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Walheims Ex-Coach Helge Hohl: Trikots im Kampf gegen die Corona-Krise

Walheims Ex-Coach Helge Hohl : Trikots im Kampf gegen die Corona-Krise

Walheims Ex-Coach Helge Hohl versteigert Shirts von Fußballstars. Der Erlös soll für „soziale Zwecke“ verwendet werden. Die Idee kam ihm beim Aufräumen.

Als Helge Hohl die Corona-Auszeit nutzte, um seinen Kleiderschrank auf Vordermann zu bringen, fiel dem 28-Jährigen auch das signierte Shirt seines Freundes Julius Biada in die Hände, der unter normalen Umständen für den Fußball-Zweitligisten SV Sandhausen spielt. „Ich dachte mir: Es gibt Millionen Fußballfans auf der Welt. Warum sollte man Trikots in Zeiten der Corona-Krise nicht für einen guten Zweck versteigern können?“

Der unerwartete Fund wurde zum Startschuss für eine außergewöhnliche Aktion. Der Ex-Trainer des Landesligisten Hertha Walheim und heutige Coach des Regionalligisten SV Bergisch Gladbach durchstöberte sein umfangreiches, digitales Telefonbuch und fand schnell aktuelle und ehemalige Weggefährten, die ihm Shirts von Profis aus der 1. und 2. Fußball-Bundesliga, sowie der 3. Liga besorgten.

„Ich bin überwältigt davon, wie viele Leute eine Zusage gegeben haben, uns zu unterstützen“, sagt der 28-Jährige. Mit „uns“ meint der Coach auch seine Spieler beim SV Bergisch Gladbach, die ebenfalls kräftig die Werbetrommel gerührt haben. Mit Erfolg: In Hohls Fundus befinden sich mittlerweile nicht nur aktuelle Trikots von Kai Havertz, Roman Bürki und Jonas Hector. Auch Erinnerungsstücke von früheren Weltstars wie Franck Ribery, Oliver Kahn und Raul können für den guten Zweck ersteigert werden. Über private Facebook-Accounts der Spieler, Trainer oder die offiziellen Kanäle des Vereins.

Ein Shirt legte sogar einen besonders weiten Weg zurück, um im Hause Hohl zu landen. Der gebürtige Dürener Gert Engels, noch vor zwei Jahren beim japanischen Erstligisten Vissel Kobe als Co-Trainer angestellt, organisierte ein Trikot von Barça-Legende Andres Iniesta. „Das hat bei unserer Auktion 1200 Euro eingebracht“, sagt der 28-Jährige stolz.

Da die Aktion derart gut läuft, wurde sie auch auf andere Sportarten ausgedehnt. „Wir haben ein Trikot von den Handballern des THW Kiel, den Basketballern des FC Bayern und von verschiedenen Eishockey-Teams bekommen“, berichtet Hohl. Der Erlös soll nicht einer speziellen Organisation zugutekommen, sondern für „soziale Zwecke“ verwendet werden. „Es gibt genügend Menschen und Einrichtungen, die in diesen schwierigen Zeiten Hilfe brauchen – tatkräftige und finanzielle“, sagt der ambitionierte Jung-Coach.

So viel Spaß ihm diese und weitere Aktionen auch machen: Mittlerweile würde Hohl gerne wieder seiner Hauptbeschäftigung nachgehen und seine Spieler anleiten. „Am Anfang fand ich die Pause gut, da man mal durchatmen konnte. Für Trainer gibt es ja keine richtige Winter- oder Sommerpause, weil man ständig das Gefühl hat, dass man etwas verpasst, da immer irgendwo ein Fußballspiel stattfindet. Aber jetzt würde ich mir wünschen, dass ein Impfstoff entwickelt, das Virus besiegt wird und wir wieder gemeinsam auf dem Platz stehen können.“

„Konkurrenzfähig geworden“

Hohl ist natürlich nicht entgangen, dass sich 16 von 18 Regionalliga-Clubs für einen Abbruch der Saison ausgesprochen haben. Dass seine Mannschaft, die den letzten Platz in der Tabelle belegt, dadurch möglicherweise nicht den Weg in die Mittelrheinliga antreten müsste, „wäre rein sportlich gesehen – lässt man die ganzen negativen Folgen der Corona-Krise außen vor – tatsächlich etwas Positives. Wir hatten am Ende nämlich den Eindruck gewonnen, dass wir konkurrenzfähig geworden sind. Dafür spricht auch, dass wir aus den letzten zehn Spielen zwölf Punkte geholt haben. Wenn wir von null anfangen könnten, wäre es spannend zu sehen, wie unsere Chancen im Kampf um den Klassenerhalt wären.“

Spätestens dann würde Hohl in die Region zurückkehren – zum Spiel auf dem Tivoli gegen Alemannia Aachen. Viel Zeit für den Inhalt seines Kleiderschrankes dürfte dann nicht mehr bleiben . . .