Düren: Powervolleys vor den Playoffs: „In der Not enger zusammengerückt“

Düren : Powervolleys vor den Playoffs: „In der Not enger zusammengerückt“

Für die Dürener Powervolleys beginnen am Mittwochabend, 19 Uhr, vor eigenem Publikum die Play-off-Viertelfinals. Gegner sind die Alpenvolleys Unterhaching. Zum Rückspiel reisen die Powervolleys am Ostersonntag nach Innsbruck, wo Unterhaching seine Heimspiele austrägt. Vor dem ersten Ballwechsel sprachen Guido Jansen und Roman Sobierajski mit Stefan Falter, dem Trainer des Bundesligisten.

Herr Falter, darf man gratulieren? Ihr Team ist äußerst knapp Vierter geworden. Ansonsten hätten Sie und Ihre Mannschaft gestern um sechs Uhr morgens den Bus Richtung Innsbruck besteigen müssen.

Kurzfristiger Ersatz war nicht verfügbar: Dürens Trainer Stefan Falter musste den jungen Spielern vertrauen. Foto: Michael Jaspers

Stefan Falter: Es war ein ganz dickes Brett, die dafür notwendigen beiden Sätze in Herrsching zu gewinnen, das wussten wir vorher. Alle Konkurrenten sind in der kleinen Halle dort gestrauchelt. Aber dass Unterhaching im Gegensatz zur ursprünglichen Vereinbarung nun doch die Play-offs in Innsbruck austragen darf, bedeutet in meinen Augen, dass die Liga nicht glaubwürdig ist und schwankt.

Die Alpenvolleys sagen, Düren sei ihr Lieblingsgegner in den Play-offs. Sind diese Aussagen Kriegsgeheul, bevor der Kampf losgeht?

Falter: Ein anderer Gegner als wir war für Unterhaching ja nicht mehr möglich. In der Hauptrunde haben sie auch zwei Mal mit 3:2 gegen uns gewonnen. Sollten wir zu den Play-offs komplett sein, werden das andere Spiele.

Apropos komplett. Wie steht es denn gesundheitlich um die beiden Dürener Außenangreifer Romans Sauss und Dirk Westphal?

Falter: Romans wird nicht antreten können. Wir hatten ihn sehr behutsam wieder aufgebaut, er hatte wieder Wind in den Segeln. Aber seine Wade hat sich nach dem Muskelriss drei Tage vor dem Spiel in Herrsching wieder gemeldet. Das macht den Athleten nicht sicherer. Dirk hat anatomisch und mental zwar keine Probleme, Bälle mit der Hand annehmen zu müssen, in der er sich den Splitterbruch im Daumen zugezogen hat. Aber er hat fast drei Monate ausgesetzt. Das ist eine Hausnummer für einen Leistungssportler. Er ist mit seiner Schlaghand im Training geblieben, aber den Druck in der Annahme hochzuhalten, ist ein Problem. Dirk kann zumindest eine Alternative sein, wenn es bei einem unserer jungen Angreifer Karli Allik und Julius Firkal nicht laufen sollte. Zusammen sind die beiden 41 Jahre alt. Da fehlt es einfach an Erfahrung und Cleverness.

Obwohl Düren wochenlang ohne seine Topangreifer auskommen musste, stand am Ende der Hauptrunde Platz vier. Was wäre sonst nach oben noch dringewesen?

Falter: Genau in der wichtigen Saisonphase mit den Spielen gegen Lüneburg, Frankfurt und die Alpenvolleys konnten wir nicht die komplette Kapelle bringen. Das hat mich mächtig geärgert. Natürlich haben wir uns gefragt, ob wir kurzfristig noch Ersatz verpflichten können. Wir haben den Markt sorgfältig geprüft, aber keinen gefunden, der uns sofort weiterhilft, preislich darstellbar ist und das Mannschaftsgefüge nicht durcheinanderbringt. Ich wollte keinen Emotionsbolzen aus Südamerika. Die Mannschaft war emotional sehr schön im Gleichgewicht. So haben wir uns entschlossen, das Problem mit den jungen Spielern anzugehen und haben das dem Team kommuniziert. Das ist in der Not enger zusammengerückt. Aber Platz drei wäre für mein Team schon dringewesen. Wir waren bis zu den Verletzungen nahe dran an Frankfurt und hatten auch Berlin in Reichweite, bis dort Stelian Moculescu als Trainer verpflichtet wurde.

