Nico Beckers aus Aachen holt sich bei DM Bronze im Mehrkampf

Deutsche Mehrkampf-Meisterschaften : Fast ohne Training Bronze erkämpft

Der Aachener Nico Beckers sichert sich bei der Deutschen Meisterschaft mit 7317 Punkten den dritten Platz im Zehnkampf und feiert damit einen Erfolg, mit dem er in diesem Jahr nicht unbedingt gerechnet hat.

In dieser Sommersaison hat Nico Beckers erst einen Wettkampf absolviert. Anfang Mai einen Zehnkampf in Rhede, der nur ein Neunkampf war. Danach verhinderte eine Verletzung – ein Knochenödem – im Sprunggelenk des linken Fußes im wesentlichen jegliche sportliche Aktivität. „Ich war eigentlich durch mit diesem Jahr“, sagt der Vielseitigkeitstathlet der Aachener TG. Doch nach gerade einmal zwei Wochen Training startete er bei den Deutschen Mehrkampf-Meisterschaften in Bietigheim-Bissingen. „Dafür ist eine ordentliche Leistung herausgekommen“, freut sich Beckers. Mit 7317 Punkten holte er Bronze.

Das sei schon kurios. Anfang Juli habe er noch nicht daran gedacht, bei der DM zu starten. „Ich habe versucht, den Fuß zu belasten“, erzählt der Bundespolizist. Das klappte. Es folgte eine zweiwöchige Vorbereitung mit seiner Trainerin Christiane Wolff und ein letzter Check beim Physiotherapeuten zwei Tage vor dem Wettkampf, der „grünes Licht“ gab. Die Zehnkampf-Norm für die DM hatte Nico Beckers beim Neunkampf in Rhede erfüllt. Ohne den Stabhochsprung war er auf 6899 Punkte gekommen.

„Ich wollte verletzungsfrei durchkommen, das war oberste Priorität“, sagt er. Eine Zielsetzung, die in Punkten oder Leistungen auszudrücken wäre, hatte er nicht. Dass alles gehalten hat, sei eine „Unterschrift für meinen Fuß“. Unverändert geblieben ist Beckers sehr starker erster Tag: 11,13 Sekunden über 100 Meter, 7,01 Meter im Weitsprung, 14,83 Meter mit der Kugel, zwei Meter im Hochsprung und glatte 50 Sekunden über 400 Meter summierten sich zu 4045 Punkten, womit er zur Halbzeit an der Spitze der Männer-Konkurrenz stand.

Die beiden Sprünge überraschten. Den Weitsprung absolvierte er „sicherheitshalber“ mit dem falschen, dem rechten Bein. „Damit sieben Meter zu springen, war mega“, freut

sich Beckers. Den Hochsprung ging er mit kurzem Anlauf an. Mit zwei Metern habe er nicht gerechnet.

Deutlich schwächerer zweiter Tag

Geblieben ist aber auch der deutlich schwächere zweite Tag in seinem Zehnkampf. Nach 15,20 Sekunden über 110 Meter Hürden, 40,36 Meter mit dem Diskus und vier Meter mit dem Stab führte er das Feld weiter an. Den Stabhochsprung habe er nur einmal in diesem Jahr trainieren können, beim Speerwurf sah es kaum besser aus. „Ich wusste, da gehen richtig Punkte flöten“, sagt Beckers. Nach den 43,63 Meter mit dem Speer lag er auf Platz zwei, nach den abschließenden 1500 Meter in 4:42,77 Minuten auf Rang drei.

Wie üblich waren die besten deutschen Zehnkämpfer bei der DM nicht dabei. Die Top-Drei starten in sieben Wochen bei der WM in Doha, die Nächstbesten, darunter auch Beckers Vereinskollege Jannis Wolff, treten Mitte September beim Thorpe-Cup in Bernhausen an. Wolff steht mit 7527 Punkten auf Platz zehn der deutschen Bestenliste, Beckers ist mit seinen 7317 Zählern 16. – quasi ohne Training.

Silas Kriete (ATG) steigerte sich bei seiner ersten DM auf 6272 Punkte, was ihm in der U 23 Platz fünf einbrachte. Kriete gehört wie Wolff oder auch Jan Kurr zur „tollen Trainingsgruppe“ in Aachen, an der Beckers bald wieder mehr teilhaben kann.

Ab hat der Bundespolizist eine neue Aufgabe als Sportausbilder in Swisttal. Damit hat die zeitraubende und anstrengende Pendelei zwischen Aachen und seinem bisherigen Dienstort Frankfurt erst einmal ebenso ein Ende wie der mit dem Leistungssport kaum unter einen Hut zu bringenden Schichtdienst.

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