Aachener Kampfsportlegende Leo Zulic: „Mein größter Erfolg: Ich habe Ania kennengelernt“

Aachener Kampfsportlegende Leo Zulic : „Mein größter Erfolg: Ich habe Ania kennengelernt“

Nö, Lust auf Interviews hat er immer noch nicht. Aber vielleicht ist es Altersweisheit, die Leo Zulic über diesen Schatten springen lässt. Womöglich liegt es auch an der Besonderheit dieses Kampfes in Vaals.

Es könnte der letzte des mehrfachen Weltmeisters und überzeugten Aacheners sein. Der 32-Jährige gibt sich die Ehre eines Gesprächs mit Bernd Schneiders im festen Wissen, dass „ich eine Stunde rede statt zu trainieren, und dann doch nur drei Sätze in der Zeitung stehen“. Es darf (an)gezählt werden . . .

Leo Zulic war früher der Löwe aus Aachen. Heute sind Sie

Leo Zulic: . . . Leo, der Papa!

Aber ich rede von Leo, dem Phantom aus Aachen. Der Kämpfer, der in seiner Heimatstadt im Ring gar nicht mehr zu sehen war.

Zulic: Das liegt einzig daran, dass ich in den letzten Jahren für Düsseldorf angetreten bin. Und ich habe überwiegend im MMA gekämpft, was in Aachen relativ mau verankert ist. Deshalb habe ich damals gemeinsam mit Ania (Anm. der Redaktion: Fucz, inzwischen Zulic’ Ehefrau) den Schritt Richtung Düsseldorf gemacht, da der UFD das führende Gym im MMA ist. Und wenn man es irgendwie schaffen will hochzukommen, dann geht das nur über Connections wie sie eben die Düsseldorfer haben. Aber seit meinem letzten Fight habe ich den UFD verlassen. Ich bin Papa geworden und habe eigentlich meine Karriere beendet.

Sieht aber nicht so aus . . .

Zulic: Eigentlich, aber so ein Kampf wie in Vaals ist natürlich was Besonderes. Und das Kämpfer-Gen in mir lebt noch. Wahrscheinlich ewig. Deshalb habe ich zugesagt und freue mich riesig auf den Abend.

Hat Ihre Entscheidung nur der neue Status als Papa beeinflusst?

Zulic: Es waren mehrere Gründe. Einmal die Rolle als Papa. Aber auch körperlich fühle ich natürlich all die Verletzungen und Belastungen. Und ich habe immer gesagt, wenn der Tag X kommt und ich Papa werde, lebe ich nur noch für mein Kind – und das ist jetzt mein Sohn Luan – und meine Familie. Der dritte Punkt ist die Tatsache, dass man von diesem Sport einfach nicht leben kann.

Stellt für Sie diese schlechte Bezahlung auch eine Geringschätzung Ihres Sportes dar?

Zulic: Das war immer schon so, und gilt nicht nur für den Kampfsport. Hier ist Fußball-Deutschland. Alles andere sind Randsportarten. Es geht ja nicht darum, Millionen zu scheffeln. Aber die Möglichkeit zu haben, ganz für seinen Sport zu leben, sich darauf konzentrieren zu können. Wenn du jung bist, akzeptierst du das trotzdem, aber wenn du älter wirst, kannst du dir das nicht erlauben.

Und die sportliche Anerkennung? Sie waren doch die Nummer 1 hier.

Zulic: Das war mir immer egal. Aber inzwischen ist das immer wichtiger geworden, besonders auch durch diese ganzen Social-Media-Scheiß. Du postest irgendeinen Blödsinn, es geht nur noch darum, möglichst viele Follower zu haben. Diese ganze Show drumherum! Wenn einer auf dich zukommt und sagt, boah – du bist super! All das hat mich hat nie interessiert. Und wahrscheinlich musst du dich auch ein Stück weit verkaufen, um ganz oben mitmischen zu können. Aber das bedeutet für mich: Du verkaufst einen Teil deiner Seele. Du musst dich verstellen, um Türen zu öffnen, einen Kampf zu bekommen. Da habe ich keinen Bock mehr drauf.

Aber das ist doch auch Ihr Naturell. Sie waren noch nie mediengeil, sondern bevorzugten immer die öffentliche Doppeldeckung.

Zulic: Ich war nie daran interessiert, in der Zeitung zu stehen oder dass mir einer auf die Schulter klopft. Und warum soll ich mir mit all diesem Aufwand eine Fanbase aufbauen, wenn eh nichts passiert: Es kommt kein Sponsor. Du hast dann vielleicht viele sogenannte Freunde, aber hej – am Ende stehst du allein im Ring. Keiner bezahlt dir die Miete; wenn du verlierst, sagen sie: Hab ich ja immer schon gedacht. Was soll ich da aufbauen? Das ist doch eh alles nur Blabla.

Aber was war denn dann Ihre Belohnung als Sportler?

Zulic: Das Schönste war, wenn alles passt, du im richtigen Gym bist, in einem Team. Die Vorbereitung zum Kampf hin, wenn man miteinander schwitzt, kämpft und lacht: Das ist das Schönste. Und dann letztendlich eins gegen eins im Ring, das Gefühl kannst du ja keinem beschreiben, dieses Gladiatorenähnliche – und wenn dann noch der Ringrichter deinen Arm in die Höhe zieht. Unglaublich! Dann hat sich der ganze Aufwand, der Schweiß, das Blut gelohnt. Das war das Schönste, aber das war – jetzt gibt es anderes. Wenn zum Beispiel Luan lächelt . . .

Was hätten Sie erreicht, wenn Sie sich völlig auf Ihren Sport hätten konzentrieren können?

Zulic: Ohne arrogant wirken zu wollen: Wenn ich die optimalen Bedingungen gehabt hätte, wäre ich natürlich weitergekommen, hätte viel mehr Titel gesammelt. Aber ich will nicht jammern. Für mich war das Beste in all den Jahren im Kampfsport, dass ich Ania kennengelernt habe. Das war mein größter Erfolg. All diese Popelstitel sind im Vergleich dazu nichts wert. Ania ist fürs Leben, das andere ist nur Statistik.

Hat dieser Kampf in Aachen dennoch eine Bedeutung für Sie?

Zulic: Ich freue mich unheimlich: Es hat mit Frederick (Jungheim) angefangen, und wer weiß: Vielleicht ist es jetzt der letzte – und es hört auch mit Frederick auf.

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