Köln: Terodde schießt Köln an die Spitze

Köln : Terodde schießt Köln an die Spitze

Die offensivste Aktion setzten die Fußballer von Erzgebirge Aue gleich an den Beginn ihres Auftritts bei Bundesliga-Absteiger 1. FC Köln: Pascal Testroet zimmerte den Anstoß zur ersten Halbzeit direkt auf das Tor von FC-Keeper Timo Horn — und verfehlte das Gehäuse tatsächlich nur knapp. Und dann folgte das, was wohl die meisten der 48.000 Zuschauer erwartet hatten — nur schlimmer.

„Wir hatten damit gerechnet, dass der Gegner tief steht. Aber dass sie so tief stehen würden, hätte ich auch nicht gedacht“, beschrieb Außenverteidiger Jannes Horn das Stück bergmännischer Arbeit, dass den FC gegen den selbsternannten Kumpelklub erwarten würde: Hammer und Meißel auspacken und ohne Unterlass den harten Stein bearbeiten.

Dass das Glück des Tüchtigen nach 90 Minuten beim FC lag und der 3:1-Sieg nur durch den Sonntagsschuss von Clemens Fandrich (29.) zum zwischenzeitlichen 1:1 getrübt wurde, lag natürlich auch an Mittelstürmer Simon Terodde, der alle drei Kölner Tore erzielte und dafür von Gästetrainer Daniel Meyer („Wir konnten Terodde nicht verteidigen. Der überspringt einfach unsere Leute, das ist seine individuelle Qualität“) und Mitspieler Jannes Horn („Man muss Simon nur an der richtigen Stelle anschießen, dann ist der Ball drin“) gewürdig wurde.

Der Matchwinner fasste selbst die Aufgabe so zusammen: „Beim Heimspiel muss die gegnerische Box brennen. Vielleicht sind sieben oder acht zu verteidigen, aber der neunte ist dann drin. Eine Mannschaft kann 60 oder 65 Minuten dagegenhalten, aber nicht 90.“

Bleibt genügend Raum für den Blick auf die Dinge, die noch nicht so funktionieren. Etwa, warum Vincent Koziello als zentraler Mittelfeldspieler 50, 60 Meter hinter dem Auer Fabian Kalig ohne Unterstützung hersprinten muss und dieser dann doch die Vorlage für Fandrichs Glücksschuss liefern kann? Oder, warum die Ablage auf die zweite Welle so oft zu kurz geriet, so dass der gerade erst mühsam „erpresste“ Ball direkt wieder beim Gegner landete? Und weshalb erst in den zweiten 45 Minuten auch die ballferne Seite personell konsequenter besetzt wurde, was die Angriffe über die Flügel gefährlicher machte und das dichte Gedränge an der zentralen Achse auflockerte.

So fiel der erste Terodde-Treffer nach Traumflanke von Jannes Horn von der linken Stiefkindseite, Treffer Nummer zwei beanspruchte schon zwei Vorlagengeber und zwei Seiten des Spielfeldes: Horns Flanke von links legte Christian Clemens volley zurück auf den zweiten Pfosten, wo Terodde erneut Köpfchen zum 2:1 (69.) in einer Phase bewies, als die Auer präsenter wurden.

Warum der Treffer von Jonas Hector keine Anerkennung fand, der nach Kopfball von Sehrou Guirassy den Ball über die Linie drückte, weiß wohl nur Schiedsrichter Marco Fritz. „Ich habe Torwart Martin Männel nicht berührt, er hatte die Hand nicht am Ball“, schloss Hector zwei Möglichkeiten aus. So war es erneut an Terodde, den Schlusspunkt zu setzen, als der 30-Jährige nach Vorlage von Marcel Risse den Ball über den Ausfallschritt von Männel ins lange Eck spitzelte (89.).

Auch, wenn es ein Stück harte Arbeit und kein Zauberfußball war: Belohnt wurde der erste Kölner Heimsieg nach fünf Monaten mit dem Sprung an die Tabellenspitze, punkt -und torgleich mit Union Berlin.

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