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Sao Paulo: Selfmade-Man Vettel: Der Formel-1-Jungstar managt sich selbst

Sao Paulo : Selfmade-Man Vettel: Der Formel-1-Jungstar managt sich selbst

Früh übt sich. Schon als Neunjähriger nahm Sebastian Vettel sein Schicksal selbst in die Hand und ging für seine Kart-Karriere auf Sponsorensuche. Elf Jahre später hat sich daran nicht viel geändert.

Vertragsfragen regelt der 20-Jährige auch nach seinen fulminanten Auftritten in seinem Formel-1-Premierenjahr noch selbst. „Ich habe keinen Manager, und im Moment gibt es auch keinen Grund, warum ich das ändern sollte”, sagte Vettel vor dem Großen Preis von Brasilien an diesem Sonntag in Sao Paulo.

In seinen bisherigen sieben Renneinsätzen hat Vettel die hohen Erwartungen, die an den „Bubi-Schumi” gestellt wurden, nicht nur erfüllt, sondern sogar übertroffen. Höhepunkt war neben dem Punktgewinn gleich in seinem ersten Formel-1-Rennen in Indianapolis als Ersatzmann des zuvor verunglückten BMW-Sauber-Piloten Robert Kubica der sensationelle vierte Platz beim vorletzten Saisonrennen in regnerischen Shanghai. Auch eine Woche zuvor hatte er sein Ausnahmekönnen im Regen von Fuji gezeigt, nur eine Unachtsamkeit und ein daraus resultierender Auffahrunfall kosteten ihm einen möglichen Podestplatz beim Großen Preis von Japan. Vettels Regen-Geheimnis: „Ich habe im Kartsport mit Slicks trainiert.”

„Bei Nässe trennt sich immer die Spreu vom Weizen. Schlechte Sicht, kein Grip, ständig wechselnde Bedingungen - es ist klar, dass ein Fahrer, der damit klarkommt, immer top sein kann”, sagte Toro- Rosso-Mitbesitzer Gerhard Berger und nannte Vettel auch schon in einem Satz mit der 1994 tödlich verunglückten Formel-1-Legende Ayrton Senna. „Sebastian macht einen guten Job. Er macht wenig Fehler für seine Unerfahrenheit. Er hat eine positive Ausstrahlung auf das Team”, so Berger weiter.

Und auch Teamchef Franz Tost ist mit Blick auf Vettels Fahrten in Japan und China voll des Lobes über den vor dem Großen Preis von Ungarn Anfang August von den „Roten Bullen” verpflichteten Deutschen. „Er hat in beiden Rennen eine fantastische Leistung gezeigt”, sagte Tost.

Für Überflieger Vettel kein Grund, die Bodenhaftung zu verlieren. „Sätze wie Ich bin was Besonderes würde ich nie über mich sagen”, so der Hesse. Seinen ersten Test in einem Formel-1-Wagen absolvierte Vettel im September 2005, im August 2006 erzielte er bei seinem Debüt als Freitagsfahrer im Training zum Großen Preis der Türkei in Istanbul die Bestzeit vor allen arrivierten Rivalen.

„Ich fahre nicht mit, um hinten rumzufahren”, betonte Vettel, der mit seinen sechs WM-Punkten 14. der Gesamtwertung ist. Zum Vergleich: Der 32-jährige Ralf Schumacher aus Kerpen liegt mit einem Zähler weniger auf Rang 16. „Wenn man nach dem Rennen aus dem Auto aussteigt und sagen kann, man hat alles und sein Bestes gegeben, dann kann man mit sich zufrieden sein”, so Vettels Devise. „Für mich ist es aber immer noch unrealistisch, dass ich überhaupt in der Formel 1 fahren darf.”