundestrainer der Jugend eine Chance und nominierte neben den gesetzten Ludger Beerbaum (Gladdys), Marcus Ehning (For Pleasure) und Otto Becker (Cento) den 28-jährigen Christian Ahlmann (Cöster) für den Nationenpreis am Freitag.

Knapp unterlag Lars Nieberg (39). Die deutsche Equipe startet in der Reihenfolge: Ehning, Ahlmann, Becker und Beerbaum.