Aachen: Nur das Sahnehäubchen fehlt dem TK Kurhaus

Aachen: Nur das Sahnehäubchen fehlt dem TK Kurhaus

Als der letzte Ballwechsel gespielt war, atmete Teamchef Alex Legsding kräftig durch. Tennis-Bundesligist TK Kurhaus Aachen hatte sich gerade 3:3 vom großen Favoriten Blau-Weiß Krefeld getrennt, und doch fühlte sich das Remis nicht wie ein Punktgewinn an. Sekunden zuvor hatten Philipp Petzschner und Philipp Oswald nämlich im Champions Tiebreak die große Chance verpasst, aus einem Zähler zwei zu machen.

„Wir waren dem Sieg sehr nah“, bedauerte Legsding. „Mit dem Unentschieden können wir trotzdem sehr zufrieden sein.“

Noch vor dem ersten Ballwechsel gab es die erste Überraschung. „Wir haben damit gerechnet, dass Jürgen Melzer im vierten Einzel gegen seinen alten Doppelpartner Petzschner spielt“, sagte Legsding. Da der lange verletzte Österreicher aber eine abgesicherte Ranglistenposition hat, trat er im dritten Einzel gegen Kurhaus-Spieler Nils Langer an.

Melzer machte seine Sache gut, führte schnell mit 5:1, während sein Gegenüber noch seinen Rhythmus suchte. Der Aachener fand ihn im zweiten Satz, ging höheres Risiko und wurde mit einer 5:3-Führung belohnt. Krefelds Routinier behielt aber die Nerven, schaffte das Re-Break und holte im Tiebreak (7:5) den Punkt für die Blau-Weißen. Es war bereits der zweite, da Petzschner gegen den druckvoll aufspielenden Argentinier Carlos Berlocq kein Mittel fand und sich deutlich mit 2:6, 2:6 geschlagen geben musste.

Rund 500 Zuschauer strömten auf den Center Court, um den Leckerbissen des Tages serviert zu bekommen. Und die Begegnung zwischen Pablo Cuevas und Marco Cecchinato hielt, was sie versprach. Das lag vor allem an Cuevas, der nahezu fehlerfrei spielte. Der erste Satz begann mit einem Break und endete mit einem Break (6:3), dazwischen lagen einige spektakuläre Ballwechsel.

Auch im zweiten Durchgang biss sich French-Open-Halbfinalist Cecchinato immer wieder die Zähne am laufstarken Uruguayer aus und versuchte es mit riskanten Stopp-Bällen, die selten zum Erfolg führten. Entnervt beförderte der Italiener einen Ball Richtung Monheimsallee, kurze Zeit später hatte Cuevas den Satz (6:1) und das Spiel gewonnen. In sage und schreibe 49 Minuten. „Ich bin immer ruhig geblieben und habe nur wenig Fehler gemacht“, sagte der Uruguayer.

Als Cuevas den Platz verließ, befand sich sein Teamkollege Guillermo Olaso noch im ersten Satz. Den um 266 Plätze in der Weltrangliste besser platzierten Paolo Lorenzi stellte der Spanier mit aggressiven Vorhandbällen vor Probleme und sicherte sich verdient den ersten Abschnitt (7:5). Im zweiten Satz funktionierte dann alles, Olasos Selbstvertrauen wuchs mit jedem Schlag, und er deklassierte den Italiener mit 6:0. Und so Stand es 2:2 nach den Einzeln — das Undenkbare, ein Sieg gegen den großen Favoriten, erschien wieder möglich.

Zumal das Lambertz-Team mit Doppelspezialist Oswald noch ein Ass im Ärmel hatte. Nachdem Langer/Cuevas gegen Cecchinato/Lorenzi vorgelegt hatten (6:4, 6:2), wollten Petzschner/Oswald die Überraschung perfekt machen. Im ersten Satz vergaben die Aachener zwei Satzbälle und mussten sich im Tiebreak geschlagen geben (4:7). Nachdem Petzschner/Oswald in Abschnitt zwei ein 0:2 umgebogen hatten (4:2), kochten die Emotionen über. Am Ende hatten die Kurhaus-Akteure den Champions Tie-Break erzwungen (6:4). Wie schon in der Vorwoche, als Aachen vier Mal im Entscheidungssatz verlor, endete der mit einer Niederlage, doch das konnte am Fazit von Kurhaus-Trainer Dominik Meffert nichts ändern.

„Hätte mir heute morgen jemand gesagt, dass wir 3:3 spielen, ich hätte dieses Ergebnis mit Kusshand genommen. Wir können am Sonntag mit breiter Brust im Rochusclub in Düsseldorf auftreten.“