Sie sagten, die Mannschaft sei enger zusammengerückt. Kann man das nicht als positiven Aspekt der Verletzungsmisere betrachten?

Falter: Der Laden hätte auch auseinanderfliegen können. Aber die etablierten Spieler wie Jaromir Zachrich, Michael Andrei und Stijn D‘Hulst haben schon dafür gesorgt, dass die Disziplin in der Mannschaft gewahrt bleibt. Wir haben hervorragende Schnellangreifer, einen tollen Zuspieler. Aber das komplette Spiel hängt von der ersten Annahme ab. Unser Diagonalangreifer Marvin Prolingheuer ist noch ein gutes Stück besser geworden, weil die ganze Verantwortung in schwierigen Situationen auf ihm lastete.

Dürens Zuspieler D‘Hulst fällt mit seiner Größe von 1,87 Meter etwas ab. Bedeutet das ein Loch im Abwehrriegel?

Falter: Das tut es, aber das akzeptieren wir. Wir versuchen andere Lösungen in der Abwehr zu finden und von den fünf Punkten, die wir durch die fehlende Körpergröße hinnehmen müssen, kompensiert Stijn drei durch seine guten Float-Aufschläge. Dazu kommen sein präzises und variables Spiel und seine akribische Einstellung.

Der Hauptrundenerste erscheint unschlagbar . . .

Falter: Friedrichshafen hat in der Bundesliga kein Spiel verloren, in der Champions League auch nicht. Der VfB hat sämtliche Eigenfehler aus seinem Spiel eliminiert, das ist sehr beeindruckend. Als Gegner muss man ihrem Druck Tribut zollen und wird zu Fehlern gezwungen. Es ist sehr schwer, dagegen ein Rezept zu finden.

Sie haben Frauen- und Männer-Teams trainiert. Worin sehen Sie die Unterschiede?

Falter: Bei den Frauen geht die Annahme schnell auf die Zuspielerin. Dort wird das Spiel in der Regel dann etwas langsamer. Bei den Männern kommen die Annahmen höher, dafür ist das Zuspiel auf die Außenpositionen viel schneller, in der Regel nur 1,4 Sekunden. Natürlich ist bei den Männern die Angriffshärte wesentlich höher, da gibt es kaum längere Ballwechsel, weil es die Reaktionszeit nicht mehr hergibt. Die Zahl der Netzüberquerungen pro Ballwechsel liegt bei nur 1,5. Nicht jeder Ball kommt noch einmal zurück.

Wo sehen Sie Frauen-Volleyball im Vorteil?

Falter: Der Aufschlag bei den Frauen ist sehr gefährlich, oft ein Attackieren der Netzkante. Den möchte ich als Mann nicht annehmen müssen. Man nimmt aber auch wahr, dass bei den Männern die Sprungaufschläge mit viel Spin aus der Mode kommen und der Float-Aufschlag immer mehr bevorzugt wird. Frauen sind auch nicht mental schwächer. Und ich muss sagen, als ich die Ladies in Black gegen Wiesbaden gesehen habe, war ich auch von der Größe der Spielerinnen beeindruckt. Die Darbietung hat mich geflasht: schöner Volleyball, starke Aufschläge, totale Attacke. Generell liegt die Weiterentwicklung in der Präzision, nicht in der Gewalt.

Können Sie die Entwicklungen im Männer-Volleyball in den letzten Jahren beschreiben?

Falter: Der Zweier-Annahmeriegel wird immer häufiger gespielt, weil die Sprungaufschläge verschwinden. Die Abwehrposition des Liberos verschiebt sich vom Zentrum weiter zur Außenlinie hin. In vielen Situationen springt der Schnellangreifer vom Zuspieler weg und nicht mehr senkrecht hoch. Wir in Düren haben Michael Andrei in unseren Reihen, der vom Basketball kommt. Dunking im Basketball ist von der Schrittfolge her derselbe Bewegungsablauf wie der einbeinige Angriff bei den Frauen. Deshalb haben wir diese Variante im Repertoire. Aber das funktioniert nur mit unserem luxemburgischen Zuspieler Gilles Braas. Stijn D‘Hulst ist von der Variante nicht sonderlich überzeugt.

Wollen Sie dem Gegner im Vorfeld alle Geheimnisse offenbaren?

Falter: Das weiß der Gegner doch bereits schon alles.

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