Leichtathletik: Spitzenvereine gegen Staffelmeisterschaft

Leichtathletik : Spitzenvereine gegen Staffelmeisterschaft

Der Wunsch vieler Staffelläufer, bei den Deutschen Meisterschaften der Männer und Frauen Anfang August im Berliner Olympiastadion antreten zu können, geht nicht in Erfüllung.

„2019 wird nicht der radikale Schnitt kommen“, hatte Dr. Peter Wastl, Präsident des Leichtathletik-Verbandes Nordrhein (LVN), im Vorfeld der Verbandsratssitzung des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) in Leipzig gesagt, bei der es noch einmal um die umstrittene Einführung von Deutschen Staffelmeisterschaften ging. Aber der Schnitt ist doch weitreichend genug, dass er bei den Aachener Leichtathleten für Unmut und Enttäuschung sorgen dürfte. Der Wunsch vieler Staffelläufer, bei den Deutschen Meisterschaften der Männer und Frauen Anfang August im Berliner Olympiastadion antreten zu können, geht nicht in Erfüllung. Der Verbandsrat hat entschieden, dass bei der „großen“ DM keine Staffeln gelaufen werden.

Keine separate Staffel-DM

Eine separate Staffel-DM wird es nicht geben. Alle Staffelwettbewerbe, die bisher bei den Deutschen Meisterschaften der Männer und Frauen ausgetragen wurden, werden bei der U 23-DM am 15. und 16. Juni in Wetzlar gelaufen. Das betrifft die 4 x 100 und 4 x 400 Meter der Männer und Frauen ebenso wie die 4 x 400 und 3 x 800/1000 Meter der U 20. Dafür entfallen die 4 x 100 und 4 x 400 Meter der U 23.

Die Langstaffeln der Männer und Frauen über 3 x 1000 bzw. 3 x 800 Meter bleiben 2019 bei den Deutschen Jugendmeisterschaften der U 20/U 18, ebenso die 4 x 100 Meter der beiden Jugendklassen. Auch bei den Senioren ändert sich zunächst nichts: Die nationalen Meister über 4 x 400, 3 x 800 und 3 x 1000 Meter werden im Rahmen der Deutschen Senioren-Meisterschaften im Wurf-Mehrkampf am 10./11. August in Zella-Mehlis ermittelt.

„Für dieses Jahr haben wir eine Entscheidung getroffen, da es wahrscheinlich nicht anders geht“, sagt Wastl. „In Berlin, in dem Konsortium der zehn deutschen Meisterschaften, sind Staffelmeisterschaften schlichtweg nicht mehr möglich, auch die 4 x 100 Meter nur schwerlich.“

Die Situation in Berlin ist in der Tat eine besondere. Die vereinigten Europameisterschaften des vergangenen Jahres waren das Vorbild: Am 3. und 4. August werden Deutsche Meisterschaften in zehn Sportarten parallel ausgetragen. „Die Leichtathletik ist das Zugpferd“, betont Frank Hamm, beim DLV als Vizepräsident für die Wettkampforganisation verantwortlich. „Die Zeitpläne sind aufeinander abgestimmt.“ Die Leichtathleten suchen im Olympiastadion ihre nationalen Meister. Triathlon, Boxen, Bogenschießen und der Moderne Fünfkampf werden in unmittelbarer Nähe im Olympiapark ausgetragen.

Neuerung beim Zeitplan

Auch beim Zeitplan gibt es Neuerungen. Es soll, wie bei einer EM oder WM, an den beiden Wettkampftagen je zwei Sessions geben, am Vormittag hauptsächlich mit Vorläufen über zwei bis drei Stunden. Da es aber nicht machbar ist, in der zweiten Session am späten Nachmittag und frühen Abend alle technischen Disziplinen unterzubringen, müssen auch am Vormittag einige Entscheidungen fallen.

„Die Finals sind erst einmal eine einmalige Situation“, betont Frank Hamm. Und ergänzt: „Eine Idee des TV.“ Denn das Olympiastadion ist nicht unbedingt die erste Wahl des der DLV, weil es zu groß für eine solche Veranstaltung ist. 20.000 Zuschauer, die an einem guten Tag die „Deutschen“ besuchen, sehen im weiten Rund doch etwas mager aus. Aber es habe „etwas Druck von den TV-Sendern“ gegeben.

Die zweite Entscheidung des Verbandsrates, wie es ab 2020 mit den Staffeln auf nationaler Ebene weitergehen soll, war eher eine Willensbekundung. „Sowohl das Präsidium als auch im Grunde der Verbandsrat wollen den Versuch starten, eine Deutsche Staffelmeisterschaft ins Leben zu rufen“, erläutert Wastl.

Die bisher vermisste Einbindung der Vereine, was zum Beispiel von den Aachener Leichtathletik-Trainerinnen und -Trainern einhellig kritisiert wurde, soll nachgeholt werden. „Wir wollen im Detail mit den Betroffenen besprechen, wie wir das hinkriegen“, sagt Wastl. „Wenn man, und das ist das Ziel des DLV, daraus eine echt interessante Veranstaltung machen möchte, ein Event, dann müssen alle mitspielen.“ Doch der LVN-Präsident sieht auch den Widerstand bei den Spitzenvereinen: „Und wenn die großen Vereine sagen, wir kriegen unsere Spitzenathleten da nicht hin, ist das Ding gestorben.“ Die Entscheidung, ob und wenn ja, in welcher Form, es ab 2020 eine Staffel-DM geben wird, soll beim nächsten DLV-Verbandsrat Anfang August in Berlin fallen.

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