Mountainbiker Leon Kaiser landet bei der EM auf dem vierten Platz

Radsport : Viele Etappen auf dem Weg zum großen Ziel

Der Auftakt war vielversprechend. Bei den Mountainbike-Europameisterschaften im tschechischen Brünn landete Leon Kaiser mit der deutschen Mannschaft auf Platz vier.

Der Aachener Maschinenbaustudent war von Bundestrainer Peter Schaupp für den Team-Wettbewerb, der traditionell die Wettkämpfe eröffnet, nominiert worden. Der U 23-Fahrer drehte als Erster seine Runde auf der neu gebauten Strecke an den Hängen des Stadtwaldparks und übergab in aussichtsreicher Position an Elite-Fahrerin Elisabeth Brandau; am Ende war das deutsche Quintett knapp an den Medaillenrängen vorbeigeschrammt. „Es hat nicht viel gefehlt“, bedauerte Kaiser.

Dass sich der 19-Jährige aktuell in einer ordentlichen Verfassung befindet, wollte er auch beim EM-Rennen der U 23-Klasse am Sonntag unter Beweis stellen. Die ersten fünf von insgesamt sieben Runden lief noch alles nach Plan, Kaiser lag auf einem starken 23. Platz. „Ich habe mich gut gefühlt – und hatte Kontakt zu den Top 20.“ Ein abgerissenes Schaltwerk sorgte jedoch dafür, dass der Aachener das Rennen nicht beenden konnte. „Das kann immer passieren. Der Bundestrainer hat mich danach ein bisschen aufgebaut.“

Viel Zeit zum Trauern bleibt Kaiser ohnehin nicht: Bereits am Donnerstag machte sich das Nachwuchstalent auf den Weg nach Italien, in Val di Sole findet am Wochenende das nächste Weltcuprennen statt.

Und eine Woche später trägt der 19-Jährige einen Wettkampf in Lenzerheide aus. Auf der Strecke, auf der er 2018 seinen bisher größten Erfolg feierte: In der Schweiz sicherte sich der damalige deutsche Juniorenmeister zuerst die Silbermedaille mit dem Team, dann wurde er Vize-Weltmeister im Einzelrennen der U 19. „Ich hoffe, dass ich bei beiden Weltcups meine Leistung abrufen kann und mir so das Ticket für die Weltmeisterschaft sichere“, sagt Kaiser, der in dieser Saison erstmalig als U 23-Fahrer bei der WM starten möchte. Die wird vom 28. August bis 1. September im kanadischen Mont Sainte Anne ausgetragen.

Lenzerheide, Brünn oder Mont Sainte Anne sollen allerdings nur Zwischenetappen auf dem Weg zu Kaisers großem Ziel sein: an Olympischen Spielen teilzunehmen. „Das wäre ein Traum“, sagt der gebürtige Monheimer, der im Juniorenbereich schon einige nationale Titel und internationale Medaillen eingefahren hat. „Die Olympischen Spiele 2020 in Tokio kommen aber noch zu früh.“ Vier Jahre später finden die olympischen Wettkämpfe in Paris statt, „bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg“. Kaiser möchte sich zunächst als U 23-Fahrer etablieren, aktuell peilt er die Top 25 bei Weltcuprennen an. Und Schritt für Schritt soll es noch weiter nach vorne gehen. Sein Motto auf dem Weg zum Profi klingt ziemlich pragmatisch: Wenn du denkst, du kannst nicht mehr, höre auf zu denken!

Dass es ihn im vergangenen Jahr nach Aachen verschlagen hat, ist aus doppelter Sicht praktisch: An der RWTH Aachen kann er seinem Maschinenbau-Studium nachgehen und in seiner Freizeit anspruchsvolle Strecken abfahren. „Die Trainingsmöglichkeiten in der Region sind sehr gut“, sagt Kaiser denn auch. Allerdings räumt er ein, dass Sport und Studium nicht leicht miteinander zu vereinbaren sind. „Ich werde nicht in Regelstudienzeit abschließen.“

Der junge Fahrer des Bulls Racing Team kommt aus einer radsportbegeisterten Familie: Auch seine Zwillingsschwester und sein drei Jahre jüngerer Bruder sind erfolgreich auf dem Mountainbike unterwegs. „Ich bin gespannt, wie weit ich noch komme“, sagt Kaiser. Die nächste Zwischenetappe findet in Val di Sole statt.

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