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Eindhoven: Sascha Klein holt EM-Silber vom Turm

Eindhoven : Sascha Klein holt EM-Silber vom Turm

Beim Turmspringen ist es wie im wahren Leben: in einem Moment ganz oben, im nächsten unten. Im Handstand suchte Sascha Klein in zehn Metern Höhe den richtigen Moment zum Absprung. Bruchteile von Sekunden später war er unten im Wasser, das hoch aufspritzte, als er eintauchte.

Ein Raunen ging durch die Halle, die Blicke flogen zur Anzeigetafel, die es hell auf dunkel zeigte - der Favorit war abgestürzt, stand nach drei Sprüngen nur auf Rang 11. Der Aachener blieb cool, haute danach einen Top-Sprung raus, der ihn wieder auf Rang 2 brachte. Und so fehlten am Ende nur 4,35 Punkte zur zweiten Goldmedaille - denn eine hatte Sascha Klein tags zuvor schon im Synchronspringen mit Patrick Hausding geholt.

„Damit habe ich nie gerechnet, schon gar nicht mit Gold”, sagte Thomas Daley und zeigte grinsend seine Zahnspange. Dass 13-Jährige diese tragen ist nicht ungewöhnlich, wohl aber, dass sie Europameister bei den Senioren werden. Schon im Vorkampf, den Klein klar gewonnen hatte, ließ der junge Brite als Dritter aufhorchen.

Cool hörte er Walkman zwischen den Durchgängen und nutzte den einzigen Fehler des Aacheners zu seinem großen Triumph. „Nervös war ich gar nicht, ich bin einfach gesprungen”, meinte der 13-Jährige, der schon in Aachen beim Printenspringen sein Talent zeigte. Im Frühjahr war er Britischer Meister vom Turm geworden - bei den Senioren wohlgemerkt, beim Weltcup in China Siebter.

„Er ist ein Top-Athlet und ein Super-Talent”, zollte Klein seinem Bezwinger Respekt. Wohl wissend, dass alleine eine mittelmäßige Leistung beim Handstandsprung allein ausgereicht hätte, um Gold zu holen. „Das ist schon ein bisschen ärgerlich, aber insgesamt bin ich sehr zufrieden und freue mich riesig über die beiden Medaillen”, sagt Klein. „Ich habe mich beim Strecken verschätzt und bin zu flach eingetaucht. Nach dem Patzer habe ich gekämpft und noch das Beste herausgeholt.”

Sein Kampfgeist müsste mit Gold belohnt werden, denn Klein war gestern nicht fit. Am Morgen plagten ihn ernste Kreislaufprobleme, nach zwei Aspirin ging es im Finale wieder besser. „Das Synchronspringen war so spät, dann musste ich zur Dopingkontrolle, wofür ich eineinhalb Stunden brauchte. Und dann habe ich schlecht geschlafen”, führt Klein sein Unwohlsein darauf zurück und nicht auf den Erwartungsdruck, der nach seinem Weltcup-Sieg in Peking auf ihm lastet. „Damit kann ich ganz gut umgehen. Aber die letzten Wochen waren wohl ein bisschen viel, ich bin total erschöpft”, sagt der Aachener, und die dunklen Ringe unter seinen Augen sprechen Bände.

„Ich war gespannt, wie er reagierte, ob er kämpft oder aufgibt”, beschreibt Lutz Buschkow die bangen Minuten vor Kleins viertem Sprung. „Er hat gekämpft und wie. Und in der Vorbereitung auf Olympia hat Platz 2 trainingsmethodisch sogar Vorteile”, war der Bundestrainer bestens gelaunt. Mit Recht, denn die deutschen Wasserspringer sahnten über Ostern in Eindhoven ab: Turm-Gold holten zudem Anette Gamm/Nora Subchinski, Silber von drei Metern Katja Diekow sowie das Duo Andreas Wels/Tobias Schellenberg. Buschkow: „Unser Weg nach Peking ist gut präpariert...”