Jülich: Spieler mit „Jülicher Blut” gesucht

Jülich: Spieler mit „Jülicher Blut” gesucht

Mittlerweile ist es auch offiziell: Der TTC Indeland Jülich wird in der kommenden Saison definitiv nicht mehr in der Bundesliga spielen, selbst wenn der unwahrscheinliche Fall eintreten sollte, dass der aktuelle Tabellenletzte den Klassenerhalt auf der Zielgeraden der Spielzeit doch noch schaffen sollte.

Wie die Deutsche Tischtennis-Liga (DTTL) mitteilte, haben die Herzogstädter erst gar nicht die Lizenz beantragt. Nach 33 Erstliga-Jahren in der Beletage der deutschen Zelluloidkünstler will sich der Klub in der Zweiten Liga neu organisieren. Wir unterhielten uns mit dem TTC-Ehrenpräsidenten und Manager Arnold Beginn über die aktuelle Situation, das neue Konzept und die künftigen Jülicher Ziele.

Nach 33 Jahren Bundesliga geht´s nach unten. Ist Ihnen diese Entscheidung schwer gefallen?

Beginn: Nein, ich bin fest davon überzeugt, dass diese Entscheidung richtig ist und die Zukunft des Vereins sichert. Zumal ja auch die Chance, sportlich die Klasse zu halten, höchstens bei fünf Prozent liegt. Schon eine Niederlage in den restlichen drei Spielen würde den Abstieg bedeuten. In unserer Situation könnten wir frühestens Mitte April damit beginnen, eine Mannschaft für die Bundesliga zusammenzustellen. Und dann müssten wir entweder viel Geld für Spieler ausgeben, das wir nicht haben, oder mit älteren Akteuren antreten, mit denen wir keine Perspektive hätten.

Es gibt aber auch wirtschaftliche Argumente gegen den Jülicher Verbleib in der Bundesliga.

Beginn: Die DTTL organisiert die Liga ab der kommenden Saison in Eigenregie. Allein die Abgaben an die DTTL belaufen sich für das erste Jahr der Selbstverwaltung auf insgesamt rund 25.000 Euro. Und mit dem verbleibenden Etat wären wir kaum konkurrenzfähig.

Viel kostengünstiger wird die Zweite Liga aber nicht. Immerhin wird da nicht mit Dreier- sondern mit Sechser-Mannschaften gespielt.

Beginn: Unser Etat wird auf dem aktuellen Niveau bleiben.

Also rund 200.000 Euro pro Saison.

Beginn: In dieser Größenordnung wird sich unser Etat bewegen. Wir müssen mehr Spieler bezahlen, werden höhere Reisekosten haben und unserer Standard bei Heimspielen mit rotem Boden halten. Tischtennis in Jülich soll von den Rahmenbedingungen her auch in der Zweiten Liga sehenswert sein. Auch die Kosten für den Trainerstab bleiben unverändert.

Reicht dieser Etat, um in der neuen Umgebung eine gute Rolle spielen zu können?

Beginn: Mein Ziel ist es, in zwei Jahren wieder aufzusteigen. Mit einer Mannschaft, die aus jungen Leuten besteht, die wir selbst ausbilden und die ein bisschen Jülicher Blut haben. Spieler wie Julien Indeherberg, der letzte Saison bei uns gespielt hat und jetzt in Heerlen ist. Auch Jugend-Nationalspieler Ricardo Walther (17, Ruhrstadt Herne, d. Red.) möchte ich zu uns holen. Wir sind mit einer ganzen Gruppe von Spielern im Gespräch, die zum Teil auch schon bei mir im Wort stehen. Jonas Lentzen, der Spitzenspieler unserer Oberligamannschaft, wird als Nummer sieben dabei sein. Außerdem werden ein, zwei erfahrene Leute in der Mannschaft sein. So steht beispielsweise schon fest, dass Daniel Halcour, der an Nummer 1 beim Oberliga-Spitzenteam Einigkeit Süchteln spielt, bei uns an Position sechs antreten wird. Das Team ist also insgesamt jung und hat vor allem Perspektiven.

Ihrer aktuellen Nummer vier, Filip Szymanski, haben Sie auch ein Angebot gemacht.

Beginn: Szymanski hat sich noch nicht entschieden. Er hat auch ein Angebot aus Plüderhausen und würde dort sehr gerne weiter in der Bundesliga spielen. Für uns wäre ein Mann wie Trinko Keen gut. Mit ihm habe ich gesprochen, und er hat gesagt, ich soll ihm ein Angebot schicken. Das habe ich dann auch gemacht.

Liu Guoliang hat sich bereit erklärt, Ihnen zwei oder drei junge Talente abwechselnd zur Verfügung zu stellen. Nehmen Sie das Angebot des chinesischen Nationaltrainers an?

Beginn: Das Angebot existiert tatsächlich. Und sollte das klappen, werden wir ein Top-Mannschaft stellen. Käme dann noch Trinko Keen hinzu, könnten wir vielleicht eher in der Bundesliga zurück sein, als in zwei Jahren.

Wie attraktiv ist die Zweite Liga sportlich und für die Jülicher Zuschauer?

Beginn: Da spielen Vereine mit großen Namen. Hertha BSC, Borussia Dortmund, der Hamburger SV beispielsweise. Und der 1. FC Köln könnte zu den Zweitliga-Aufsteigern gehören. Mein Traum wäre es, wenn Werder Bremen der zweite Absteiger aus der Bundesliga wäre.

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