„Knockout“-Gala zum Kampfsport in Aachen: Standortbestimmung und „Endkampf“

„Knockout“-Gala zum Kampfsport in Aachen : Standortbestimmung und „Endkampf“

Mehr als 40 Jahre hat er Kampfsport in Aachen betrieben, Talente zu Kämpfern entwickelt, unzählige Veranstaltungen erlebt und auch organisiert. Aber wenn Frederick Jungheim vom Abend des 24. November spricht, leuchten selbst die Augen des mit allen Wassern gewaschenen Tai-kien-Gründers und -Cheftrainers.

„Knockout“ heißt die Gala in Vaals (19 Uhr, Zera-Obelisk, Prins Willem Alexanderplein 1), die Kampfsportgeschichte der Region mit Aachener Kampfsport-Zukunft verbindet. Frederic Fraikin, Muaythai-Weltmeister und Aachens Sportler des Jahres 2017, zeigt sich in seiner Heimat. Ebenso wie Lukas Achterberg, Europameister, Ehsan Molaei, Aachener Kampftalent mit iranischen Wurzeln und Leo Zulic, Öcher Kampfsportlegende und mehrfacher Weltmeister, der am Samstag auf der Zielgeraden seiner Karriere noch mal in seiner Heimatstadt kämpfen will. Dazu kommt noch neben weiteren attraktiven Paarungen das Duell der Kickbox-Weltmeisterinnen: Atenea Flores (Bujin Gym Rommerskirchen) und Christin Weimer (Bushido Dragons Walldürn).

Für Lokalmatador Freddy Fraikin besitzt der Kampf eine besondere Bedeutung. Das Jahr 2017 lief optimal für den Sportstudenten. Er heimste Titel nach Titel ein und überzeugte damit zum krönenden Abschluss dieser Periode auch noch die Leser unserer Zeitung bei der Wahl zum Sportler des Jahres. „2018 war das genaue Gegenteil“, vergleicht der 25-Jährige. Kein Titel, Pech bei der WM in Mexiko, als ein Nasenbeinbruch ihn stoppte, und einige selbstverschuldete Niederlagen. Negativer Höhepunkt in seinen Augen war der Kampf auf der Enfusions-Gala Ende Oktober in Oberhausen, bei dem ein indisponierter Fraikin seinen Trainer zum Handtuchwurf zwang. „Da habe ich noch nicht mal 50 Prozent meiner Trainingsleistung gezeigt“, ärgert sich Fraikin. Zwar weiß der Aachener, dass es im Sport Auf und Abs gibt. Doch in der Oberhausener Niederlage sieht er mehr. Nicht die körperliche Vorbereitung sei das Problem gewesen, sondern „Schludrigkeit im mentalen Bereich. Ich war nicht genügend auf die neuen Aufgaben fokussiert. Womöglich habe ich mich zu sicher gefühlt nach meinen Erfolgen.“ Fraikin ist aber sicher, daraus gelernt zu haben. Und um das zu demonstrieren, hat sich der Kämpfer gemeinsam mit Tai-kien-Coach Jungheim einen echten Prüfstein ausgesucht: seinen Nationalmannschaftskollegen Jakob Styben, der abgespeckt hat und eine Gewichtsklasse tiefer antritt (bis 86 kg). Der gebürtige Russe ist mehrfacher Deutscher Meister im Muaythai und Kickboxen, holte vier Mal Bronze und drei Mal Silber bei den Europameisterschaften im Muaythai.

Kein „Aufbaukampf“

Konzentriert am Sandsack: Ehsan Molaei. Foto: Wolfgang Birkenstock

Ein Kampf mit hohem Risiko-Potenzial für Fraikin, der aber genau wie sein Trainer „Aufbaukämpfe“ à la Profiboxen ablehnt. Wichtiger ist Jungheim, dass „Freddy so schnell wie möglich wieder aufs Rad steigt“. Die schmerzhafte Niederlage in Oberhausen soll sich nicht festsetzen. Und für Kampf 1 nach der Enttäuschung gibt sein Trainer eine nur scheinbar simple Devise aus: „Es geht nur ums Kämpfen. Und wenn er alles richtig macht, wird er gewinnen.“

Für seinen ehemaligen Meisterschüler Leo Zulic verpflichtete Jungheim den erfahrenen Kämpfer Lennart Blijd vom Sujetong Amsterdam (K1 bis 71 kg). Lukas Achterberg, aufstrebender Kampfsportler aus Alsdorf, bekommt es mit Ali Boutaleb vom Narong Gym in Iserlohn zu tun. Der 21-Jährige wird Ende des Monats für mehrere Monate nach Thailand reisen, um sich im Mutterland des Muaythai sportlich weiterzuentwickeln. Bereits jetzt spricht Frederic Fraikin von seinem Sparringspartner voller Respekt. „Lukas ist extrem explosiv, seine Bewegungen wirken locker, aber er ist ein absoluter Kämpfer, der richtig weh tut.“

Ebenfalls noch jung ist Tai-kien-Fighter Ehsan Molaei. Der Mann aus dem Iran ist ein extrem vielseitiger Kämpfer. Am wohlsten fühlt sich der 22-Jährige am Boden, wenig überraschend, wenn man weiß, dass er ursprünglich Ringer war. Deshalb ist Molaei, der sein Abitur nachholen will, viel im MMA (Mixed Martial Arts) unterwegs, bei denen die Fights meistens parterre entschieden werden.

Doch nach seinem letzten Sieg überzeugte ihn Frederick Jungheim, dass er den finalen Würgegriff am Boden mit Schlägen eingeläutet hatte. Seitdem trainiert der junge Mann, für den Respekt vor dem Gegner zum Credo gehört, mit noch mehr Elan Schläge und Tritte. „Aber letztendlich ist es mir egal: Ich liebe einfach das Kämpfen“, sagt Molaei. „Und das am Samstag in Vaals vor vielen Freunden und meiner Familie zu zeigen, ist einfach klasse.“

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