Düren: Söhnke Hinz steht für Evivos Jugend-Stil

Düren: Söhnke Hinz steht für Evivos Jugend-Stil

Wenn sich der Mensch Söhnke Hinz für eine Sache einsetzt, dann macht er es konsequent. Weil der Mensch Söhnke Hinz von Beruf Volleyball-Trainer ist, ist es nur folgerichtig: Seiner Profession geht der 42-Jährige mit eben dieser Konsequenz nach: „Sonst kannst du im Spitzensport nicht erfolgreich arbeiten.”

Und deshalb ist für Hinz auch folgerichtig: Er gibt seinen Spielern über das Wochenende frei und fährt selbst 1500 Kilometer, um in Tschechien, in Prag und Karlsbad, die Spiele der deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft zu sehen. „Ein Pflichttermin eigentlich für jeden Bundesliga-Trainer, um sich taktisch weiterzubilden und um Spieler zu beobachten, die für den eigenen Verein interessant sein könnten.”

Seit dem Sommer ist Hinz Coach des Erstligisten Evivo Düren. Der stattete den akribischen Übungsleiter an dessen erster Stelle als Vereinscoach in der höchsten Klasse gleich mit einem Vierjahresvertrag aus.

Berufsziel von Hinz war aber ein anderes: Eigentlich wollte der Freizeit-Golfer Lehrer werden. Sport und Chemie hat er studiert, das Erste Staatsexamen abgelegt. Aber dann verschrieb sich Hinz dem Volleyball: Beim VfB Friedrichshafen baute er den Nachwuchs-Stützpunkt auf. Zwischen 2000 und 2007 wirkte er am Bodensee. Dann wechselte er zum Deutschen Volleyballverband und ging nach Berlin, zeichnete als Bundestrainer für die National-Mannschaft der Junioren verantwortlich. Durchaus erfolgreich: 2008 gewann sein Team die Silbermedaille bei der Europameisterschaft.

Mit Silber kennt man sich auch in Düren bestens aus: Drei Mal verlor die Mannschaft Finalrunden um die Deutsche Meisterschaft gegen den VfB Friedrichshafen, im Pokal gab es in der jüngsten Vergangenheit auch zweimal Platz zwei. Unter Hinz will Düren die erfolgreiche Arbeit der vergangenen sieben Jahre fortsetzen.

Und das mit einer runderneuerten Mannschaft. „Das ist eine spannende Situation”, sagt beispielsweise Stefan Hübner. Der zur Weltklasse zählende Mittelblocker verweist auf das jugendliche Alter etlicher seiner Mitspieler.

Christian Fromm beispielsweise, der Annahme und Außenangriff verbessern soll, ist 21 Jahre alt, hat in Friedrichshafen in der vorigen Saison kaum gespielt. Matthias Böhme, der Neuzugang aus Königs Wusterhausen, zählt 24 Lenze, soll Christian Dünnes als Diagonalangreifer ersetzen. Doch die Tatsache, dass Evivo Düren wieder auf junge und deshalb bezahlbare Spieler setzt, bereitet weder Hübner noch Söhnke Hinz Sorgen. Gerade deshalb haben Dürens Verantwortlichen Hinz verpflichtet.

Der 42-Jährige soll um das Gerüst Hübner, Kapitän Jaromir Zachrich (Mittelblock) und Außenangreifer und Rückkehrer Tim Elsner, der sich während der zwei Jahre in Bottrop beachtlich weiter entwickelt hat, ein schlagkräftiges Team aufbauen, das im Konzert der Großen mitmischen kann: „Finanziell und damit sportlich sind Friedrichshafen, Generali Haching und Berlin Recycling Volleys (das frühere SCC Berlin) die Topvereine der Liga. Wir wollen in der Meisterschaft um den vierten Platz mitspielen, möchten das Halbfinale erreichen, streben auch das Pokalfinale im westfälischen Halle an.”

Aber Hinz verweist auch darauf, dass Schlüsselpositionen wie Libero und Zuspiel mit jüngeren Spielern besetzt sind, die noch nicht die Konstanz und Routine eines Stefan Hübners haben.

Die Vorbereitung auf die Saison, die am Freitag mit dem Auftaktspiel in Berlin beginnt, verlief nicht reibungslos. Bis zu vier Spieler fehlten wegen Verletzungen oder Nationalmannschaft gleichzeitig, in den Vorbereitungsspielen zeigten Champions-League-Teilnehmer den Dürenern die Schwächen auf. Doch schlaflose Nächte hat der Coach nicht: „Wir haben zuletzt ausnahmslos gegen sehr starke Mannschaften gespielt. Auch die Recycling Volleys haben keine optimale Vorbereitung hinter sich. Wir finden uns schon immer besser zurecht.”

Mehr von Aachener Nachrichten