Hamburg: Terodde knackt den Rekord von Dieter Müller

Hamburg : Terodde knackt den Rekord von Dieter Müller

Markus Anfang war in Geberlaune, daran konnte es keinen Zweifel geben. Auf dem Weg zum Mannschaftsbus hatte der Trainer des 1. FC Köln noch rasch an der Verpflegung für die Journalisten Station gemacht, um eine Brühwurst zu entführen. Doch nur noch eine war übrig im Pressesaal des Millerntorstadions — und so verzichtete Anfang generös: Die Wurst überließ er seiner Sprecherin.

Nach dem fulminanten 5:3 (2:2)-Sieg beim FC St. Pauli war der Trainer bester Stimmung. Seine Mannschaft darf sich auf freie Tage freuen, zumal die Länderspielpause ansteht.

Zeitlich hat der FC tatsächlich eine geschickte Abfolge gewählt: Mit dem Erfolg im Norden eroberte die Mannschaft die Tabellenspitze, an der sie nun mindestens zwei Wochen verbringen wird. „Das ist ein enorm gutes Gefühl“, kommentierte Jonas Hector. Die Partie hatte einen atemberaubenden Verlauf genommen, obgleich sich das zu Beginn nicht unbedingt abgezeichnet hatte. Denn Köln war hoch überlegen gestartet. Bereits in der vierten Minute hatte Christian Clemens nach Vorlage des hervorragenden Louis Schaub einen ersten Schuss auf das Tor der Gastgeber abgegeben. Pauli steckte in Schwierigkeiten.

Doch dann fiel ein Tor, das niemand hatte kommen sehen. Marcel Risse stellte sich auf der rechten Abwehrseite selbst vor Probleme, weil er ins Dribbling ging, statt den Ball sofort zu spielen. Dann versuchte er, die Situation mit einem Pass zum eigenen Torwart zu klären, doch das ging sehr schief: Henk Veerman, Paulis 2,01 Meter großer Niederländer und als Bedrohung aus der Luft auf dem Kölner Taktikzettel, lief in den Ball und vollendete mit dem Fuß zur Führung (13.).

In dem Maß, in dem sich St. Pauli anschließend in einen Rausch spielte, kollabierte das Kölner System. Die Innenverteidigung war den Angriffswellen schutzlos ausgeliefert. Der zweite Treffer in der 25. Minute fiel viel zu leicht, wieder versagten beide Außenverteidiger: Risse ließ die Flanke zu, Jannes Horn konnte nichts gegen Dudziaks Kopfball ausrichten. Pauli führte 2:0, das Stadion war ein Tollhaus, und Markus Anfang verzweifelte an der Seitenlinie.

Doch auch die Gastgeber verteidigten schlecht. In der 35. Minute traf Clemens nach Schaubs Flanke zum 1:2, es war der erste Gegentreffer der Hamburger im eigenen Stadion seit dem 14. April. Simon Terodde glich kurz vor dem Pausenpfiff aus. Der FC spürte Boden unter den Füßen. „Es war enorm wichtig, vor der Halbzeit da rauszukommen“, sagte Jonas Hector.

Die Kölner hatten ihre Qualität angedeutet, und nach dem Seitenwechsel spielten sie weiter gnadenlos nach vorn. In der 53. Minute besorgte Terodde mit seinem zweiten Treffer des Tages per Foulelfmeter die Führung. Mit seinem neunten Tor im dritten Pflichtspiel nacheinander holte er sich den mehr als 40 Jahre alten Rekord der Kölner Stürmerlegende Dieter Müller, der 1977 einmal in drei Spielen achtmal getroffen hatte. „Ich bin als Stürmer dafür da, Tore zu erzielen. Hätten wir heute verloren, wäre mir der Rekord sicherlich egal gewesen. So nehme ich ihn gern mit“, sagte Terodde.

In der 57. Minute erhöhte Serhou Guirassy auf 4:2, und im Kölner Block wurde pünktlich zum September der Zweitliga-Evergreen „Spitzenreiter, Spitzenreiter“ angestimmt. Die Partie drohte für St. Pauli zum Debakel zu werden, doch weil Köln weiterhin phasenweise furchtbar verteidigte, brachte Buchtmann (65.) seine Mannschaft noch einmal heran. Die Visiere gingen hoch, es entwickelte sich ein fantastisches Zweitligaspiel, dem der eingewechselte Salih Özcan in der Nachspielzeit mit dem 5:3 ein Ende bereitete. „Das sind die schönsten Siege“, konstatierte Simon Terodde.

Markus Kauczinski musste den Kölner Sieg hinterher anerkennen: „In so einem Schlagabtausch fehlt uns gegenüber Köln einfach die Qualität“, seufzte der Pauli-Trainer. Markus Anfang war verständlicherweise zufrieden. „So zurückzukommen, das war schon beeindruckend“, sagte der Kölner Coach, „ich gratuliere jedem Zuschauer, der heute im Stadion war.“

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