Eschweiler: Robinfoot: Erfolgreiches Sponsorenkonzept für kleine Clubs

Eschweiler: Robinfoot: Erfolgreiches Sponsorenkonzept für kleine Clubs

Neulich war es wieder so weit. Ein Dienstagabend, 20.45 Uhr. Champions League: Real Madrid gegen Paris St. Germain. Ronaldo gegen Cavani. Ein Spiel, bei dem millionenschwere Profis auf dem Rasen stehen und eine milliardenschwere Industrie das überhaupt erst ermöglicht. Die Glitzerwelt des Fußballs, wie man sie seit vielen Jahren kennt.

Es geht aber auch ein paar Nummern kleiner — in der Fußball-Bundesliga. Und noch ein paar Stufen darunter: bei Alemannia Aachen in der 4. Liga zum Beispiel.

Da, wo es weh tut: Abseits der Glitzerwelt ist es oft schwierig, Vereine und Sponsoren zusammenzubringen. Die Agentur Robinfoot will das ändern. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Millionen oder gar Milliarden werden dort nicht investiert, aber doch immer noch große Summen. Bei den meisten Amateurfußballvereinen kommt derweil nur wenig bis gar kein Geld an. Meistens von kleinen Geldgebern aus dem Dorf, an große Sponsoren brauchen die Teams aus den unteren Ligen erst gar nicht zu denken. Das soll sich nun ändern, zumindest wenn es nach Philipp Keus und Patrick Oligschläger geht. Die beiden wollen mit ihrer Firma Robinfoot dafür sorgen, dass auch die kleinen Vereine etwas vom großen Kuchen abbekommen.

„Wir führen ein richtiges Start-up-Leben“, sagt Philipp Keus. Rückschläge gehören ebenso dazu wie Geduld. Jeden Tag sitzen die beiden in ihrem kleinen Büro in Eschweiler. Mit der Stadt verbindet sie ansonsten nichts, das Büro war eben frei. Philipp Keus (33 Jahre alt) ist Walheimer durch und durch, hat immer nur für die Hertha gekickt. Selbst, als es ihn beruflich nach Stuttgart und Frankfurt verschlug, brachte er es nicht übers Herz, seinen Spielerpass aus Walheim anzufordern. Patrick Oligschläger (31) stammt aus Jülich hat zuletzt die „Erste“ der DJK Gillrath trainiert.

Kennengelernt haben sich die beiden über einen gemeinsamen Kumpel — und gleich festgestellt, dass sie auf einer Wellenlänge liegen. Zudem haben beide nach ihrem BWL-Studium in der Sportvermarktung und Beratung gesehen, wie Marketing- und Budgetentscheidungen in Unternehmen getroffen werden.

Seit Juli 2017 gibt es die Firma Robinfoot, deren Name nicht ganz zufällig an Robin Hood erinnert. Der hat ja bekanntlich die Reichen um Geld erleichtert, um es den Armen zukommen zu lassen. In den ersten Monaten musste zunächst ein Vereinsnetz aufgebaut werden, um überhaupt an die Werbepartner herantreten zu können. Die ersten Vereine, die sich bei Robinfoot anmeldeten, waren Germania Bauchem und die Namenscousine aus Lich-Steinstraß. Das war am 4. Juli des vergangenen Jahres.

Mehr als 200 weitere sind inzwischen hinzugekommen. Viele aus der Städteregion und der näheren Umgebung, aber auch Vereine wie der Turnerbund 1906 Witterschlick (Gemeinde Alfter im Rhein-Sieg-Kreis) und die Sportfreunde DJK Bonzel (Kreis Olpe).

„NRW ist unser wichtigster Markt“, erklären die beiden. Einer Erweiterung wollen sie sich jedoch keinesfalls verschließen. Noch in diesem Monat folgt die Expansion nach Hessen und Rheinland-Pfalz, weitere Bundesländer sollen zeitnah folgen.

„Beweisfoto“ für die Sponsoren

Aber wie funktioniert Robinfoot überhaupt? „Unternehmen wollen mindestens 100 bis 200 Vereine erreichen“, erklärt Patrick Oligschläger. Ein einzelner Verein sei daher nicht attraktiv für größere und große Unternehmen. Viele hingegen schon. Und so schalten sich Keus und Oligschläger nun dazwischen, vermitteln viele Vereine an die Unternehmen.

Für die Vereine ist das Ganze kostenlos. Sie melden sich bei Robinfoot an — und warten. Ohne Risiko, wie die Robinfoot-Macher betonen: „Das Schlimmste, was einem Verein passieren kann, ist, dass gar nichts passiert.“ Pro Werbemittel zahlt Robinfoot den Vereinen 150 Euro pro Jahr. Ziel ist, vier bis fünf Werbemittel pro Verein zu vermitteln.

Neben der klassischen Bande gibt es weitere Möglichkeiten: Fußbodenwerbung etwa und Türsticker. Zwar befinden sich auch Landesligisten unter den angemeldeten Vereinen, die Zielgruppe sei aber im Grunde die Kreisliga D bis zur Bezirksliga. Sind Sponsoren für Vereine an Land gezogen, verschicken Keus und Oligschläger die Werbemittel an die Vereine. Im Gegenzug schicken diese ein „Beweisfoto“ zurück an Robinfoot, wenn die Werbung installiert ist. Hin und wieder suchen die Robinfoot-Macher die Plätze der Vereine auch auf und kontrollieren stichprobenartig.

Natürlich verdienen die Firmeninhaber auch daran. Wie viel, das verraten sie nicht. Zwei Prozent jeder Abschlussgebühr gehen derweil an Hilfsprojekte, die im Zusammenhang mit Fußball stehen. Anfang dieses Jahres konnte auch der erste „Big Player“ an Land gezogen werden, ein britischer Hersteller von Rasierklingen, Essbesteck und Gartengeräten. Weitere große Deals seien bereits in der Mache. Philipp Keus und Patrick Oligschläger sagen, dass sie ihr Hobby zum Beruf gemacht haben. So wie auch etliche Kicker in der Glitzerwelt des Fußballs. Aber irgendwie dann auch doch wieder ganz anders.

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