Eschweiler: Synchronschwimmerinnen: „Unser Element ist auf jeden Fall Wasser“

Eschweiler : Synchronschwimmerinnen: „Unser Element ist auf jeden Fall Wasser“

Mit einem Küchenmesser hämmert Lea von Meer gegen den Beckenrand. Acht Schläge aufs schallende Metall. Auf diese Weise gibt die Trainerin ihren Synchronschwimmerinnen den Takt an. Auf das erste Klopfen schießen Luisa Cordes und Nina Löhmann aus dem Wasser hinaus, auf drei strecken sie ihre Arme, auf fünf lassen sie sich nach links ins Wasser fallen und dann tauchen sie wieder unter.

Die beiden Athletinnen der Wasserfreunde „Delphin“ Eschweiler sind längst ein eingespieltes Team. Seit einigen Jahren trainieren die Freundinnen zusammen und nehmen an Wettkämpfen teil. Zuletzt gewannen sie die NRW-Meisterschaften sowohl im Duett als auch in der Gruppe.

Im Hallenbad Eschweiler trainieren Luisa und Nina drei Mal in der Woche: Konditionstraining, Gymnastik, Pflichtübungen oder Kür — so wie auch an diesem Abend. Die Musik wird auf volle Lautstärke aufgedreht, denn unter Wasser kommen die Töne deutlich leiser und dumpfer an. Während bei Einzelübungen die Trainerin fleißig den Takt klopft, können sich Luisa und Nina jetzt voll und ganz auf die Musik konzentrieren.

Das Lied „Ain‘t no other man“ von Christina Aguilera und die Choreographie ihrer Kür haben sie selbst ausgewählt. „Keine leichte Entscheidung“ sagt Nina. Denn eine Kür wird immer für zwei Jahre festgelegt. Dennoch ist der 16-Jährigen die freie Kür lieber als die technische, die nur aus Pflichtübungen besteht. „Bei der freien Kür kann man kreativ werden und eigene Ideen umsetzen.“

Am Ende bewerten dann die Kampfrichter die Choreographie und, ob die Musik zu den Bewegungen passt. Das fällt dann unter den künstlerischen Eindruck, den sogenannten B-Wert. Dabei wird die Interpretation, der Ausdruck, die Mimik und die Synchronität bewertet. Beim A-Wert, der technischen Bewertung, fällt der Blick unter anderem auf die Ausführung, die Höhe und Schnelligkeit. Ab 2018 soll außerdem ein C-Wert eingeführt werden, mit dem der Schwierigkeitsgrad der Kürelemente bewertet wird.

Das ganze Jahr trainieren die Mädels auf die Wettkämpfe hin: Dann können sich Nina und Luisa beweisen. 2018 wollen sie bei den Deutschen Meisterschaften einen Platz in der Top 10 erzielen. Zusätzliches Training in den Wettkampfphasen nehmen sie dafür in Kauf: „Das Training ist dann richtig hart“, sagt Nina. Luisa stimmt ihr zu: „Man muss viel leisten, aber auch viel Kritik einstecken, das ist anstrengend.“

In dieser Phase wird dann vor allem das Ausdauertraining verstärkt. Daher gilt Schwimmen als Grundlage für jeden Synchronschwimmer: „Man muss sehr lange unter Wasser ohne Luft auskommen und dabei noch kraftvolle Bewegungen ausführen“, erklärt Nina. Doch nicht nur Kraft und Ausdauer sind wichtig, um in diesem Sport erfolgreich zu sein — man muss viele Bereiche trainieren. Beweglichkeit, Dehnbarkeit , Athletik — all das ist nötig, um Schrauben, Drehungen und andere Figuren zu schwimmen. Insbesondere Taktgefühl gehört zu den Fähigkeiten eines Synchronschwimmers. „Wenn die Musik sehr schnell ist, muss man sich sehr darauf konzentrieren, im Takt zu bleiben“, beschreibt Luisa die Herausforderung.

Nicht zuletzt muss aber auch der Teamgeist stimmen: Der ist bei den Wasserfreunden „Delphin“ Eschweiler schon in den jüngsten Altersklassen gefordert. Die Mädels-Mannschaft der Altersklasse 2003 bis 2005 übt fleißig an seiner Synchronität. Mit fünf Schwimmerinnen gar nicht so einfach. Denn wenn einer in der Gruppe langsamer ist als die anderen, ist es nicht möglich, dabei nicht die Synchronität zu verlieren. „Zu zweit kann man sich da gegenseitig schon mal helfen“, erklären die jungen Schwimmerinnen.

Doch mehrere Schwimmerinnen in einer Gruppe zu haben, kann auch von Vorteil sein. Denn anders als zu zwei ist es auch möglich, Formationen zu schwimmen, also geometrische Figuren wie Kreise, rauten oder Keile zu bilden. Das habe aber nichts mit dem veralteten „Bilderlegen“ zu tun, das noch in den Anfängen des Synchronschwimmen stattgefunden hat, erklärt Trainerin Lea von Meer, die selbst in der Masters-Gruppe aktiv ist. „Diese Vorstellungen haben leider immer noch viele vom Synchronschwimmen.“ Und so kommt es oft noch vor, das der Sport belächelt wird. Mittlerweile kann aber keine Rede mehr von „Wasserballett“ sein, denn der Fokus liegt auch beim Synchronschwimmen auf der sportlichen Komponente.

Begrenzte Wasserzeiten

Auch für die Schwimmerinnen der Wasserfreunde Delphin Eschweiler ist Anerkennung wichtig. „Synchronschwimmen macht nicht jeder. Das ist etwas Besonderes“, sind sich die Mädels einig, die auch außerhalb des Trainings viel Zeit miteinander verbringen. „Es hängt nicht nur von der Leistung ab, ob Synchronschwimmerinnen gut zusammen harmonieren, sondern auch davon, wie sie sich verstehen“, erklärt die Trainerin. Das merkt man auch bei Nina und Luisa: Sie kennen sich, wissen ganz genau um die Stärken und Schwächen der jeweils anderen. Und das sieht man dann am Ende auch.

„Unser Element ist auf jeden Fall Wasser“, sagen die beiden überzeugt. Sie fühlen sich da, wo sie sind, genau richtig. Am liebsten würden sie sogar noch mehr, doch die Wasserzeiten in der Jahnhalle sind begrenzt. Also versuchen sie, das Beste aus den Gegebenheiten herauszuholen — bisher sehr erfolgreich. Und wenn doch mal etwas nicht klappt, dann klopft Trainerin von Meer einfach noch ein paar Mal mit dem Messer an den Beckenrand. Bis es endlich gelingt.

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