Feuer, Kolik und Klage: Schwierige Vorbereitung auf Dressur-EM

Feuer, Kolik und Klage : Schwierige Vorbereitung auf Dressur-EM

Sönke Rothenberger hat in seinen jungen Jahren schon viel erlebt. Nach vielen Feiern nach Gold-Medaillen bei EM, WM und Olympia macht der 24 Jahre alte Reiter nun sehr schwere Momente durch.

Schwierige und emotionale Monate liegen hinter Sönke Rothenberger. Für den Youngster im deutschen Dressur-Team war der Weg zur Europameisterschaft in Rotterdam besonders beschwerlich, denn das Jahr begann im Februar mit einem grauenvollen Ereignis. Der später verpasste Start bei der deutschen Meisterschaft wegen Koliksymptomen bei seinem Pferd Cosmo und der Wirbel um eine Millionen-Klage verblassen gegen die Auswirkungen des gewaltigen Feuers auf der elterlichen Anlage in Bad Homburg.

„Ich versuche, darüber nicht mehr nachzudenken“, sagte Rothenberger am Montag, einen Tag vor seinem ersten EM-Ritt. Für den 24 Jahre alten Reiter gilt in Rotterdam: „Es bleibt natürlich präsent, aber wenn man aufs Pferd steigt, dann geht es um die Sache. Dann muss man den Kopf freikriegen.“

Das scheint er zu können. Zumindest gelang es Rothenberger im Juli in Aachen, wo er wegen des verpassten DM-Starts nicht im deutschen CHIO-Team starten durfte, sich aber mit glänzenden Leistungen in den Rahmenprüfungen für einen Platz im EM-Team empfahl. „Aachen lief super, und ich hoffe, dass wir hier so weitermachen“, sagte Rothenberger.

„Er ist sehr fokussiert“, berichtete Bundestrainerin Monica Theodorescu über ihre Eindrücke: „Sönke ist ja schon sehr erfahren.“ Das jüngste Team-Mitglied gehörte bereits bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro sowie zuletzt bei der EM 2017 und der WM 2018 zum deutschen Gold-Quartett. „Er ist noch jung, aber schon sehr erwachsen“, sagte die Bundestrainerin.

Gleichwohl wird den jungen Mann das Inferno, das am letzten Februar-Tag auf dem Gestüt der Eltern wütete, noch lange beschäftigen. „Das ist etwas, was einen täglich begleitet“, sagte der Dressurreiter. Beim Brand starben fünf Pferde. Seine Schwester Sanneke zog sich bei der Rettungsaktion an jenem Morgen Verbrennungen und eine leichte Rauchvergiftung zu. Zwei der rund 250 eingesetzten Feuerwehrleute erlitten bei den Löscharbeiten leichte Verletzungen.

Ungewollte Schlagzeilen erzeugte die Familie Rothenberger dann noch einmal vor knapp drei Wochen wegen einer Klage wegen der Fehlbehandlung von Cosmo gegen eine Tierklinik und drei Personen. Das US-Fachportal „dressage-news.com“ berichtete kurz vor der Nominierung des EM-Kaders von einer Forderung über acht Millionen Euro Schadenersatz.

„Es wurde ja gezielt an die Presse gegeben, um Unruhe zu stiften“, sagte Rothenberger dazu. „Was bei vielen für Erschrecken sorgt, ist die Summe, die im Raum steht, aber da ist vom Gericht festgelegt worden, welchen Wert das Pferd hat. Das ist nicht etwas, was wir festgelegt haben.“

Auch den Wirbel um die Millionen-Klage muss der Reiter nun verarbeiten. Die vom Verband gestellte Sport-Psychologin habe er Anfang des Jahres „in Anspruch genommen“, berichtete der junge Reiter: „Aber ich habe gemerkt, dass ich es selber mit mir ausmachen muss - das sagt mir mein Gefühl.“

(dpa)
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