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Köln: Spiel für Spiel, dem Durchbruch hinterher

Köln : Spiel für Spiel, dem Durchbruch hinterher

Wann das mit seinem Durchbruch kommt, kann Yannick Gerhardt selbst nicht genau sagen. Das mit dem Durchbruch ist nämlich eine dieser Sachen im Fußball-Geschäft, die ein bisschen unergründlich sind, weil keiner genau sagen kann, wie das klappt, mit dem Durchbruch. Gerhardt sagt: „Es ist schwer zu sagen, wann man das geschafft hat.“

Allgemein gültige Bedingungen gibt es nicht. Junge Fußballer brauchen ein paar Bundesligaspiele, vielleicht zwei, drei Tore und die eine oder andere Berufung in eine Juniorennationalmannschaft für ihren Durchbruch. Und dann noch ein paar Dinge, die sich nicht in Zahlen ausdrücken lassen; Gerhardt sagt: „Eine gewisse Reife, sich von Rückschlägen nicht beeinflussen zu lassen und so etwas.“

Gerhardt, 21 und Mittelfeldmann beim 1. FC Köln, hat bisher gesammelt: 24 Bundesligaspiele, zwei Tore, 29 Zweitligaspiele, drei Tore, vier U 21-Länderspiele, zwei Torvorlagen; Erfolge und Rückschläge waren in seinen zweieinhalb Profijahren inklusive. Und wenn man den vielen Texten über ihn denn glauben möchte, dann steht Gerhardt jetzt irgendwo zwischen „kurz“ und „ganz dicht“ vor dem Durchbruch.

Dass das so geschrieben steht, liegt an seinen jüngsten Auftritten. Die waren gut. Nachdem sein Konkurrent Kevin Vogt verletzt ausgefallen ist, übernahm Gerhardt dessen Platz im zentralen Mittelfeld. Er stand drei Mal in Folge in der Kölner Startelf, er spielte zwei Mal volle 90 Minuten, er hat ein Tor geschossen; und dazwischen ist er noch für die deutsche U 21 aufgelaufen. Es waren gute Länderspiele. Alle sind damit zufrieden gewesen, er selbst auch, Gerhardt sagt: „Das zeigt mir, dass ich auf einem guten Weg bin.“

Der lange Weg zum Durchbruch hat 2003 angefangen, da ist Gerhardt — in Kreuzau aufgewachsen und in Düren zur Schule gegangen — mit gerade einmal neun Jahren zum FC gewechselt, und dass er heute, zwölf Jahre später, immer noch da ist, ist schon etwas Besonderes. Er habe in den Jugendmannschaften viele Spieler kennengelernt, „da hatten einige echt Talent“, sagt Gerhardt. Manche vielleicht mehr als er selbst, „aber die haben sich ablenken lassen, von Partys oder anderen Geschichten“.

Zwischen Schule und Fußball

Gerhardt ist immer noch da, weil er sich nicht hat ablenken lassen, nicht von Partys und auch nicht von anderen Geschichten. Und dennoch seien Schule und Freunde nie zu kurz gekommen, „ich sehe nicht, dass ich irgendetwas verpasst hätte“. Er habe viele Freunde aus Schulzeiten, das Abitur hat er in der Tasche, und das mit dem Traum vom Fußballprofi hat bekanntlich auch geklappt. „Ja natürlich, das war viel Arbeit“, sagt er, „aber sie hat sich ja gelohnt.“

Seit rund zweieinhalb Jahren ist er jetzt Teil des FC-Kaders, und er hat schon ziemlich gute Zeiten erlebt. In seinem ersten Profi-Jahr ist er mit den Kölnern in die Bundesliga aufgestiegen, er hatte ein Angebot von Benfica Lissabon. Mit seinem Tor am 32. Spieltag gegen Schalke hat er in der vergangenen Saison den Klassenerhalt rechnerisch perfekt gemacht, und bei den Fans, die seit Podolskis Abgang nach einem neuen Gesicht der Mannschaft lechzen, hat er ohnehin gute Karten. „Ich glaube, dass Spieler aus der eigenen Jugend besonders von den Fans wahrgenommen werden, und dieser Rolle will ich gerecht werden“, sagt er.

Gerhardt hat aber auch schlechtere Zeiten erlebt, das Pfeiffersche Drüsenfieber hat ihn Anfang des Jahres zurückgeworfen, und manchmal sind seine Leistungen noch ein bisschen zu schwankend. Trainer Peter Stöger sagt, dass Gerhardt nur noch Konstanz fehle, um ein richtiger Klassespieler zu sein. Das mit der Kontanz hat zuletzt ja gut geklappt, daran will er anknüpfen, Gerhardt sagt: „Ich will den nächsten Schritt machen und dem Team dauerhaft helfen.“

Und schon am Samstag will er damit anfangen, wenn er mit dem FC bei Bayern München antritt. Es könnte seine Premiere in der Allianz-Arena werden; wenn er denn spielt, was nach den starken Auftritten zuletzt aber durchaus wahrscheinlich ist. Gerhardt hofft natürlich auf diesen Einsatz, mehr noch, er sagt: „Das ist so ein Spiel, von dem ich als kleiner Junge geträumt habe.“

So ein Spiel, das sei für die Entwicklung eines jungen Spielers enorm wichtig. Vor allem, weil die Bayern ernst machen werden, sie wollen ihren 1000. Sieg in der Bundesliga, und vielleicht wird neben den vielen Stars auch wieder Superstar Arjen Robben auflaufen. Na und? Gerhardt sagt: „Die Rollen vor dem Spiel sind klar verteilt, aber trotzdem muss erst einmal gespielt werden.“