Aachen: TK Kurhaus kämpft um den Klassenerhalt

Aachen : TK Kurhaus kämpft um den Klassenerhalt

Es ist für Alexander Legsding eigentlich wie immer in der ersten Woche des Grand-Slam-Turniers in Wimbledon: Der Teamchef des Tennis-Bundesligisten TK Kurhaus Aachen verfolgt gespannt, wer von den eigenen Spielern weiterkommt oder ausscheidet und welcher gegnerische Akteur von der Liste gestrichen werden kann.

Zugleich klingelt das Telefon auf allen Anschlüssen der ISDN-Anlage gleichzeitig und das Handy natürlich auch, weil bis zum kommenden Sonntag, wenn das Lambertz-Team um 11 Uhr den TC Weinheim empfängt, noch vieles geregelt werden will und geregelt werden muss.

Vertrautes Geschäft also, und dennoch sagt Legsding: „Das wird eine hochspannende Saison in diesem Jahr, und wir müssen schauen, dass wir da irgendwie durchkommen, ohne etwas mit dem Abstieg zu tun zu haben.“ Der Vorjahresdritte und fünffache Deutsche Meister als potenzieller Absteiger? „Es ist schon richtig schwierig, bevor es überhaupt losgegangen ist“, sagt der Kurhaus-Teamchef, bei dem Jammern nicht zum Repertoire gehört.

Nachdem in der vergangenen Saison Verletzungen und Verhinderungen große Löcher in den Kader gerissen hatten und zeitweise Trainer Dominik Meffert und Doppelspezialist Philipp Oswald bei den Einzeln antreten mussten, entschloss sich der TK Kurhaus zu einer anderen Strategie, hin zu einem breiter aufgestellten Kader. „Stand heute ist der Plan nicht wirklich aufgegangen“, sagt Legsding, der „ständig mit allen Spielern, auch mit denen aus dem Lazarett, in Kontakt steht.“

Im „Lazarett“ befindet sich zum Beispiel Steve Darcis, der eigentlich wieder zum harten Kern des Kaders zählen sollte. Doch der Belgier laboriert wieder an seiner Ellbogenverletzung und fällt voraussichtlich die komplette Saison aus. Oder Roberto Bautista Agut, der wegen einer Hüftverletzung in Halle aufgeben musste. Und auch noch Julian Cagnina, ebenfalls Belgier, der mit Schmerzen an einer Sehne in der Schlaghand kämpft.

Dazu kommt noch der zu erwartende frühere Abgang des Slowaken Norbert Gombos Richtung USA. Gombos bekommt seine Reisen vom Verband finanziert und soll dort schnell antreten.

Zu der Fraktion der eigentlich einsetzbaren Kurhaus-Akteure gehört die Nummer zwei der Meldeliste, der Uruguayer Pablo Cuevas. Doch Cuevas spielt erfolgreich Doppel, hat ein leichtes Erstrunden-Los in Wimbledon — und die zweite Runde ist erst für das Wochenende angesetzt. Immerhin kann der Kurhaus-Verantwortliche mit so etwas wie familiärem Ersatz rechnen, denn der sechs Jahre jüngere Cuevas-Bruder Martin gehört ebenfalls dem Aachener Kader an und würde dann gegebenenfalls einspringen.

Sorgen bereitet Legsding auch, dass die Liga auf zehn Teams aufgestockt wurde, es nun aber auch zwei Absteiger gibt, das Risiko, ins Unterhaus zu müssen, sich also deutlich vergrößert hat. „Ein Fünftel aller Mannschaften steigt ab. Und es hat Jahre gegeben, als der Vorletzte sechs Punkte auf dem Konto hatte, also drei von neun Partien gewonnen hatte“, hat Legsding im Archiv der Liga geblättert.

„Für uns geht es von Anfang an um alles“, nimmt der TK Kurhaus das Kräftemessen mit dem Vorjahresaufsteiger keinesfalls auf die leichte Schulter. Im Gegenteil: Ein Sieg zum Auftakt würde die zu erfüllende Aufgabe sicher ein gutes Stück erleichtern.