„Rund um Dom und Rathaus“: Daniel Auer gewinnt die 43. Auflage

Aachen : Daniel Auer gewinnt die 43. Auflage des Aachener Radklassikers

Kurz nach dem Rennen konnte Christoph Schweizer schon wieder lachen. Der Aachener Rennfahrer vom Team Sauerland hatte im Finale des Kriteriums „Rund um Dom und Rathaus“, das der RC Zugvogel 09 Aachen zum 43. Mal veranstaltete, den Anschluss der Verfolgergruppe des Führenden und Siegers Daniel Auer vom österreichischen Continental-Team WSA Pushbikers verloren.

„Ich habe schon nach einem Drittel des Rennens zu viele Körner gelassen. Das war der Ursprung dafür, dass mir am Ende die Kraft fehlte und ich abreißen lassen musste.“ Früh schon hatte Schweizer das Fahrerfeld von der „Pole Position“ wieder an drei Ausreißer herangeführt, dann selber mehrmals attackiert, was ihn offenbar bei brütender Hitze am Ende zu viel Substanz gekostet hatte. Schmunzelnd diktierte Schweizer: „Das Aachener Kopfsteinpflaster war heute nicht mein Freund.“

Nach 65 der 80 Runden auf dem selektiven Kurs in der Aachener Altstadt konterte Sieger Daniel Auer aus Graz bei seiner dritten Teilnahme an dem Aachener Klassiker eine Attacke von Alexander Nordhoff (Team Kern-Kaus) mit so hoher Geschwindigkeit, dass er die Chance nutzte, einen so komfortablen Vorsprung herauszufahren, dass er seine Verfolger und seine Verfolger ihn aus dem Blick verloren. Auer sah seine Chance, zog durch und fuhr als Solist nach 1:57:30 Stunden jubelnd, die Arme in den Himmel reckend und unter dem Beifall einer großen Zuschauerschar, über die Ziellinie. Zweiter und Dritter wurden wenige Sekunden später Dominik Merseburg und Robin Fischer (beide Team Erdinger-Alkoholfrei).

Das Rennen war dank eines starken Teilnehmerfeldes aus gut 50 KT- und AB-Fahrern geprägt von zahlreichen Ausreißversuchen. Doch keine Gruppe konnte sich einen wirklich großen Vorsprung erarbeiten, weil die Verfolger lange aufmerksam blieben. Immer wieder ergriffen einzelne Rennfahrer aus der zweiten Gruppe die Initiative, legten ein paar Körner zu und konterten erfolgreich, ehe Auer 15 Runde vor Schluss dann doch die entscheidende Attacke setzte. Es waren Fahrer wie eben Schweizer oder Dominik Klemme aus dem Stevens Racing Team und Alexander Weifenbach vom Team Kern-Haus, der Aachen-Sieger von 2016, die das Feld immer wieder an einzelne oder mehrere Ausreißer heranführten.

Homrighausen nicht dabei

An der Jagd auf dem Kopfsteinpflaster konnte sich Vorjahressieger Heiko Homrighausen, der sicher gute Chancen auf den Sieg gehabt hätte, nicht beteiligen. Er musste seine Teilnahme kurzfristig wegen einer Viruserkrankung absagen, war schon Freitagabend nicht nach Heerlen angereist, wo er zum Kriterium „RaboRonde“ unter anderem gegen den Tour-Zweiten Tom Dumoulin antreten sollte. Dumoulin gewann dieses Rennen.

In Aachen freute sich am Abend danach Auer: „Als ich Nordhoffs Attacke erfolgreich gekontert und gesehen habe, dass ich wegkomme, habe ich gedacht: Alles oder Nichts.“ Es reichte für den 23-jährigen Grazer. „Ein schweres Kriterium — wegen der starken Konkurrenz und wegen des Kopfsteinpflasters“, sagte der Sieger. „Ich bin von Hause aus ja Sprinter. So ein Soloritt liegt mir eigentlich nicht im Blut. Aber diese grandiose Atmosphäre an der Strecke hat mich getragen.“

Der neue Zugvogel-Chef Holger Sievers durfte mit dem Ablauf der Veranstaltung und des Rennens ohne Zwischenfälle zufrieden sein. Er war es auch: „Ich bin überglücklich“, sagte er. „Es war eine großartige Veranstaltung und ein irres Rennen; viel spannender geht es nicht. Wir hatten ein hochklassiges Starterfeld und eine tolle Kulisse. Diese Atmosphäre in der Aachener Altstadt ist ein Alleinstellungsmerkmal in ganz Nordrhein-Westfalen.“ Zum Sieger sagte er: „Auer hat gerade die Österreich-Rundfahrt in den Beinen, steht voll im Saft und hat Qualitäten. Er hat gezeigt, dass er ein Rennen von hinten heraus entscheiden kann. Den Konter hat er großartig gesetzt.“

Sievers Vorgänger im Amt des Zugvogel-Präsidenten, Guido Diefenthal, nahm es kopfnickend und ebenfalls zufrieden zur Kenntnis, verabschiedete sich dann schnell aus der Gesprächsrunde: „Ich muss helfen, die Absperrungen zu entfernen . . .“