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Donaueschingen: Teamgeist verhilft Springreitern zum goldenen Erfolg

Donaueschingen : Teamgeist verhilft Springreitern zum goldenen Erfolg

Als er in den Parcours ritt, hatte er schon einmal Gold in der Tasche, konnte egoistisch bereits an die Einzelwertung denken.

Einen Abwurf kassierte Ludger Beerbaum auf Goldfever als Schlussreiter für das deutsche Team, doch mit 15,15 Punkten gewannen Beerbaum, Marcus Ehning auf For Pleasure, Christian Ahlmann auf Cöster und Otto Becker auf Cento sicher das ersehnte Team-Gold vor Frankreich (25,30), der Schweiz (28,86) und Belgien, das sich noch von Platz 12 vorgekämpft hatte.

„Ich habe Ottos Ritt auf dem Abreiteplatz nur gehört. Im Stadion war es mucksmäuschenstill, dann kam ein ,aahh,und ich dachte nur, nicht noch eins. Doch es blieb still, und ich wusste, wir hatten Gold”, strahlte Beerbaum, der seinen Fuchshengst gerade auf den Start vorbereitete, als Team-Kollege Becker die Medaille mit einem Abwurf vorzeitig einfuhr.

„In der Schleuse habe ich gerechnet, war mir nicht sicher, habe gedacht, konzentriere dich lieber. Und als ich durchs Ziel war, habe ich mich erst mal nur gefragt, warum ich den Fehler gemacht habe.

Erst dann wurde mir langsam klar, dass wir Gold hatten”, meint Becker, der zuerst ruhig blieb. Dem gemeinsamen Jubel folgte die gemeinsame Vorbereitung von Goldfever.

„Ich habe mich gefreut, musste mich dann aber auf meinen Start konzentrieren, aber es ist schon ein tolles Gefühl, bereits als Sieger einzureiten”, sagt Beerbaum, „und ich denke nach Jerez sprach diesmal unsere Leistung für sich, und wir haben zu Recht gewonnen.”

Die deutschen Springreiter, zuletzt bei der WM in Jerez als Vierte arg gescholten, zeigten eine fast makellose Leistung. Ahlmann im ersten, die drei anderen im zweiten Umlauf leisteten sich nur je einen Abwurf.

Und so strahlte am meisten Bundestrainer Kurt Gravemeier, dem nun alle auf die Schulter klopften. Als Nachfolger von „Goldmacher” Herbert Meyer hatte der 45-Jährige keinen leichten Stand nach „nur” Bronze 2001 bei der EM in Arnheim und der „Nullnummer” in Jerez.

„Mir fällt schon ein Stein vom Herzen, dass es so gut gelaufen ist”, lachte ein nasser Gravemeier mit Blick auf seine Schuhe, aus denen das Wasser lief, denn sein Team hatte ihn nach der Siegerehrung in den Wassergraben geworfen.

Überhaupt scheint Teamgeist das entscheidende Stichwort zu sein: Nach den heißen Diskussionen bei der DM in Gera mit gegenseitigen Vorwürfen rief Springausschuss-Vorsitzender Hendrik Snoek die Reiter in Münster zur Aussprache zusammen. Mit Erfolg.

Die Equipe zeigte sich als echtes Team, die Stimmung war gut. „Wir hatten ein tolles Teamtraining bei Ludger, das wirklich etwas gebracht hat”, war das für Otto Becker ein wesentlicher Punkt des EM-Erfolges, den die Deutschen eingefahren hatten, während die favorisierten Franzosen, die nach Umlauf 1 weniger als einen Springfehler hinter der Gravemeier-Equipe gelegen hatten, Nerven zeigten und letztlich mehr als zwei Springfehler dahinter landeten.

Dritter wurden die Schweizer. Vielleicht war der Jubel bei Beerbaum etwas verhalten, gingen die Gedanken schon Richtung Sonntag, wenn er seinen Einzeltitel verteidigen muss.

Die Spannung dürfte größer sein, als ihm lieb ist, denn die ersten Elf liegen weniger als einen Springfehler auseinander. Darunter alle vier Deutschen mit Ehning an der Spitze.