Ulla-Klinger-Cup beim SV Neptun Aachen

Wasserspringen : „Wir wollen hier für Olympia ausbilden“

Alexander Neufeld treibt beim SV Neptun Aachen die jungen Wasserspringer zu Höchstleistungen an. Eín Blick hinter die Kulissen beim SV Neptun Aachen.

Absprung, Flugphase, Körperspannung, Eintauchen. Wer mit Alexander Neufeld spricht, merkt schnell, mit welcher Leidenschaft und Akribie er dabei ist. 1976 fing Neufeld in Weißrussland an, Wasserspringer zu trainieren. Heute treibt er die jungen Springerinnen und Springer des SV Neptun Aachen zu Höchstleistungen an. „Wir wollen hier für Olympia ausbilden“, lässt Neufeld in einem Nebensatz fallen. Seine Ansprüche sind hoch.

Dass dieses Ziel für den SV Neptun Aachen, einem kleinen Verein, der weit weniger finanzielle Unterstützung erhält als etwa die Olympia- und Bundesstützpunkte in Halle, Leipzig und Rostock, dennoch nicht utopisch ist, beweist ein Blick hinter die Kulissen des Ulla-Klinger-Cups vom vergangenen Wochenende.

Bei dem international renommierten Nachwuchsturnier treten über 150 Wasserspringer aus zwölf verschiedenen Nationen an. Von der Abholung vom Flughafen, bis zur Unterbringung und zur Verpflegung – alles wird vom SV Neptun organisiert. Meist schon Monate im Voraus.

Vor heimischem Publikum beeindrucken vor allem die Springerinnen des Aachener Vereins gegen die nationale und internationale Konkurrenz. Die D-Jugendliche Arna Kopytov gewinnt zwei Mal Gold. Svenja Verse holt im Wettkampf der A-Jugendlichen zwei Mal Gold, ein Mal Silber und ein Mal Bronze. Und Julia Deng, die bei den Jugend-Europameisterschaften in Helsinki in diesem Jahr bereits den dritten Platz erreichte, gewinnt drei Mal Gold in ihrer Altersklasse (B-Jugend).

„Wir sind sehr streng“, erzählt Neufeld, der seine Athleten zu Hochleistungssportlern formen möchte. 18 Stunden Training pro Woche, verteilt auf sechs Tage, sind eher die Regel als die Ausnahme. „Wir wollen alles aus den Jugendlichen herauskitzeln.“

Fast täglich drei Stunden Training

Einer der Sportler, der in dem sogenannten Leistungsteam des SV Neptun trainiert, ist Jan Marx. Der 16-Jährige ist seit zehn Jahren im Verein. Seine Leidenschaft für das Wasserspringen entdeckte er in jungen Jahren im Fernsehen, als er die olympischen Spiele verfolgte. Nach der Schule fährt Jan mit dem Bus in die Aachener Westhalle. Dort hat er fast täglich drei Stunden Training. Immer wieder arbeitet er an der Ausführung seiner Sprünge oder feilt im Trockenraum an seiner Beweglichkeit. „Natürlich gibt es auch Tage, die nicht so viel Spaß machen“, gesteht er. Ein Leben ohne die Schwimmhalle kann sich Jan trotzdem nicht vorstellen. Den Leistungsgedanken hat der 16-Jährige bereits voll verinnerlicht. In diesem Jahr nahm an den Deutschen Meisterschaften teil. „Früher bin ich oft Neunter oder Zehnter geworden, heute komme ich immer näher ans Treppchen ran.“

Hinter dem Erfolg der Athleten des SV Neptun steckt auch ein Netz von Eltern und Ehrenamtlichen, die den Verein am laufen halten. „Ohne die Eltern würde hier gar nichts funktionieren“, weiß Neufeld. „Sie fahren die Kinder zu Turnieren, zum Training, übernehmen Aufgaben im Verein und organisieren Turniere.“ Im vergangenen Jahr sammelten sie Geld, um das Gehalt ihres Trainers zu finanzieren. Trotz aller Akribie und Strenge betont Neufeld auch: „Die Kinder und Jugendlichen sind meine zweite Familie. Für sie steht immer eine Tür offen.“ So steckt hinter seiner Leidenschaft auch das Versprechen, so viele seiner Schützlinge wie möglich an die Weltspitze zu bringen.

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